Bofinger, Feld & Co.: Ökonomen warnen vor Katastrophe für Europa

Bofinger, Feld & Co.: Ökonomen warnen vor Katastrophe für Europa

Ist die Euro-Schuldenkrise nach der Moody’s-Warnung noch beherrschbar? Experten melden ernste Zweifel an und sprechen von einer "nicht-endenden Krise".

Unter Wirtschaftsexperten und Politikern wächst die Sorge, dass Deutschland mit der Schuldenkrise in der EU bald überfordert sein könnte. Hintergrund ist die Einschätzung der Ratingagentur Moody's, wonach die Spitzenbonität der Bundesrepublik gefährdet ist. Am Mittwoch senkte die amerikanische Ratingagentur auch den Ausblick für den Euro-Rettungsschirm EFSF, sowie für mehrere deutsche Bundesländer.

"Wir glauben, dass Europa (...) schlafwandelnd auf eine Katastrophe mit unkalkulierbaren Ausmaßen zutaumelt", heißt es in der Studie von 17 renommierten Ökonomen, darunter zwei Mitglieder des Deutschen Sachverständigenrates "Der Eindruck einer nicht-endenden Krise, in der ein Dominostein nach dem anderen fällt, muss korrigiert werden." Der bislang letzte Dominostein, Spanien, stehe kurz vor einer Liquiditätsspritze.

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Die Studie wurde von der Denkfabrik Institute for New Economist Training (Ines) veröffentlicht. Diese hatte einen Rat zum Thema Euro-Staatsschuldenkrise gegründet. Die Lage ist aber trotz aller Dramatik nach der Analyse der Ökonomen nicht ausweglos. "Es ist nach wie vor möglich, ökonomisch und politisch, einen Weg heraus aus der Eurokrise zu finden", heißt es. Die Politiker müssten vor allem die fehlerhafte Konstruktion der Eurozone korrigieren und sie mit neuen Elementen ergänzen. Dazu gehörten eine signifikante Lastenteilung unter den Euro-Ländern und eine Strategie, die darauf konzentriert sei, die aktuell am härtesten kämpfenden Krisenländer im Währungsraum zu stabilisieren. Wenn es um die Behebung von Konstruktionsmängeln gehe, dann bedeute das unter anderem die Schaffung einer Fiskalunion einschließlich einer Bankenunion mit starken europäischen Institutionen.

Bettina Röhl Direkt Die Schuldigen der Griechenlandkrise

Eines eint die Akteure, die Griechenland zum Gründungsmitglied des Euro-Clubs gemacht haben: Ein durchgängiges Versagen. Die Eurologen tragen Verantwortung dafür, dass eine Krise in Athen erst entstehen konnte.

huGO-BildID: 27236470 Bayern/ ARCHIV: Feuer brennt in Muenchen fuer eine Fotoillustration auf einem Haufen Ein-Euro-Muenzen (Foto vom 28.06.12). Der Euro ist wegen neuer Sorgen um eine bevorstehende Staatspleite Griechenlands zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Die Gemeinschaftswaehrung sackte am Montagmorgen (23.07.12) deutlich unter die Marke von 1,21 Dollar und wurde bei etwa 1,2090 Dollar gehandelt. Zuvor hatte es unter anderem Berichte gegeben, nach denen der Internationale Waehrungsfonds (IWF) seine Hilfen fuer Griechenland einstellen will. Auch die weiter prekaere Finanzlage Spaniens belastete den Euro. (zu dapd-Text) Foto: Joerg Koch/dapd Quelle: dapd

Bietet der Schuldentilgungsfonds einen Ausweg?

Zu den Autoren der Analyse gehören die beiden deutschen Wirtschaftsweisen Lars Feld und Peter Bofinger sowie ihre frühere Kollegin in dem Sachverständigengremium Beatrice Weder di Mauro. Als Lösungsansatz für die aktuellen Probleme sehen die Wirtschaftsexperten den Vorschlag eines Schuldentilgungsfonds, wie er vom Sachverständigenrat vorgeschlagen und jüngst noch einmal ergänzt worden war. Demnach würde die Euro-Staaten alle Staatsschulden, die ein Maß von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts übersteigen, in einen Gemeinschaftsfonds geführt werden. Die Schulden – das wäre derzeit ein Volumen von 2,3 Billionen Euro – würden dann durch gemeinsame Anleihen finanziert.

Die Vorteile solch eines Fonds erklärte Feld im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online Ende Juni. "Ohne den Fonds müsste Italien, um seine Konsolidierungsvorgaben einzuhalten,  Primärüberschüsse erzielen, die zwischen sechs und sieben Prozent liegen. Und das 25 Jahre lang. Das haben wir bislang noch nirgendwo gesehen auf der Welt. Das ist utopisch", sagt Feld. Durch die Finanzierung eines Teils der Schulden über Gemeinschaftsanleihen bräuchte Italien nur noch Primärüberschüsse von 4 bis 4,5 Prozent. "Das ist ambitioniert, aber machbar. Bei solch einer Rate braucht man 25 Jahre. Dass das eine lange Zeit ist, ist uns bewusst."

Schweden, Polen & Co. Euro – nein, danke!

Die Gemeinschaftswährung wird als Garant für Exporterfolg und Wohlstand verkauft. Doch viele europäische Nachbarn wollen den Euro trotzdem nicht. Warum, zeigt eine Reise durch Schweden, Polen und Kroatien.

Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Die Disziplinierungswirkung der Finanzmärkte werde dabei nicht ausgesetzt, da nur die Schulden, die über der Grenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen, in den Fonds übergehen. Und: Durch den Kauf von Anleihen auf den Primärmärkten habe der Schuldentilgungsfonds immer die Möglichkeit, nationale Schuldverschreibungen zu kaufen und zu verkaufen. So bestehe die Möglichkeit, die Anleihen von Ländern zu verkaufen, die sich nicht an Reform- und Konsolidierungsabsprachen halten. "Die Zinsen für diese Länder werden steigen, die Disziplinierungswirkung ist da", so Feld.

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