Besucheransturm: Touristen machen Spanien froh

Besucheransturm: Touristen machen Spanien froh

von Tim Rahmann

Das Euro-Krisenland steuert auf einen Rekord bei den Besucherzahlen hin. Mallorca ist nahezu ausgebucht. Folge: Die Arbeitslosenzahl geht zurück. Doch sobald die Sonne verschwindet, kehrt die Krise zurück.

Wolkenloser Himmel und 33 Grad. Mallorca steht vor einem heißen Tag. Gut, dass das Mittelmeer mit rund 22 Grad Wassertemperatur eine willkommene Abkühlung bietet. Sonnig, aber nicht zu heiß, politisch stabil und eine kurze Anreise per Flugzeug: Spanien ist das internationale Sommer-Reiseziel Nummer Eins der Deutschen. Doch nicht nur hierzulande ist das Euro-Krisenland beliebt. Auch Briten, Russen und Skandinavier verbringen ihren Urlaub zunehmend an der Costa Brava, auf den Balearen, den Kanarischen Inseln oder an der Costa del Sol.

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Mehr als 26 Millionen Urlauber kamen bereits von Januar bis Juni nach Spanien. Ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von vier Prozent. 4,3 Millionen davon waren Deutsche (16 Prozent). Rang zwei hinter den Briten, die beinahe jeden vierten Touristen stellen. Mit einer Ausnahme: Mallorca bleibt fest in deutscher Hand. 40 Prozent aller Gäste haben einen deutschen Pass.

Setzt sich der Besucheransturm aus dem ersten Halbjahr fort, kann sich Spanien auf ein Superjahr freuen und den bisherigen Besucherrekord von 2007 mit knapp 59 Millionen ausländischen Gästen knacken. Die Chancen stehen gut: Die Belegungsrate der Hotels liegt im Juli und August seit Jahren zwischen 80 und 90 Prozent. In diesem Jahr seien bereits Anfang Juli 80 Prozent der Hotelbetten auf der gesamten Insel gebucht gewesen, teilte der Hoteliersverband Fehm mit. Die Zahl könne sich mit den erwarteten kurzfristigen Buchungen bis auf 100 Prozent erhöhen. Damit sei Mallorca in diesem Sommer das beliebteste Ferienziel am Mittelmeer.

Krise und Arbeitslosigkeit in Spanien

  • Die Zahlen

    Spanien hat mit 22,4 Prozent die höchste Arbeitslosenquote in der Europäischen Union. Bei Jugendlichen unter 25 Jahren lag sie im Jahresdurchschnitt 2011 bei 46,4 Prozent, im ersten Quartal 2012 stieg sie schon auf 52,1 Prozent - ebenfalls ein Negativ-Rekord in der EU. Von den im Mai registrierten 3,3 Millionen arbeitslosen Jugendlichen in der Eurozone lebten 921 000 in Spanien.

  • Die Jugend, das Hauptopfer

    Die spanischen Jugendlichen sind Hauptopfer des schrumpfenden Arbeitsmarktes. In Zeiten wirtschaftlicher Krise bevorzugen die Unternehmen bei Einstellungen hochgebildete Fachkräfte mit viel Erfahrung. Für viele Jugendlichen unter 25 Jahren bleibt als einzige Alternative die Zeitarbeit. Mehr als 57 Prozent der erwerbstätigen spanischen Jugendlichen haben - oft schlecht bezahlte - Zeitverträge.

  • Die Ursachen der Arbeitslosigkeit

    Als wichtigste Ursachen der hohen Jugendarbeitslosenquote in Spanien gelten ein früher Schulabbruch und das große Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot am Arbeitsmarkt. Vor allem bei Jugendlichen mit Hochschulabschluss ist das Angebot unverhältnismäßig groß und die Arbeitslosenquote im Vergleich zu den restlichen EU-Ländern hoch. Als weiteren Faktor nennen Experten die geringe Effektivität der Beschäftigungspolitik.

  • Die Regierung versucht, gegenzusteuern

    Die spanische Regierung hat im Februar eine Arbeitsmarktreform beschlossen, die Steuervergünstigungen für jene kleinen und mittleren Unternehmen vorsieht, die jugendliche Arbeitslose unter 30 Jahren einstellen. Der Vertrag enthält allerdings eine Probezeit von einem Jahr, in der die jugendlichen Arbeitnehmer ohne Abfindung entlassen werden können.

Davon profitiert freilich auch der krisengeplagte Staat. Schließlich gehört der Tourismus zu den wichtigsten Einnahmequellen und macht fast zehn Prozent des nationalen Bruttoinlandsproduktes aus. Auch auf dem Arbeitsmarkt sind die Folgen zu spüren. So ist die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen in Spanien im Juni erneut stark zurückgegangen. Wie das Madrider Arbeitsministerium mitteilte, waren zuletzt 4,76 Millionen Erwerbslose registriert, 127.000 weniger als im Vormonat. Dieser Rückgang um 2,6 Prozent sei der größte in einem Monat seit Beginn der Erhebungen nach der jetzigen Methode im Jahr 1997 gewesen.

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