Bewertung des ersten Hilfspakets: IWF: "Beträchtliche Fehler" bei Griechen-Rettung

Bewertung des ersten Hilfspakets: IWF: "Beträchtliche Fehler" bei Griechen-Rettung

Die Bilanz des ersten Rettungspakets aus dem Jahr 2010 für Athen fällt vernichtend aus. Der Internationale Währungsfonds hat Fehler eingeräumt. Es seien zu optimistische Annahmen zugrunde gelegt worden, heißt es.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Versäumnisse bei der Unterstützung Griechenlands eingeräumt. Wenngleich das Hilfsprogramm dazu beigetragen habe, ein Ausscheiden Athens aus dem Währungsraum zu verhindern, seien auch "beträchtliche Fehler" begangen worden, räumte der IWF ungewöhnlich offen ein.

Das Dokument, das eine rückblickende Betrachtung des griechischen Hilfsprogramms enthält, wurde am späten Mittwochabend in Washington veröffentlicht.

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In dem Bericht heißt es, der IWF habe zusammen mit seinen Partnern - der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank - erheblich unterschätzt, wie Sparmaßnahmen wie Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen die Rezession verstärken. Drei von vier Kriterien für Rettungsprogramme habe Griechenland nicht erfüllt, stellte der IWF fest. Insbesondere habe er die Nachhaltigkeit des griechischen Schuldenstands falsch berechnet.

Angst um Tourismus Griechenland will Schonfrist bei Entlassungen

Athen muss im Juni eigentlich 2000 Beamte entlassen, um die Troika-Auflagen zu erfüllen. Doch das Land zittert vor Streiks und Demos vor Augen der Touristen - und bittet um eine Sommerpause für die Kündigungen.

Touristen besuchen den Parthenon-Tempel auf der Akropolis in Athen. Die Griechen müssen sparen - und bitten um Aufschub bei Entlassungen, um die Urlaubssaison nicht zu gefährden. Quelle: dpa

Einige Fehler müssten aber auch der griechischen Regierung zugewiesen werden, die Strukturreformen der Wirtschaft verzögert habe.

Wegen der erheblichen Ansteckungsgefahren, die von der Griechenlandkrise auf andere Euroländer ausgegangen seien, sei die Unterstützung Athens letztlich erforderlich gewesen, urteilt der Fonds. Auch wenn Zweifel an der Schuldentragfähigkeit bestanden hätten und die Prognosen über die wirtschaftliche Entwicklung zu optimistisch gewesen seien. Die massiven Einsparungen, die Griechenland als Gegenleistung für die Finanzhilfen zu erbringen hatte, seien unvermeidbar gewesen.

Ähnlich bewertet der IWF die verlangten Wirtschaftsreformen. Die Möglichkeiten zur Umsetzung seien aber überschätzt worden, hieß es.

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Griechenland wird seit dem Frühjahr 2010 durch Finanzhilfen seiner Euro-Partner und des IWF in Höhe von 200 Milliarden Euro über Wasser gehalten. Die Wirtschaft des Lands ist seither massiv geschrumpft: Griechenland steckt das sechste Jahr in Folge in der Rezession. Derzeit deuten einige Indikatoren auf einen weniger steilen Sinkflug hin. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 27 Prozent. Wann Athen wieder auf eigenen Füßen stehen kann, ist nicht absehbar.

Die „Troika“ der internationalen Geldgeber hatte am Dienstag ihre Kontrollen in Griechenland wieder aufgenommen. Die Experten von EU-Kommission, EZB und IWF wollen den Stand des griechischen Reform- und Konsolidierungsprogramms prüfen. Wie das Finanzministerium mitteilte, sollen die Kontrollen bis Mitte Juni dauern. Es geht um die Freigabe einer weiteren Tranche in Höhe von 3,3 Milliarden Euro für das pleitebedrohte Land.

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