Böhmermanns Varoufake: Danke für den Stinkefinger!

KommentarBöhmermanns Varoufake: Danke für den Stinkefinger!

Bild vergrößern

Echt oder Fake? Ein Screenshot aus einem Video, das Günther Jauch am Sonntagabend in der ARD-Talkrunde vorführte, zeigt den damaligen Wirtschaftsprofessor Yanis Varoufakis 2013 bei einem Auftritt auf einer Konferenz in Zagreb.

von Ferdinand Knauß

Wer hat sich eigentlich über den Mittelfinger von Yanis Varoufakis aufgeregt? Medien, die Belangloses nicht mehr von Bedeutsamem unterscheiden können. Zum Glück gibt es Satire!

Der Fernsehsatiriker Jan Böhmermann hat den Finger in die Wunde des Medienbetriebs gelegt. Den berühmten Stinkefinger des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis. In seinem hoffentlich als Heldenstück in die Fernseh- und Satiregeschichte eingehenden Beitrag bezichtigt sich Böhmermann selbst so glaubwürdig der Fälschung des Stinkefingerfilmchens, dass nun niemand mehr weiß, ob das die Aufdeckung eines satirischen Coups oder eine weitere Satire ist.

Danke, Jan Böhmermann! Er befreit die Medien-Nation damit von der gespielten Aufregung, die Günther Jauchs Polittalksendung vom Sonntagabend ausgelöst hatte. Varoufakis hat Deutschland vor zwei Jahren auf einer Konferenz in Zagreb den Stinkefinger gezeigt, und ein Youtube-Filmchen zeigt den Finger gut sichtbar.

Anzeige

Was für eine Nachricht! Ein knalliges Thema, das so herrlich plakativ ist und vor allem unkompliziert ist - im Gegensatz zu all den Problemen und Konflikten, die Varoufakis damals in Zagreb dazu veranlassten "stick our finger to Germany" zu sagen, und vielleicht auch den Mittelfinger zu zeigen. Da muss man nicht viel recherchieren, abwägen, erklären. Das Bild von Varoufakis' Stinkefinger liegt vor. Und Bilder sagen schließlich mehr als Worte.

Bilder beweisen gar nichts

Zwar hat Varoufakis in Jauchs Sendung gesagt, dass die Bilder gefälscht seien, aber schnell waren vermeintliche Experten zur Stelle, die sie für authentisch halten. Und auch das Fehlen jeglicher sichtbarer Aufregung des deutschen Volkes tat nichts zur Sache. Ist irgendwer vor die griechische Botschaft in Berlin gezogen? Haben griechische Flaggen gebrannt? Darüber ist nichts bekannt. Aber ein Stinkefinger von einem Minister! Und gegen uns Deutsche!

Böhmermanns Coup entlarvt nun das Medientheater mindestens zweifach. Zunächst einmal entlarvt er die immer noch von Fernsehjournalisten behauptete Beweismacht des Bildes als absurde Anmaßung. Mit Fotos kann man fast alles zeigen - nicht erst, seit es Youtube und digitale Bildbearbeitung gibt. Bilder beweisen gar nichts.

Weitere Artikel

Wichtiger aber noch ist, dass er dem Betrieb, zu dem er selbst gehört, den satirischen Spiegel vorhält: Man beschäftigt sich mit belanglosen Nebensächlichkeiten wie einem Stinkefinger, weil die wichtigen, ernsthaften Probleme so anstrengend sind. Man investiert journalistische Arbeitskraft und Zwangsgebühren, um künstlich Aufregung zu erzeugen, die nicht den geringsten Erkenntnisgewinn verschafft.

Nein, die Presse lügt nicht, zumindest nicht absichtlich. Aber Böhmermann macht uns auf geniale Weise klar, dass etwas verloren zu gehen droht, das nicht viel weniger wichtig ist als die Verpflichtung zur Wahrheit: Die Fähigkeit oder zumindest der Wille, das Wichtige vom Belanglosen zu unterscheiden.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%