Bild: dpa„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble versicherte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Juli 2010, dass die Rettungsschirme nicht von Dauer sein werden. Inzwischen ist klar: Der Euro-Rettungsschirm EFSF wird zwar abgelöst, aber ersetzt durch den permanenten Rettungsschirm ESM.
Bild: dpa„Wir werden jeden Cent zurückzahlen. Deutschland bekommt sein Geld zurück - und zwar mit hohen Zinsen“
Griechenlands Ex-Regierungschef Giorgios Papandreou betonte im März 2011, dass sein Land nicht dauerhaft alimentiert werden braucht. Bei den Rettungspaketen handele es sich lediglich um Kredite, die das Land mit hohen Zinsen zurückzahlen werde. Doch: Wenige Monate später brauchte Griechenland einen Schuldenschnitt. Der betraf zwar zunächst nur private Gläubiger. Allerdings: Mehrere Milliarden musste mit dem Schuldenschnitt auch die deutsche Hypo Real Estate abschreiben, die Griechenland-Anleihen im Wert von rund acht Milliarden Euro besaß. Durch die Verstaatlichung der Bank im Jahr 2009 trägt diese Lasten der deutsche Steuerzahler.
Bild: dapd„Wenn Griechenland pleitegehen würde, wäre das schlimmer als Hypo Real Estate und Lehman Brothers zusammen“
Wolfgang Schäuble warnte bei einem Treffen der Unionsfraktion vor den unkontrollierbare Folgen einer Griechenland-Pleite. Doch nach dem Schuldenschnitt für Athen blieben die Horror-Szenarien aus. Ansteckungseffekte auf Portugal oder Spanien gab es nicht.
Bild: dapd„Ich bin fest davon überzeugt, dass Griechenland diese Hilfe nie wird in Anspruch nehmen müssen, weil das griechische Konsolidierungsprogramm in höchstem Maße glaubwürdig ist“
Der Chef der Eurogruppe Jean-Claude Juncker war sich noch im März 2010 sicher, dass Griechenland die Wende schaffen würde und nannte die Sparvorhaben der griechischen Regierung „in höchstem Maße glaubwürdig“. Schon längst mussten die europäischen Geldgeber feststellen, dass die Politiker in Athen ihren Worten nur sehr spärlich Taten haben folgen lassen. Der Internationale Währungsfonds droht bereits, seine Hilfen einzustellen, wenn Griechenland nicht endlich seine Konsolidierungsversprechen einlöst.
Bild: dapd„Wir können Zinsen nicht sozusagen künstlich herunterrechnen“
Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte diesen Satz im März 2011. Dabei versuchte die EZB mit ihren Anleihekäufen seit 2010, die Märkte auszutricksen. Durch den Kauf von Schuldpapieren in Milliardenhöhe versucht die Zentralbank, die Renditen für die Euro-Pleitekandidaten zu drücken. Kritiker sprechen von einer direkten Staatsfinanzierung, die der Notenbank verboten ist.
Bild: REUTERS„Spanien wird sein Defizit-Ziel von 4,4 Prozent erreichen“
Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy beteuerte noch im Januar 2012, dass Griechenland die Maastricht-Kriterien nur um 1,4 Prozent reißen wird. Schon damals hielten Ökonomen dieses Ziel für unrealistisch. Heute wissen wir: Spanien wird dieses Jahr nach Schätzungen der EU-Kommission ein Haushaltsdefizit von mindestens 6,4 Prozent aufweisen. Im Juli musste das Land bereits Finanzhilfen für seinen maroden Bankensektor anfordern.
Bild: dpa„Italien ist kein Risikoland“
EZB-Chef Mario Draghi erklärte am 15. Februar 2011, dass sein Heimatland stabil ist. Darstellungen, Italien sei ein Euro-Sorgenkind, seien falsch. Inzwischen ist der Zinsdruck auf Italien so hoch, dass der Notenbank-Präsident mit Anleihekäufen seinem Landsmann, Ministerpräsident Mario Monti, zur Seite springen muss.
Bild: dpa„Die Vorstellung, dass wir in Europa ein Liquiditätsproblem haben, ist komplett falsch“
Im August 2011 malte der Draghi-Vorgänger, Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet, die Lage schön. Denn wahr ist: Sowohl auf staatlicher Seite, als auch im Bankensektor fehlt es vielerorts an liquiden Mitteln.
Bild: dapd„Deutschland kann sein Veto einlegen, wenn die Voraussetzungen für Hilfen nicht gegeben sind – und davon werde ich Gebrauch machen“
Bundeskanzlerin Angela Merkel beschrieb im März 2011 die „strikten Auflagen“ unter denen ein Euro-Sorgenland Geld von den europäischen Partnern bekommen kann. Die Realität ist eine andere. Griechenland hat die Auflagen aus dem ersten Rettungspaket nicht erfüllt, wie die Troika festgestellt hat. Trotzdem bekam Griechenland per zweitem Rettungspaket neue Milliardenkredite.
Bild: AP„Dieses Geld wird eine große Zukunft haben“
Helmut Kohl, Bundeskanzler von 1982 bis 1998, prophezeite der Gemeinschaftswährung in seiner Rede zur Einführung des Euro 2001 eine rosige Zukunft. Die kann noch kommen, keine Frage. Aktuell gilt aber eher, dass der Euro die Ressentiments gegenüber Brüssel und den europäischen Nachbarn verstärkt haben. Gegenüber dem Dollar hat der Euro in den vergangenen Jahren an Wert verloren, die Währungen der Nicht-Euro-Länder (Schweiz, Schweden) haben massiv aufgewertet.
„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble versicherte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Juli 2010, dass die Rettungsschirme nicht von Dauer sein werden. Inzwischen ist klar: Der Euro-Rettungsschirm EFSF wird zwar abgelöst, aber ersetzt durch den permanenten Rettungsschirm ESM.
Not macht erfinderisch, aber das war gestern. Heute bekämpft man Not mit Geld(-Geschenken). Geld sei der Motor, der die Wirtschaft hochfahren kann. Geld sei Motivation, bedeute Verbesserung der Infrastruktur, initiiere Initiative und sei der Schlüssel für Hilfe zur Selbsthilfe. Wo liegt dann eigentlich das Problem im Süden Europas?
Überschüssige Liquidität gibt es in China, in den Ölstaaten oder auch im Exotenstaat Schweiz und sonst auf der Welt reichlich. Bekanntlich sucht Geld mindestens ebenso heftig die solide Anlagemöglichkeit wie das potenzielle Investment Geld sucht.
Die globalen Investoren verleihen allzu gern an nahezu fast jeden beliebig viel Geld, wenn er es denn nur haben will, um es etwas überspitzt auszudrücken. Wie sonst wäre zu erklären, dass das überschuldete und vor allem wirtschaftlich extrem leistungsschwache Griechenland bis vor kurzem auf dem Weltmarkt zu vergleichsweise günstigen Konditionen jede Menge Geld auf Pump herein holen und verbraten konnte.
Griechenland hat ein relatives Luxusleben geführt und die bösen Investoren (aber auch die blöden Regierungen des Nordes, der es jetzt richten soll) fanden es völlig in Ordnung das anderswo schwer verdiente Geld in Griechenland zu "investieren" oder wohlgefällig dabei zuzukucken, wie Griechenland sich überschuldete.

In den zehn Euro-Jahren hat Griechenland, und Ähnliches gilt eben auch für die anderen schwächelnden Euro-Kandidaten, sich nicht nur nicht kaputt gespart, sondern es hat ganz im Gegenteil die ihm zur Verfügung stehende Liquidität dazu missbraucht Konsum-und Anspruchsdenken hoch zu rüsten und die ohnehin schwache Volkswirtschaft des Landes entgegen dem jahrelangen Anschein weiter zu schwächen und zu zerstören: mit Geld kann man eben auch Initiative ersäufen und einen ohnehin schon schwachen Wirtschaftskreislauf abwürgen.
Konsum-und Anspruchsdenken wurden hochgerüstet
Und jetzt wird dem Bundesbürger nicht nur von der Regierung, sondern vom gesamten Establishment das Märchen bis zum Verdruss vorerzählt, dass Griechenland nicht zu doll sparen dürfe, weil die Wirtschaft dort andernfalls implodieren würde. Im Übrigen würde der für die deutsche Wirtschaft so furchtbar notwendige Absatzmarkt Griechenland zum Schaden der deutschen Wirtschaft weg brechen, wenn man den griechischen Konsum nicht weiter finanzierte.
Es ist ein sonderbarer Ansatz das durch eine Geldschwemme eskalierte Problem der griechischen Volkswirtschaft jetzt mit noch mehr Geld beheben zu wollen. Aber natürlich: noch mehr Geld bekommt Griechenland ja nur, wenn es sich selbst wirtschaftlich gesprochen runderneuert, den Gürtel enger schnallt und Reformen, Reformen, Reformen in die Welt setzt. Und um sich dann allerdings nicht tot zu sparen und überhaupt reformieren zu können, bräuchte Griechenland für immer größere Zeiträume immer mehr Geld, entweder direkt aus dem Euro-Norden oder via Bürgschaften (aus dem Norden) vom Weltfinanzmarkt.
- Seite 1: Warum sich Griechenland nicht kaputtspart
- Seite 2: Sonderbare Ansätze der Euro-Retter
- Seite 3: Geldpipeline besser dosieren















