Buch "Wetten auf Europa": George Soros prügelt auf Deutschland ein

Buch "Wetten auf Europa": George Soros prügelt auf Deutschland ein

von Tim Rahmann

Der Spekulant erklärt in einem neuen Buch „Warum Deutschland den Euro retten muss, um sich selbst zu retten“. Soros bietet altbekannten Thesen, wirre Vergleiche und dumpfes Deutschland-Bashing.

Ist Europa noch zu retten? Über diese Frage diskutieren Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien – und einmal mehr nun auch George Soros. Der 83-jährige Spekulant und Milliardär erklärt „im Gespräch mit (Spiegel-Redakteur) Gregor Peter Schmitz“, so steht es auf dem Einband, „warum Deutschland den Euro retten muss, um sich selbst zu retten“. Eine streitbare These, die im Dialog erörtert wird – das Buch erinnert unweigerlich an die neulich erschienenen „Klare(n) Worte“ von Ex-Kanzler Gerhard Schröder.

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Doch anders als beim Schröder-Buch beginnt das vermeintliche Interview, auf das sich der Leser freut, erst auf Seite 51. Zuvor leitet Schmitz das Gespräch ein, zeichnet mühsam den Weg von der Montanunion zur Europäischen Union nach, blickt auf Napoleon und Hitler zurück und kommt auch an dem Merkel-Zitat „Scheitert der Euro, scheitert Europa“, das nun schon unzählige Male diskutiert wurde, nicht vorbei. Es ist eine langatmige Einleitung, die nicht nötig ist, um den kommenden Dialog zu verfolgen.

Milliardenmann George Soros

  • Vor 83 Jahren...

    ... kam George Soros als György Schwartz in Budapest zur Welt. 1936 wechselte er den Namen zum Schutz vor Antisemitismus.

  • 1,4 Milliarden...

    ...Dollar verdiente der Starspekulant 1992 mit einer Wette gegen das britische Pfund.

  • Rund 25 Milliarden...

    ...Dollar schwer ist der familieneigene Hedgefonds Soros Fund Management.

  • 50 Millionen...

    ...Dollar Startkapital steckte Soros in das Institute for New Economic Thinking (Inet).

  • Mehr als 8 Milliarden...

    ...Dollar hat Soros bisher insgesamt gestiftet.

Der beginnt dramatisch. George Soros, geboren 1936 in Budapest, schildert, wie er, ein Jude, die Besetzung Ungarns durch Nazi-Deutschland erlebt. Er habe – ausgestattet mit gefälschten Personalausweisen – bei Kontrollen der Faschisten Todesangst gehabt und früh gelernt, „dass man manchmal Regeln brechen und alles riskieren muss“. Es seien Erfahrungen gewesen, die sein Leben prägen sollten, auch in der Arbeit als Investor. Einen Halbsatz später ergänzt Soros, dass das Leben das wichtigste Gut sei. Man sollte „also nicht einfach alles riskieren“. Es ist der erste Widerspruch, der den Leser ratlos zurücklässt. Es bleibt nicht der letzte.

Soros versucht, zwischen Vergangenheit und Gegenwart den Bogen zu spannen. Aufgrund der Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges sei er seit jeher für ein geeintes Europa. Die Europäische Union sei das „ideale Modell“. Nun, in der Schuldenkrise, mache sich der Milliardär ernsthaft Sorgen um den Kontinent. Diese Angst vor einem Rückfall Europas in die Kleinstaaterei sei sein Antrieb, sich immer wieder zur Euro-Krise zu äußern. Geld spiele, natürlich!, keine Rolle. Glaubhaft ist das nur bedingt, kritisiert der Milliardär doch später, dass private Anleger in der Krise verstärkt zur Kasse gebeten werden sollen. Das sei „höchst unfair“. Und auch die Fortsetzung der billigen Geldpolitik, die Investoren wie Soros nützt, solle bitteschön weitergehen.

Ab dem 24. Februar im Handel: "Wetten auf Europa", George Soros im Gespräch mit Gregor Peter Schmitz. Das Buch aus der Deutschen Verlags-Anstalt ist 192 Seiten dick und kostet 19,99 Euro. Quelle: Presse

Ab dem 24. Februar im Handel: "Wetten auf Europa", George Soros im Gespräch mit Gregor Peter Schmitz. Das Buch aus der Deutschen Verlags-Anstalt ist 192 Seiten dick und kostet 19,99 Euro.

Bild: Presse

In der Mitte des Buches nimmt das Gespräch Fahrt auf. Soros erklärt, wen er als Schuldigen der Euro-Krise sieht: Deutschland. Neu ist die Kritik nicht, die Härte der Wortwahl aber überrascht. Die Bundesrepublik zwinge „dem Rest Europas rücksichtslos ihren Willen auf“. Die Südeuropäer würden zum Sparen genötigt und hätten keine Chance, zu wachsen. „Mich erinnert die Lage an die griechische Sage von Prokrustes. Wenn dieser mythische Riese Gäste hatte, zwang er sie, in seinem Bett zu liegen – und wenn  sie nicht hineinpassten, hackte er ihnen die Beine ab. Was nicht passt, wird passend gemacht“, vergleicht Soros.

Deutschland, laut dem Wahl-Amerikaner der größte Profiteur der Gemeinschaftswährung, solle endlich sein Portemonnaie öffnen, dem Süden die Schulden erlassen und Eurobonds – „eine Art moderner Marshallplan“ – zustimmen. Ansonsten solle Berlin doch bitte den notwendigen Schritt machen – und aus dem Euro austreten.

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