Bettina Röhl direkt: Goodbye, Christine Lagarde!

kolumneBettina Röhl direkt: Goodbye, Christine Lagarde!

Bild vergrößern

Die Französin Christine Lagarde ist die Direktorin des Internationalen Währungsfonds.

Kolumne von Bettina Röhl

Neuer Schuldenschnitt oder Milliardenkredite zur Rettung Griechenlands. Um diese untauglichen Alternativen geht es (wieder einmal) beim heutigen Krisengipfel der Euro-Finanzminister in Brüssel. 

Es wird Zeit, dass die IWF-Chefin Christine Lagarde, die jetzt erneut den Schuldenerlass durchpeitschen will, aus der Euro-Rettungspolitik verabschiedet wird. Die berüchtigt-berühmte Troika bestehend aus Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfond (IWF) hat sich in ihrem Euro-Krisen-Management und in ihrer Behandlung der ganz speziellen Finanzkrise Griechenlands, die auch eine Wirtschaftskrise außergewöhnlichen Ausmaßes des Landes ist, als wenig hilfreich erwiesen.

Was für ein Sammelsurium von demokratisch  überhaupt nicht oder allenfalls schwach (EU) legitimierten Institutionen ist da unter dem etwas absurden Namen "Troika" am Werkeln! Man muss schon unterscheiden zwischen der Außenstellung des Euro zum Rest der Währungen dieser Welt, die es auch noch gibt und dem Standing des Euro im Inneren der Euro-Zone. Der IWF mit seiner arg selbstherrlichen Chefin Christine Lagarde an der Spitze mag vielleicht geeignet sein die notorisch unterbewertete Währung des Exportweltmeisters China im Interesse der Fairness des globalen Handels zu moderieren, will sagen, für einen Interessenausgleich zwischen China und den anderen Exportnationen zu vermitteln (da könnte sich Lagarde mal nutzbringend beweisen), aber im Innersten einer Währung selbst, im internen Management dieser Währung ist der IWF ein völlig ungeeigneter Fremdkörper.

Anzeige

Anmaßend und diktatorisch

Es ist schon grauenhaft und peinlich mit anzusehen, wie Lagarde mal aus Tokio, mal aus Manila mit öffentlichen Statements Euro-Politik machen will und dies faktisch betrachtet mit einer unangemessen großen Wirkung für und gegen die nationalen Regierungen und Parlamente der 17 Euro-Länder. Die Dame wird immer anmaßender und regelrecht diktatorisch, wenn sie sich als böser Geist an alle Kabinettstische der Euro-Regierungen setzt und sich jetzt auch noch als Hauptfigur beim heutigen Euro-Finanzministertreffen in Brüssel als die eigentliche Chefin schon vorab in Szene setzt und dies mit dem angekündigten Verlangen, dass die Finanzminister Griechenland erneut mit erhebliche Milliardenbeträgen beschenken.  

Das steht im Troika-Bericht

  • Grundaussage

    Griechenland soll für die Umsetzung seiner Sparziele zwei Jahre mehr Zeit erhalten. Das empfiehlt die "Troika" in ihrem neuesten Bericht. Denn: Griechenland habe einen "signifikanten Aufholprozess" eingeleitet.

  • Schuldentragfähigkeit

    Ziel der internationalen Geldgeber ist es weiterhin, Griechenland so zu unterstützen, dass es seine Schulden auf ein tragfähiges Niveau drücken kann. Das wäre der Fall, wenn der Schuldenstand bei 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts läge. Derzeit summieren sich die Verbindlichkeiten des Landes auf über 160 Prozent des BIP. Eigentlich sollte Griechenland bis 2020 die Schuldentragfähigkeitsgrenze erreichen. Eurogruppen-Chef Juncker sprach zuletzt davon, bis 2022 das Ziel erreichen zu wollen.

  • Widersprüchliches

    Die Kernaussage der "Troika" ist widersprüchlich, da die Liste der Bedingungen, die von Griechenland erfüllt werden müssen, damit die nächste Tranche an Hilfszahlungen überweisen wird, große Lücken enthält. Von der "prior action"-Liste sind von insgesamt 67 Bedingungen 35 nur teilweise oder gar nicht erfüllt.

  • Finanzierungslücke

    Durch die stärkere Rezession in Griechenland fehlen laut "Troika-Bericht" schon bis 2014 rund 15 Milliarden Euro. Bis dahin sollte der Staat eigentlich einen Primärüberschuss von 4,5 Prozent der Wirtschaftskraft erzielen - und damit seine Rechnungen wieder selbst begleichen können. Gelingt dass nun erst 2016, liegt die Finanzierungslücke insgesamt bei mehr als 32 Milliarden Euro. Wie diese geschlossen werden soll, ist noch unklar. Fest steht nur: Griechenland kann die Lücke alleine nicht schließen, die internationalen Geldgeber müssen erneut ran.

  • Reaktionen

    Das Zeugnis der Schuldeninspekteure sei "im Grundton positiv, weil die Griechen wirklich geliefert haben", sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker. Auch aus Deutschland gab es lobende Worte für Athen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe die Verabschiedung des Haushaltes "mit großem Respekt" zur Kenntnis genommen, sagte Regierungssprecher Georg Streiter. "Griechenland hat getan, was es tun musste, und nun ist es Zeit, dass die Kreditgeber ihre Versprechen einlösen", erklärte der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras.

Doch dieses Geschenk heißt auf deutsch Schuldenerlass oder neudeutsch Schuldenschnitt. Und die etwas lädierte amerikanische Hochglanzbank Goldman Sachs hat auch schon eine Idee (eine Studie), wie hoch denn der Betrag des Geschenkes an Griechenland zu sein hätte parat. Da ist von 80 Milliarden Euro die Rede. Nach dem Motto Klotzen ist besser als Kleckern.  Allerdings fällt auch jeder Klotz durch das Fass, das keinen Boden hat. Man kann es nicht oft genug sagen: Griechenland hat nur vordergründig ein Schuldenproblem. Das Hauptproblem ist, dass das Land keine wettbewerbsfähige Wirtschaft hat und an der Tatsache lässt sich mit Geschenken nur wenig ändern.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%