Bettina Röhl direkt: Der griechische Milliarden-Coup

kolumneBettina Röhl direkt: Der griechische Milliarden-Coup

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Griechenland platzierte Anfang April erstmalig nach Jahren wieder eine Staatsanleihe auf dem Weltmarkt, Wert 3 Milliarden Euro.

Kolumne von Bettina Röhl

Die Euro-Gruppe trifft sich in Brüssel. Das griechische Fass wird neu aufgemacht und offenbart Mängel im Euro-Rettungssystem: Erst holt sich Griechenland teures Geld auf dem Weltmarkt. Doch die teuren Zinsen müssen die notorischen Euro-Retter zahlen, die jetzt auch noch die Konditionen bestehender Kredite endgültig auf Schenkniveau senken sollen.  

 

Die Euro-Krise gibt es eigentlich gar nicht. Es hat sie nie gegeben. Alles war nur eine böse Einbildung. Griechenland platzierte Anfang April erstmalig nach Jahren wieder eine Staatsanleihe auf dem Weltmarkt, Wert drei Milliarden Euro. Und es hieß aus Athen, dass die Anleihe mehrfach überzeichnet war. Die Griechen nahmen drei Milliarden Euro ein. Laufzeit der Anleihe fünf Jahre. Der versprochene, aber noch lange nicht gezahlte Zins, den die Gläubiger erwarten, beträgt 4,95 Prozent und liegt damit um den Faktor sechs höher als das Zinsniveau, das Griechenland für die bekanntlich exorbitant hohen und vor allem die Wirtschaftskraft des Landes übersteigenden Hilfskredite der diversen Rettungsschirme oder diverser Gönnerstaaten zu entrichten hat.

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Den Bürgern in den Geberländer der Euro-Staaten müsste es eigentlich ziemlich sauer aufstoßen, wenn sie einerseits mit solchen Floskeln eingelullt werden, die den Gesamteindruck schüren, dass Griechenland so hart an die Kette von EU, IWF (Internationaler Währungsfond) und der EZB, der europäischen Zentralbank und der diversen multilateralen und bilateralen Geldgeber gelegt worden wäre, dass es kaum noch eigenverantwortlich  Politik betreiben könnte. Und andererseits zu gegenwärtigen haben, dass Griechenland ohne Weiteres "fremd gehen" konnte, sprich sich für teure Zinsen frei ("normal", wie jeder andere Staat auch) vom internationalen Finanzmarkt das im Land fehlende Geld holen konnte. Griechenland feierte vor nicht einmal einem Monat seinen internationalen Geldcoup als Rückkehr des Landes auf den globalen Markt der finanzpolitischen Eitelkeiten.

Wieso konnte sich Griechenland für teure Zinsen Geld vom internationalen Finanzmarkt holen?

Wirtschaft und Finanzen sind gemäß Finanzminister Wolfgang Schäuble alles Mögliche, vor allem aber Psychologie. Mit der Weisheit steht Schäuble weiß Gott nicht allein. Selbstbewusstsein demonstrieren, Unabhängigkeit zeigen und sich um die Geldgeber, die Griechenland am Sozialtropf durchschleppen, einen Dreck scheren, ist eine starke psychologische Botschaft: Schaut her, wir sind gerettet, wir sind über den Berg! Wir haben uns nie mit falschen Angaben in den Euro-Vertrag hinein geschlichen. Wir haben keine Krise, wenn es überhaupt je eine Krise gab. Alles ist gut.

Klar, wenn Griechenland alle bekannten und alle verdeckten Schulden, die der Staat im Ausland oder gegenüber seinen eigenen Bürgern hat, auf ein solches Kracher-Zinsniveau von fast fünf Prozent umschulden würde, wäre das Land noch im selben Moment zahlungsunfähig. Dabei handelt es sich bei den Zinsen, die Griechenland für die erste nur scheinbar auf dem freien Markt gezogene Anleihe versprach, nicht einmal um den wirklichen Zins, den Griechenland zu zahlen hätte, wenn es frei Geld auf dem Markt aufnehmen wollte. Natürlich sind auch die fast fünf Prozent, die Griechenland jetzt seinen neuen Gläubigern versprochen hat, noch ein geschönter Zins, denn das griechische Risiko ist für die Geldgeber in Wahrheit um ein Vielfaches höher.

Warum konnte sich Griechenland für immense, aber andererseits auch für "nur" fünf Prozent drei Milliarden Euro auf dem freien Geldmarkt besorgen? Weil die neuen Gläubiger genau wissen, dass Griechenland nicht nur am sozialen Tropf wohlmeinender Geldgeber hängt, alles unter der "Devise" der Euro-Rettung, sondern weil die neuen Gläubiger auch wissen, dass Griechenland auch noch lange und womöglich noch anschwellend von diesem Tropf genährt wird.

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