Böse Folgen für Altersvorsorge: Wirtschaftsexperten warnen EZB vor Anleihenkauf

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exklusivBöse Folgen für Altersvorsorge: Wirtschaftsexperten warnen EZB vor Anleihenkauf

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Im Streitgespräch sind sich Peter Bofinger und Thomas Mayer einig - beide warnen EZB-Chef Draghi vor dem Kauf von Staatsanleihen.

von Angela Hennersdorf

Die Wirtschaftsexperten Peter Bofinger und Thomas Mayer haben die Europäische Zentralbank vor dem geplanten Kauf von Staatsanleihen von Krisenstaaten gewarnt. Sie fürchten schlimme Folgen für die Altersversorgung.

"Bei dem Niedrigzinsumfeld, das wir in Deutschland bereits haben, hätte das negative Folgen für Versicherungen und Pensionsfonds, ja für die gesamte Altersversicherung hierzulande. Deshalb rate ich der EZB dringend davon ab, Staatsanleihen zu kaufen", sagte Professor Peter Bofinger, Mitglied der sogenannten fünf Wirtschaftsweisen, der WirtschaftsWoche. EZB-Chef Mario Draghi empfahl Bofinger Zurückhaltung in den nächsten Monaten, "da allein schon durch die Ankündigung der Maßnahmen eine deutliche Senkung der langfristigen Zinsen erreicht worden ist."

Auch Thomas Mayer, früherer Chefvolkswirt der Deutschen Bank, sprach sich in der WirtschaftsWoche gegen den Ankauf von Staatsanleihen aus. Nach seinen Worten würden die deutschen Zinsen weiter fallen und die Pensionsverpflichtungen der Unternehmen steigen: "Statt die Gewinne zu investieren, müssten die Betriebe sie in die Rückstellungen zur Finanzierung der Altersversorgung stecken. Es könnte genau das Gegenteil dessen passieren, was die EZB mit dem Kauf von Staatsanleihen bezweckt. Draghi könnte der Konjunktur schaden statt sie anzukurbeln."

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Ökonomen zu den Staatsanleihenkäufen der EZB

  • Hans-Werner Sinn, ifo Institut

    "Die EZB sollte keine Staatspapiere kaufen, denn dann würde sie die Zinsen der Wackelstaaten weiter drücken und sie anregen, sich noch mehr zu verschulden. Der Kauf wird von Artikel 123 des EU-Vertrages zu Recht verboten, weil er einer verbotenen Monetisierung der Staatsschulden gleichkommt. Man sollte auch bedenken, dass selbst die US-Notenbank Fed keine Staatspapiere von Gliedstaaten kauft. Kalifornien, Illinois oder Minnesota stehen am Rande der Pleite, und doch hilft die Fed ihnen nicht mit Krediten. Es ist schlichtweg unakzeptabel, dass die EZB meilenweit über die Fed hinausgeht, obwohl Europa den gemeinsamen Bundesstaat noch gar nicht gegründet hat. Die EZB-Politik treibt die Staaten Europas in Gläubiger-Schuldner-Verhältnisse und wird längerfristig nichts als Streit und Spannungen erzeugen."

  • Marcel Fratzscher, DIW

    "Die EZB verfehlt ihr Mandat der Preisstabilität und ist dabei, ihr wichtigstes Gut zu verlieren: ihre Glaubwürdigkeit. In letzter Instanz ist der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB ein notwendiges Übel, um ihrem Mandat gerecht zu werden. Je zögerlicher die EZB handelt, desto weniger effektiv ihre Geldpolitik und desto höher die Risiken."

  • Michael Heise, Allianz Group

    "Ich sehe derzeit keine Deflationsgefahren, die Staatsanleihekäufe rechtfertigen könnten. Ohne die notwendigen Anpassungsprozesse in den Peripherieländern und dem ökonomisch vorteilhaften Ölpreisrückgang läge die aktuelle Inflationsrate in etwa um einen Prozentpunkt höher, als es derzeit der Fall ist. Die Jagd nach Rendite und die Risikobereitschaft an den Finanzmärkten würden weiter erhöht, der Anreiz, fürs Alter langfristig zu sparen, würde weiter vermindert."

  • Holger Schmieding, Chefvolkswirt Berenberg Bank

    "Seit Anfang 2009 ist der Zuwachs der Geldmenge M3 mit durchschnittlich 1,7 Prozent weit hinter dem Referenzwert von 4,5 Prozent zurückgeblieben, den einst EZB und Bundesbank für sinnvoll hielten. Entsprechend schwächelt die Konjunktur, während der Preisauftrieb auch ohne Öl gefährlich nah an die Deflation herankommt. In dieser Lage muss die EZB mit einer Offenmarktpolitik gegenhalten, also mit dem Kauf von Anleihen auf dem offenen Markt, der auch Staatsanleihen umfassen sollte."

  • Volker Wieland, Sachverständigenrat

    "Es ist nicht notwendig, nun auch noch mit breit angelegten Staatsanleihekäufen auf den Ölpreisverfall zu reagieren. Die EZB sollte nicht nur auf Deflationsrisiken schauen, sondern auch berücksichtigen, dass sie als Käufer von Staatsanleihen den Regierungen zusätzlichen Anreiz gäbe, notwendige Strukturreformen aufzuschieben."

Mit Blick auf den schwächelnden Euro sagte Mayer, eine Abwertung der Währung unterstütze ineffizientes Wirtschaften: "Da bleiben Unternehmen im Markt, die Produkte herstellen, die die Konsumenten nicht wollen. Langfristig ist das ungesund, die Wirtschaft verliert an Dynamik." Demgegenüber sagte Bofinger, er glaube an die Macht von Wechselkursen. "Natürlich gibt es Gegeneffekte, Importe werden teurer. Aber, wenn man ein Wettbewerbsproblem mit Drittländern hat, hilft die Abwertung", so Bofinger.

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