Bettina Röhl direkt: Der hässliche Deutsche

kolumneBettina Röhl direkt: Der hässliche Deutsche

Kolumne von Bettina Röhl

In den Euro-Krisenländern hat der "hässliche Deutsche" Hochkonjunktur. Doch primitives Ressentiment ist wenig hilfreich die Euro-Krise zu lösen.

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In Südeuropa wächst der Hass auf die Deutschen. Doch mit deutschlandfeindlichen Parolen lässt sich die Krise nicht lösen.

In den Eurokrisenländern Irland, Portugal, Spanien, Italien, Griechenland, Zypern hat der nie ganz verschwundene hässliche Deutsche eine kaum für möglich gehaltene Revitalisierung erfahren. Sinnbildhaft für dieses Phänomen, das medial mit wenig intellektueller Durchdringungstiefe fast ein wenig erstaunt oder gespielt gelangweilt beschrieben wird, ist gewiss eine deutsche Kanzlerin, der auf Karikaturen und Bildern ein Hitlerbärtchen und eine entsprechende Uniform und ein Hakenkreuz verpasst werden. Derlei Darstellungen geistern durch die Öffentlichkeiten der Euroschwächlinge. Und dies sowohl auf wütenden Protestdemonstrationen auf den Straßen als auch geschürt aus den Systemen, aus den etablierten Rängen, sprich in Medien, in den Talkshows, in der Politik.
Da werden in Europa, das doch angeblich eine Rechts-und Werteordnung wäre, Schwelgereien in Nazi-Symbolen en vogue, für die ein Deutscher in Deutschland mit Gefängnisstrafe rechnen müsste. Da reden sich Gruppen von Menschen in eine Rage, die sich verselbständigt. Eine über alle Grenzen hinweg gehende Relativierung der Geschichte ist, wenn sie zu einer Volksstimmung verkommt, ein Unwert eigener Art.


Hass wird auf Deutschland umgeleitet
Merkel, Schäuble und all die anderen Führungsfiguren und die Deutschen sind im Jahr 2013 nicht mit Hitler und nicht mit dem Nazistaat oder der Nazigesellschaft gleichzusetzen. Auch eine Ursache für die antideutschen Turbulenzen in jenen Ländern, die die Hände weit auf halten und sich von Deutschland systematisch und in Jahrzehntealten Routinen finanziell helfen lassen, ist, wenn man die Medien betrachtet, schon ausgemacht: Die Deutschen würden mit ihrer aus D-Mark-Zeiten erprobten Disziplin in Sachen Finanzen und Wirtschaft und auch in besonderer Weise in Sachen Staatshaushalt wie ein autoritärer Dirigent das europäische Konzert leiten und so den schwachen Euro-Kandidaten eine ungeheure Rezession aufzwingen. Der Euro-Süden solle sich kaputt sparen und sich letzten Endes einer deutschen, auch politischen Hegemonie unterwerfen. Das verlangten die Deutschen für ihre Hilfszahlungen, für die sie auch noch Zinsen kassierten.

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Die kleinen Leute, die auf die Straßen gehen, protestieren, weil sie unmittelbar unter der Euro-Krise leiden, in dem ihre Arbeitsplätze wegbrechen und in dem ihre Einkommen sinken. Und die Eliten in den Krisenländern instrumentalisieren das Bild des hässlichen Deutschen allzu gern, um davon abzulenken, dass sie selber die Verantwortung für die Haushaltskrisen und auch für die Bankenkrisen in ihren Ländern tragen. Diese Melange aus real existierendem Frust und geschürtem Ressentiments ist politisch, langfristig betrachtet, allerdings nichts, was sich dafür eignet einfach ausgesessen oder wie nicht existent behandelt zu werden.

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