Charis Theocharis: Griechenland feuert obersten Steuer-Eintreiber

Charis Theocharis: Griechenland feuert obersten Steuer-Eintreiber

Bild vergrößern

Griechenlands Premierminister Antonis Samaras (rechts) und Finanzminister Yannis Stournaras tuscheln bei einer Parlamentssitzung in Athen.

Charis Theocharis war bis vor wenigen Tagen Generalsekretär des griechischen Finanzministeriums. Als oberster Steuer-Eintreiber war er erfolgreich - dennoch musste er gehen.

Griechenland hat seinen Chef-Steuereintreiber geschasst. Charis Theocharis musste seinen Posten als Generalsekretär des Finanzministeriums abgeben, obwohl er in seinem Job äußerst erfolgreich war. Die Order für die Entlassung soll von ganz oben gekommen sein, berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus" auf seiner Internetseite. Auch Theocharis selbst sieht seine Entlassung als "eine politische Entscheidung", die "keine sachlichen oder ökonomischen Gründe" habe.

Der scheidende Finanzminister Yannis Stournaras soll dem Bericht nach Theocharis zum Rücktritt gedrängt haben. Seine Stelle war unter dem Druck der internationalen Geldgeber eingerichtet worden und von Regierung und Verwaltung unabhängig. Der IT-Spezialist Theocharis führte in Griechenland etwa die elektronische Steuererklärung ein. Dass viele Menschen ihre Steuern nicht zahlten, hatte mit zum Schlamassel des Euro-Pleitekandidaten geführt.

Anzeige

So schlug sich Griechenland 2013

  • Politische Stabilität

    Zuletzt konnte die Regierung von Präsident Samaras einen weiteren Sparhaushalt verabschieden. Eine eigene Mehrheit hat die Regierung im Parlament aber nicht mehr. Da die Opposition in sich völlig gespalten ist, droht dennoch keine unmittelbare Entmachtung.  Öffentliche Proteste sind seltener geworden.

    Note: 4

  • Umsetzung von Reformen

    Wichtige Punkte sind weiter ungelöst: Die Öffnung der geschlossenen Berufe kommt nicht voran, die Privatisierung stockt. Hier und da gibt es aber kleine Erfolge, etwa beim Verkauf des Athener Flughafens

    Note: 4

  • Sparwille

    Erstmals wird ein Primärüberschuss erzielt. Der geht aber größtenteils auf das Konto der Staatsanleihekäufe durch die EZB. Dennoch ist das mehr, als die meisten Beobachter noch vor wenigen Monaten erwartet hätten.

    Note: 3

  • Gesamtnote

    Griechenland bleibt ein Euro-Sorgenkind. Doch es werden Fortschritte sichtbar, auch wenn das Land weiter voll und ganz von der Gnade der anderen Euro-Länder abhängt.

    Note: 4+

Lob bekommt Theocharis trotz seiner Verdienste kaum. Eine der wenigen positiven Stimmen kommt vom ehemaligen Vizepremier Thodoros Pangalos, laut dem Theocharis fast im Alleingang für das jüngste Plus im griechischen Staatshaushalt gesorgt habe. Häme kam hingegen etwa von der linken Presse, die Theocharis als "KZ-Kapo" bezeichneten, der die "Befehle der Besatzer" (also der internationalen Geldgeber) ausgeführt habe - dies habe zu Tausenden Selbstmorden geführt.

Weitere Artikel

Zudem legen viele Griechen Charis Theocharis zu Last, dass sein Wirken für überfüllte Gefängnisse sorgte. Während seiner Amtszeit wurde ein Gesetz verabschiedet. Demnach kann jeder Steuerzahler, der dem Staat mehr als 5000 Euro schuldet, sofort verhaftet werden.

Bizarr klingt der Vorwurf, Theocharis habe Steuerbescheide zu schnell bearbeitet: Sie waren so früh fertig, dass sie vor wichtigen Wahlen ankamen. Nach Einschätzung von Beobachtern ist die Entlassung eine direkte Folge des schlechten Abschneidens der griechischen Regierung bei der Europa-Wahl.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%