Bettina Röhl direkt : Peinlicher Einheitsbrei aus Brüssel

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kolumneBettina Röhl direkt : Peinlicher Einheitsbrei aus Brüssel

Kolumne von Bettina Röhl

Bald können Kunden im Internet bestellte Waren nicht mehr kostenlos zurücksenden - dank einer Brüsseler Verbraucher-Richtlinie. Die ist ein bürokratisches Konstrukt - und großer Unsinn.

Was den Kauf im Internet anbelangt, war Deutschland bislang maximal verbraucherfreundlich - als eines der wenigen Länder in Europa. In Italien galt das Rückgaberecht bislang nur eine Woche - und es bedurfte für jede Rückgabe eines Einschreibens. In Großbritannien hat die Rückgabe überhaupt keine Tradition. Aber sind die Marktanteile der Internethändler am gesamten Einzelhandel dort höher? Mitnichten. 

Im Gegenteil: Der Hamburger Otto-Versand hat sich in den vergangenen 65 Jahren auf der Grundlage eines freizügigen Ansichts-und Rückgaberechtes zu Europas größtem Versandhaus entwickelt. Teure Kundenfreundlichkeit zahlte sich aus. 

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Doch damit ist es nun vorbei. Ab Freitag, dem 13. Juni, ist Schluss mit der kosten- und begründungslosen Rücksendung von im Internet bestellten Waren. 

Das Beispiel zeigt: Viele EU-Richtlinien, die in nationale Gesetze umgemünzt werden, sind offenkundig das Produkt weitestgehend unkontrolliert arbeitender, hoffnungslos überbezahlter Eurokraten in Brüssel.

Wir leben in einer Zeit, in der die Verbraucherschutzrechte, oft gekünstelt, kaum nachvollziehbar und mit geringstem Nutzen, verschärft und manchmal sinnlos durchgequirlt werden. Da ist es ganz und gar unverständlich, dass der Internethandel künftig kundenfeindlicher ausgestaltet wird - aber dafür europaweit einheitlich. Warum war nicht maximale Kundenfreundlichkeit für alle Europäer die oberste Devise bei den Beamten? 

Aktuelle Entscheidungen Steuern und Recht kompakt

Ab 13. Juni gelten neue Regeln für den Online-Handel. Für die Kosten der Rücksendung muss zukünftig der Kunde aufkommen. Außerdem gibt es Neues zum Thema Arbeitszimmer, Baumängel, Mietrecht und Gerichtsverfahren.

Wer ab Mitte Juni bei Online-Händlern bestellt, muss die Kosten der Rücksendung selbst tragen. Quelle: Fotolia

Wem in der Brüsseler Bürokratie nichts Sinnvolles einfällt, der lässt sich eben irgendetwas einfallen, egal, ob es nützlich oder marktadäquat oder marktgerecht ist. Europäische Einfalt, aber eben auf gleichniedrigem Niveau, ist sicher eine der Ursachen dafür, dass die Europäer sich nicht richtig mit den Brüsseler Behörden identifizieren.

Überflüssige Hätschelei

Erstaunlich ist, dass die öffentliche Berichterstattung den Oberunsinn aus Brüssel in komplett verfälschender Weise sanktioniert und dabei zu ganz eigenartigen Ergebnissen gelangt. Diese vermitteln den Eindruck, als gäbe es eine Notwendigkeit oder eine Logik für die absurde Regelung, die man der Privatwirtschaft selber hätte überlassen sollen

Es ist abwegig, dass die Internethändler bösen Kunden hilflos ausgeliefert sind und politischen Schutz von ganz Oben brauchen. Wer in zehn Jahren zu einem mächtigen Marktplayer gegen den Einzelhandel wird wie Amazon, muss nicht gesetzlich "subventioniert" und gehätschelt werden.

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