Chaos in Griechenland: Tango in Athen

KommentarChaos in Griechenland: Tango in Athen

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Der Linksradikale Alexis Tsipras freut sich auf die Neuwahlen. Laut Umfragen kann seine Partei zur stärksten Fraktion gewählt werden. Tsipras will die Sparbemühungen zurückfahren, das Euro-Aus droht.

von Malte Fischer

Mit dem Scheitern der Regierungsbildung rückt der Austritt Griechenlands aus der Währungsunion näher. Beim Abschied vom Euro könnte sich Griechenland an den Erfahrungen Argentiniens orientieren.

Es kam wie es kommen musste. In Griechenland sind die Pläne zur Bildung einer neuen Regierung endgültig gescheitert. Staatspräsident Karolos Papoulias konnte die Parteien des linken Spektrums nicht dazu bewegen, eine Technokraten-Regierung mit zu tragen, die dem Land den Zufluss weiterer Rettungsgelder und damit den Verbleib in der Euro-Zone garantiert hätte.

Setzen sich bei den nun anstehenden Neuwahlen im Juni die reformfeindlichen Kräfte durch und kündigen den Sparkurs endgültig auf, entfällt die Geschäftsgrundlage für weitere Hilfskredite an Griechenland. Die Rettungseuropäer sollten Athen dann sofort den Geldhahn zudrehen. Alles andere wäre ein unverantwortliches Vernichten von Steuergeldern. Für die Politiker in Brüssel, Paris und Berlin ist es nun höchste Zeit, darüber nachzudenken, wie der ökonomische Fall-out eines Griechen-Austritts minimiert werden kann.

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Eine interessante Idee hat der Chefökonom der Deutschen Bank, Thomas Mayer, ins Spiel gebracht. Mayer schlägt vor, Athen sollte nach dem Versiegen des Geldflusses aus den anderen Euroländern dazu übergehen, seine Beamten und die Lieferanten des Staates mit staatlichen Schuldscheinen zu  bezahlen. Diese sollten eine unbegrenzte Laufzeit aufweisen und mit dem Versprechen  verbunden werden, sie in Euro einzutauschen, sobald die Regierung wieder über genügend Geld verfügt. Die Empfänger der Schuldscheine könnten  dann damit ihre täglichen Einkäufe  bezahlen.  Je geringer die  Wahrscheinlichkeit eingeschätzt wird, dass der Staat die Schuldscheine gegen Euros einlöst, desto höher wird der Abschlag sein, den die Verkäufer von Waren und Diensten bei der Annahme der Schuldscheine verlangen. So entstünde eine Art Parallelwährung.

Die wenigen Exporteure, über die Griechenland noch verfügt, würden sich ihre Ausfuhren weiter in Euros bezahlen lassen. Jeder Grieche, der an knappe Euros käme, würde das Geld horten statt damit seine Rechnungen zu zahlen. Dafür würden lieber die weniger wertvollen Schuldscheine des Staates verwendet. Die Folge: Das schlechte Geld  (Schuldscheine) werden das gute Geld (Euros) verdrängen. Ökonomen nennen diesen Zusammenhang das Greshamsche Gesetz.

Die Schuldscheine wären mithin der Nukleus einer neuen Währung, die sich langsam in Griechenland durchsetzt. Die Vorteile dieser Lösung liegen auf der Hand. Die griechische Regierung müsste nicht Hals über Kopf neue griechische Drachmen drucken, um das Land ausreichend mit Bargeld zu versorgen. Zudem würde der Wechselkurs der neuen Währung zum Euro über die  Abschläge auf die Schuldscheine festgelegt. Dazu kommt, dass der Abschied der Griechen vom Euro schleichend erfolgt,  ein wichtiger psychologischer Vorteil für die ohnehin darniederliegende Stimmung der Griechen.

Regierungsbildung gescheitert Fliegt Griechenland nun aus dem Euro?

Viele Griechen haben begonnen, die Banken zu stürmen und ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Die Angst vor dem Kollaps wächst. Stürzt das Land aus der Eurozone und ins Chaos? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Lage in Griechenland.

Quelle: dapd

Der Vorschlag von Deutsche-Bank-Ökonom Mayer ist nicht etwa eine fixe Idee aus dem akademischen Elfenbeinturm, sondern erprobte Praxis  in einem Land, das ebenso wie Griechenland als notorischer Staatsbankrotteur gilt – Argentinien.

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