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kolumne Bettina Röhl direkt: Kaffeesatz und Euro-Absolutismus

Kolumne von Bettina Röhl

Scheinbare ökonomische Gewissheiten lösen sich auf. Konjunktur haben die Märchenerzähler vom Schlage Wolfgang Schäubles. Aber das wunderbare Heilmittel, das Südeuropa wettbewerbsfähig macht, gibt es nicht.

José Manuel Barroso - Präsident der EU-Kommission

Er sagt es immer wieder: Die EU kann sich in der Welt nur Gehör verschaffen, wenn sie mit einer Stimme spricht. Aber oft steht auch er einer einheitlichen Außenpolitik im Weg.

Bild: dpa

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Gold ist gar nichts wert, aber die Menschen sind gierig danach. Das verleiht dem seltenen Metall einen real fiktiven Wert. Immerhin. Für echte Weltwirtschaftskrisen stellt Gold eine vergleichsweise nutzlose Sicherheit dar. Der Dollar verliert seine Fähigkeit Weltleitwährung zu sein sukzessive. Die US-Währung lebt nur noch von ihrer Tradition und ist nicht mehr der Ruhepol und die Messlatte für das Geschehen auf den Geldmärkten.

Das japanische Wirtschaftswunder hat seinen Kulminationspunkt erreicht. Der Wachstumsfetisch der turbokapitalistischen Kommunisten aus Peking verliert an Zauber. Indien ist auf eine vergleichsweise gesunde Art mit sich selbst beschäftigt. Rohstoffgiganten wie Saudi-Arabien oder Russland haben immer mehr mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Alle weltwirtschaftlichen Eckdaten, deren Liste hier noch beliebig verlängert werden könnte, sind zunehmend weiche Faktoren geworden.

Das Urteilsvermögen der drei großen amerikanischen Ratingagenturen wurde wahrscheinlich immer deutlich überschätzt. Aber dass von dort immer weniger Analysen und Bewertungen zu erwarten sind, auf die die Politik bauen könnte, hängt mit der zunehmenden Unkalkulierbarkeit des Weltwirtschaftsgeschehens und auch der Weltfinanzmärkte zusammen.

Der Euro, der als Adler in die Luft geschickt wurde, entpuppte sich schnell als quakender immer neu zu großen Sprüngen ansetzender Frosch, den jetzt alle Welt mit deutscher Unterstützung wach küssen will.

Deutsche Bank

Das nach der Bilanzsumme größte europäische Institut gilt trotz aller gegenteiligen Aussagen des Topmanagements als kapitalschwach. Die Abhängigkeit vom Investmentbanking ist zudem nach wie vor groß. Allerdings war die Bank  bisher ausreichend profitabel, die offensichtlichen Risiken in ihrer Bilanz sind zudem begrenzt. Zudem kann sie sich günstiger als die meisten Konkurrenten finanzieren.

Bilanzsumme: 2103 Milliarden Euro

Kernkapitalquote: 10 Prozent

Kosten für Ausfallschutz (CDS Aufschläge 5-jähriger Forderungen): 176

Engagement in Krisenländern (2011): 7,3 Milliarden Euro

Langfristiges Moodys-Rating: A2

Quellen: Unternehmensangaben, Eba

Bild: dpa

Schäubles Euro-Absolutismus

Um den Aktionismus der ratlosen Euro-Retter einigermaßen zu erfassen, muss man wohl in die Märchenwelt einsteigen. Wenn sich der deutsche Finanzminister, Wolfgang Schäuble, jetzt noch schnell vor seiner Abreise ins schöne Keitum auf Sylt in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" ratlos und großtuerisch zugleich so äußert: "Wir sind die größte Wirtschaftsregion der Welt. Das Problem ist, dass wir in der Währungsunion einen neuen Weg gehen bei der Krisenbewältigung. Vielleicht haben noch nicht alle Investoren unsere Strategie verstanden, aber sie werden sie verstehen. Da muss man auch ein wenig Gelassenheit zeigen", dann wird das Problem und eben nicht die Lösung deutlich.

Mehr hat Schäuble, der dies gebetsmühlenartig in immer neuen Variationen wiederholt, nicht auf der Platte. Statt Andere zu schelten, dass sie sein Konzept nicht verstehen, sollte er sein Konzept, wie er sagt, den "neuen Weg" endlich aus seiner Geheimschatulle heraus holen und überzeugend erläutern. Oder ist etwa dieses arrogante Geschwafel von der europäischen Union, an der er, Merkel und die europäischen Regierungskollegen arbeiteten, Schäubles einzige Idee den Euro zu retten? Schäuble im Sommer-Interview: "Wir arbeiten doch an einer politischen Union. Aber da müssen die Europäer auch mit einem gewissen Selbstbewusstsein sagen: Wie wir die europäische Einigung vorantreiben, entscheiden wir - nicht Investoren, zum Beispiel in Shanghai. Das erfordert Änderungen der EU-Verträge und braucht Zeit."

Auch die Vereinigten Staaten von Europa - auf lange Sicht noch bestenfalls ein schönes Märchen -  sind keine Lösung für die Euro-Krise heute, ganz abgesehen davon, dass Schäuble das Konzept für seinen gigantomanischen politischen Wurf eines europäischen Zentralstaates schuldig bleibt.

Es ist die Zeit der Märchenerzähler. Kein Wunder, dass die Zunft der Ökonomen in solchen Zeiten zerstritten ist wie nie. Die Euro-Skeptiker unter ihnen werden als national, eigentlich als nationalistisch eingestellt und wissenschaftlich minder qualifiziert gescholten.  Starker Tobak angesichts der Tatsache, dass die selbst ernannten Euro-Patrone seit zwei Jahren keinen Rettungsschlüssel gefunden haben und umgekehrt permanent zugeben müssen, dass die Euro-Krise immer neue Facetten aufwiese und immer neue Löcher zu stopfen wären.

24 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.08.2012, 09:20 UhrHeinerZ

    Ein an sich guter Artikel, würde er nicht hier und da selber völlig falsch springen.

    Beispiel: "Die Täter- und Kriegsverlierernation Deutschland, sprich deren verkleinerter Teil namens Bundesrepublik, machte am meisten aus der Marschallhilfe, obwohl fast alle Städte und Industrieanlagen in Deutschland zerbombt oder zerstört waren."

    Nicht "obwohl fast alle Städte [...] zerstört waren.", sondern weil es so war bestand die "Gnade" des völlgen Neuaufbaus. Den hat man heute aus vielen Gründen zum Glück nicht, aber dadurch wird es eben komplizierter und sehr viel teurer einen ähnlichen Marshall-Plan für im Kern Südeuropa erfolgreich zu entwickeln.

    Was heute im Wege steht ist fehlende Solidarität und nationaler Egoismus in einer arbeitsteilig und wettbewerbsmäig aufgeteilten Welt.

    Wenn in D Premium PKWs produziert werden mit Arbeitsplätzen in D und man europäisch denken würde, müßte man an sich diese Produktion samt Arbeitsplätzen europäisch verteilen. Wer ist zu dieser Art teilen bereit in Wirtschaft, Politik, Volk? Eben!

    Bliebe die Aufgabe neue Produkte und Themenfelder zu suchen. Dass, was es geben könnte wird kaum eine Volkswirtschaft als Ganzes zu Wohlstand führen, sondern eher wenige und hier sehr gut ausgebildete. Nichts für den einfachen Menschen auf der Strasse - im wahrsten Sinne des Wortes.

    Ein dritte Weg wäre, das Exportmodell auch Europas China als Werkbank der Welt für eher billige Produkte zu beenden und Teile der Fertigung wieder zu "reimportieren". Selbst dann, wenn Produkte teurer würden und so entweder Margen sinken oder Preise steigen oder beides. Immerhin gäbe in den Volkswirtschaft so etwas wie Arbeit - auch für den einfachen Zeitgenossen.

    Ein erfolgreicher M-Plan für heute bestünde aus alle dem.

    So ein Ex-Marshall-Plan funktioniert eben dann, wenn man etwas aufbauen kann. In einer eher satten und eher unzerstörten Welt kann das nicht wie in den Nachkriegsjahren in Europa funktionieren.

    Sollte an sich klar sein!

  • 31.07.2012, 16:31 UhrEuro-Phantasten

    Sehr guter Artikel, danke.
    Wieso werden die Fehler des Eurokonstrukts nicht aufgearbeitet und die Verantwortlichen benannt, auch Euro-Phantast Schäuble? Wieso werden Fehler wie Target2 oder ELA, seit 2007 erkennbar, nicht benannt, und die Verantwortlichen, die so ein Stümperwerk zuließen, nicht aus ihren Ämtern gejagt (auch Juncker)?
    Der Euro kostet den Wohlstand ganzer Generationen, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie und sozialen Frieden.
    Vor dem Euro waren die GIPS nicht wettbewerbsfähig (S hatte 1995 fast eine so hohe Arbeitslosigkeit wie heute und über 12% Zinsen). Nur EU-Subventionen brachten Wachstum. Fallen diese weg, können diese Staaten , da nicht wettbewerbsfähig, nicht selbst tragen. Im Euro können sie nicht abwerten. Märcherzähler wie Schäuble leben immer noch im letzen Jahrhundert. Ihre Phantast-Idee der VSE wird wie Jugoslawien enden. Die Eurokraten sind größenwahnsinnig.

  • 31.07.2012, 16:28 UhrKnut34

    Den Euro Nein Danke Aufkleber gibt es auf ebäh!

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