Britischer Energieminister Davey: Mit allen Mitteln gegen den Klimawandel - auch mit Kernenergie

exklusivBritischer Energieminister Davey: Mit allen Mitteln gegen den Klimawandel - auch mit Kernenergie

von Henning Krumrey

Nach dem Vorschlag der EU-Kommission für strengere Klimaziele für die Europäische Union möchte der britische Energie- und Umweltminister Edward Davey diese zusammen mit Deutschland durchsetzen.

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Davey will den Klimawandel aufhalten - auch mit Kernenergie

„Beim EU-Gipfel im März muss die EU dieses Signal geben. Deutschland und Großbritannien müssen das vorantreiben“, sagte Davey in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. „Entscheidend ist, dass Europa mit einem ambitionierten Ziel bei den Gesprächen mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon im September auftritt, im Vorfeld der Pariser Klima-Verhandlungen im nächsten Jahr.“

Davey möchte, dass sich Europa auf den Kampf gegen die Treibhausgabe konzentriert. „Das wichtigste Ziel ist die Reduzierung der CO2-Emissionen. Der Vorschlag der EU-Kommission, der eine Verringerung in der EU von 40 Prozent bis zum Jahr 2030 vorsieht, ist ein guter Ausgangspunkt.“ Europäische Ziele für den Anteil der Erneuerbaren Energien oder die Steigerung der Energieeffizienz lehnt Davey dagegen ab: „Die anderen Ziele halten wir aber für unnötig und wenig hilfreich. Jedes Mitgliedsland sollte selbst entscheiden, wie es umwelt- und klimafreundlich wird.“ Großbritannien werde ein bindendes Ziel für den Anteil erneuerbarer Energien „niemals akzeptieren“. Allerdings habe die EU-Kommission ein EU-weites Ziel vorgeschlagen. „Das könnte ein Kompromiss sein, wenn uns das national zu nichts verpflichtet.“

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Für das Erreichen strenger Ziele setzt Großbritannien auf nationale Entscheidungsfreiheit. „Niemandem sollte ein bestimmter Energie-Mix aufgezwungen werden. Das ist der kostengünstigste Weg. Mit den teuersten Mitteln können wir die Ziele nicht erreichen.“ Sein Land habe sich große Ziele gesetzt. „Wir wollen kostengünstig die erste CO2-arme Energieversorgung der Welt hinbekommen.“ Großbritannien will dafür alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten einsetzen, auch die Atomkraft. „Wir sind technologieneutral. Wenn die Treibhausgase die größte Umweltgefahr weltweit sind, wäre es nicht sehr klug, eine CO2-arme Option wie die Kernenergie vom Tisch zu nehmen.“ Im Jahr 2022 solle das neue Atomkraftwerk ans Netz gehen, dessen Bau die Regierung in London bereits beschlossen hat.

Großbritannien investiere schon heute sehr viel in erneuerbare Energien. „Mehr als die Hälfte aller installierten Offshore-Windturbinen in der Welt stehen in britischen Gewässern. Und wir haben weitere ambitionierte Pläne. Wir erwarten, dass die Kosten der Erneuerbaren noch erheblich sinken werden. Das liegt auch an der deutschen Vorreiterrolle. Deshalb: Danke sehr.“

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