Bettina Röhl direkt: Die Euro-Ideologen

kolumneBettina Röhl direkt: Die Euro-Ideologen

Kolumne von Bettina Röhl

Mit fast schon religiösem Wahn und inhaltsleeren Argumenten kämpfen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble gegen die Schuldenkrise. Die Realitäten blenden sie aus.

Waren das noch herrliche Zeiten als der Franzose Valery Giscard d’Estaing und der Deutsche, Helmut Schmidt, in den siebziger Jahren, die sogenannte Währungsschlange in Europa etablierten. Darin kann man mit Recht die bessere Urmutter des schlechter durchdachten Euro erblicken. Der geniale Gedanke damals: die Irrationalitäten und die Spekulationen für oder gegen irgendeine europäische Währung wurden begrenzt; innerhalb unterschiedlich definierter Schranken konnten die Währungskurse gegeneinander frei floaten, wie es damals hieß und das damals noch wichtigere Verhältnis zum Dollar wurde handhabbar gemacht. Länder konnten diesem europäischen Verein beitreten oder auch wieder austreten und bei Kappung aller Risiken blieb die wichtigste Stellschraube, nämlich die individuelle Anpassung der Währung jedes Landes das zu diesem Verbund zählte, erhalten: Stabilität durch Flexibilität.

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Auch damals waren globale Krisen, man denke an den ersten Ölschock dieser Welt im Februar 1973, zu bewältigen. Man denke auch an die Auf-und Abwärtsbewegungen des Kalten Krieges usw. Damals wuchs Westeuropa noch zusammen, gedieh und zwar nicht trotz unterschiedlicher Währungen seiner mittelgroßen und kleinen Staaten, sondern wegen der Existenz der nationalen Währungen in Europa.  Man hatte sich lieb und es war schön, aber es war nervig mit den vielen unterschiedlichen Münzen im Reiseportemonnaie.

Das Merkel-Märchen

Dagegen nähert sich Angela Merkels und Wolfgang Schäubles Euro-Ideologie fast schon einem religiösen Wahn. Europa wird wie eine tickende Zeitbombe behandelt, die nur mit einem dicken Kokon aus Euroscheinen daran zu hindern wäre in die Luft zu gehen. Wer regiert hat im Fall der Fälle die Darlegungs- und die Beweislast für die Rechtmäßigkeit und Richtigkeit seines Tuns. Und er hat in medialen Zeiten auch die Kommunikationslast, dem einfachen Bürger sein Tun verständlich zu erläutern. Alle drei Pflichten verletzen Merkel und Schäuble und ihre Anhänger beharrlich seit zwei Jahren in Sachen Euro-und Finanzkrise.

Das Merkel-Märchen, dass eine Pleite Griechenlands und die Rückkehr Griechenlands zur Drachme den Euro in den Abgrund risse und der Euro dann die ganze Welt, ist, wie man in Hamburg sagen würde, Tüddelkram auf Klein-Erna-Niveau. Die Griechen mögen ja wichtig sein, aber so wichtig, dass die Welt an ihnen hinge, sind sie gewiss nicht. Dass der Mut der Euro-Länder ein Land ordnungsgemäß aus dem Währungsverbund zu entlassen auf den Weltmärkten Vertrauen schaffen würde, steht ziemlich fest. Und dass ein solcher starker Auftritt den Spekulanten den Mut nähme, auch. Die gegenteilige Behauptung von Merkel und Schäuble, ein Scheitern Griechenlands am Euro wäre der Dominostein, der alle Volkswirtschaften Europas der Reihe nach in den Abgrund stieße, und dies vor allem, weil die Spekulanten nur so auf den Plan gerufen würden, ist klein und schwach gedacht. Eine solche Denkweise schadet allerdings in der Tat dem Euro.

Das Merkel-Märchen, dem sich die Eurobond-Phantasten von der Opposition anschließen, dass Deutschland die Euro-Krise mit seinem Geld ersticken müsse um den Euro und die Welt zu retten, ist teutonische Gigantomanie. Wer mit dem Spruch daher kommt, dass Deutschland ja nicht zahlen werde, sondern sich nur verbürgen würde, Verzeihung, nur den größten der inflationär aus dem Boden wachsenden Rettungsschirme tragen würde und selber am meisten vom Tragen dieses Rettungsschirmes profitieren würde, ist so dämlich wie der blumige und die Gehirne verkleisternde Ausdruck "Rettungsschirm".

Eine Bürgschaft kostet normalerweise, einfach nur so als Risikoversicherung, ohne, dass sie in Anspruch genommen wird, Geld, eine Avalgebühr, einen Bürgschaftszins. Für das bloße Tragen eines Rettungsschirmes müsste Deutschland normalerweise ganz viel Geld bekommen. Aber das soll ja gerade nicht sein, weil ganz im Gegenteil die nicht mehr voll kreditwürdigen Länder ihrerseits Zinsen, die sie auf den Weltmärkten zahlen müssten, einsparen sollen und weil die betroffenen Länder Bürgschaftsgebühren dieser Größenordnung gar nicht zahlen könnten.

Auch ein europäisch vergemeinschafteter Rettungsschirm ist per Saldo ein deutsches oder ein nordeuropäisches Geschenk an den schwächelnden Süden, ohne, dass der Sinn und Zweck erkennbar ist und ohne, dass es eine realistische Chance gibt, dass alte Sünden von De-facto-Subventionierungen etwa Griechenlands zukünftig vermieden würden.

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