Bettina Röhl direkt: Kaffeesatz und Euro-Absolutismus

kolumneBettina Röhl direkt: Kaffeesatz und Euro-Absolutismus

Kolumne von Bettina Röhl

Scheinbare ökonomische Gewissheiten lösen sich auf. Konjunktur haben die Märchenerzähler vom Schlage Wolfgang Schäubles. Aber das wunderbare Heilmittel, das Südeuropa wettbewerbsfähig macht, gibt es nicht.

Gold ist gar nichts wert, aber die Menschen sind gierig danach. Das verleiht dem seltenen Metall einen real fiktiven Wert. Immerhin. Für echte Weltwirtschaftskrisen stellt Gold eine vergleichsweise nutzlose Sicherheit dar. Der Dollar verliert seine Fähigkeit Weltleitwährung zu sein sukzessive. Die US-Währung lebt nur noch von ihrer Tradition und ist nicht mehr der Ruhepol und die Messlatte für das Geschehen auf den Geldmärkten.

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Das japanische Wirtschaftswunder hat seinen Kulminationspunkt erreicht. Der Wachstumsfetisch der turbokapitalistischen Kommunisten aus Peking verliert an Zauber. Indien ist auf eine vergleichsweise gesunde Art mit sich selbst beschäftigt. Rohstoffgiganten wie Saudi-Arabien oder Russland haben immer mehr mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Alle weltwirtschaftlichen Eckdaten, deren Liste hier noch beliebig verlängert werden könnte, sind zunehmend weiche Faktoren geworden.

Das Urteilsvermögen der drei großen amerikanischen Ratingagenturen wurde wahrscheinlich immer deutlich überschätzt. Aber dass von dort immer weniger Analysen und Bewertungen zu erwarten sind, auf die die Politik bauen könnte, hängt mit der zunehmenden Unkalkulierbarkeit des Weltwirtschaftsgeschehens und auch der Weltfinanzmärkte zusammen.

Der Euro, der als Adler in die Luft geschickt wurde, entpuppte sich schnell als quakender immer neu zu großen Sprüngen ansetzender Frosch, den jetzt alle Welt mit deutscher Unterstützung wach küssen will.

Schäubles Euro-Absolutismus

Um den Aktionismus der ratlosen Euro-Retter einigermaßen zu erfassen, muss man wohl in die Märchenwelt einsteigen. Wenn sich der deutsche Finanzminister, Wolfgang Schäuble, jetzt noch schnell vor seiner Abreise ins schöne Keitum auf Sylt in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" ratlos und großtuerisch zugleich so äußert: "Wir sind die größte Wirtschaftsregion der Welt. Das Problem ist, dass wir in der Währungsunion einen neuen Weg gehen bei der Krisenbewältigung. Vielleicht haben noch nicht alle Investoren unsere Strategie verstanden, aber sie werden sie verstehen. Da muss man auch ein wenig Gelassenheit zeigen", dann wird das Problem und eben nicht die Lösung deutlich.

Mehr hat Schäuble, der dies gebetsmühlenartig in immer neuen Variationen wiederholt, nicht auf der Platte. Statt Andere zu schelten, dass sie sein Konzept nicht verstehen, sollte er sein Konzept, wie er sagt, den "neuen Weg" endlich aus seiner Geheimschatulle heraus holen und überzeugend erläutern. Oder ist etwa dieses arrogante Geschwafel von der europäischen Union, an der er, Merkel und die europäischen Regierungskollegen arbeiteten, Schäubles einzige Idee den Euro zu retten? Schäuble im Sommer-Interview: "Wir arbeiten doch an einer politischen Union. Aber da müssen die Europäer auch mit einem gewissen Selbstbewusstsein sagen: Wie wir die europäische Einigung vorantreiben, entscheiden wir - nicht Investoren, zum Beispiel in Shanghai. Das erfordert Änderungen der EU-Verträge und braucht Zeit."

Auch die Vereinigten Staaten von Europa - auf lange Sicht noch bestenfalls ein schönes Märchen -  sind keine Lösung für die Euro-Krise heute, ganz abgesehen davon, dass Schäuble das Konzept für seinen gigantomanischen politischen Wurf eines europäischen Zentralstaates schuldig bleibt.

Es ist die Zeit der Märchenerzähler. Kein Wunder, dass die Zunft der Ökonomen in solchen Zeiten zerstritten ist wie nie. Die Euro-Skeptiker unter ihnen werden als national, eigentlich als nationalistisch eingestellt und wissenschaftlich minder qualifiziert gescholten.  Starker Tobak angesichts der Tatsache, dass die selbst ernannten Euro-Patrone seit zwei Jahren keinen Rettungsschlüssel gefunden haben und umgekehrt permanent zugeben müssen, dass die Euro-Krise immer neue Facetten aufwiese und immer neue Löcher zu stopfen wären.

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