Bundesbank: Erbärmliche Bilanz

KommentarBundesbank: Erbärmliche Bilanz

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Bundesbankpräsident Jens Weidmann musste schlechte Zahlen präsentieren. Die Staatsschuldenkrise im Euroraum hat tiefe Spuren in der Bilanz der Deutschen Bundesbank hinterlassen. Der Gewinn der Notenbank schrumpfte auf 643 Millionen Euro.

von Anne Kunz

Der Gewinn der Bundesbank ist im vergangenen Jahr um mehr als 70 Prozent geschrumpft. Grund: Präsident Jens Weidmann fürchtet die hohen Risiken durch südländische Schrottanleihen und legte für den Ernstfall zusätzlich 4,1 Milliarden Euro bei Seite. Seinem früheren Kontrahenten Hans-Werner Sinn gibt er im Streit um die hohen Risiken durch die Target-Salden zumindest teilweise Recht.

Langsam wird Bundesbankpräsident Jens Weidmann nervös - zu Recht: Der Gewinn der Notenbank ist auf 643 Mio. Euro gesunken. Im Vorjahr hatte der Überschuss noch 2,2 Milliarden Euro betragen. Weidmann begründete den Einbruch mit der Euro-Krise. Er hat deshalb die Risikovorsorge um 4,1 Mrd. Euro auf 7,7 Mrd. Euro aufgestockt. Er will sich so gegen die Gefahr einer Staatspleite innerhalb der Euro-Zone wappnen. Die Ausfallrisiken des Staatsanleihekaufprogramms und der Refinanzierungskredite hätten sich "durch den ausgeweiteten Umfang und durch den gestiegenen Risikogehalt" stark erhöht, sagte Weidmann. Will heißen: Die Bundesbank hat zu viele riskante Schrottpapiere. In ihrer Bilanz weist sie Euro-Wertpapiere in Höhe von 72 Milliarden Euro aus. 51 Milliarden Euro stammen davon aus dem Anleihenkaufprogramm SMP.

Tagetforderungen auf 463 Milliarden Euro gestiegen

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Die Bilanzsumme schwoll um 25 Prozent auf 838 Mrd. Euro an. Das liegt daran, dass die Nachfrage nach Zentralbankkrediten kräftig gestiegen ist. Die Bundesbank versorgt indirekt insolvente Institute in den Peripheriestaaten mit billigem Zentralbankgeld. Positiv daran ist, dass dadurch die Zinserträge um 4,8 Milliarden Euro anstiegen. Aber auch die Risiken. Die Targetforderungen der Bundesbank sind im vergangenen Jahr um 138 Milliarden Euro auf 463 Milliarden Euro angestiegen.

Die WirtschaftsWoche und und der Ökonom Hans-Werner Sinn hatten schon vor mehr als einem Jahr auf die Risiken der erhöhten Target-Salden hingewiesen. Die Bundesbank hatte diese Probleme monatelang kleingeredet. Am Dienstag sagte Weidmann, dass dieser Hinweis von Sinn wichtig gewesen sei. Das darf allerdings nur ein erster Schritt sein. Die hohen Targetsalden müssen nun in einem nächsten Schritt abgebaut werden. Das ist ein schmerzhafter Prozess. Dafür müssen insolvente Institute, deren Geschäftsmodelle nicht mehr tragfähig sind, abgewickelt werden, statt sie weiter mit billigem Zentralbankgeld vollzupumpen. Doch hier delegierte Weidmann die Verantwortlichkeit an die Politik.

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