Chefökonom Thomas Liebi: "Die nächste Krise ist programmiert"

InterviewChefökonom Thomas Liebi: "Die nächste Krise ist programmiert"

von Saskia Littmann

Thomas Liebi, Chefökonom des renommierten Schweizer Fondsanbieters Swisscanto, erklärt, warum die Krise noch nicht vorbei ist und die nächste schon vor der Tür steht. Wie Anleger reagieren sollten.

WirtschaftsWoche Online: Herr Liebi, eigentlich hatte sich die wirtschaftliche Lage in der Euro-Zone gerade etwas zu beruhigt, nach der Italien-Wahl scheint wieder alles offen. Kippt die Situation jetzt wieder?

Anzeige

Thomas Liebi: Zumindest sollte uns der offene Ausgang der Wahl in Italien noch einmal daran erinnern, dass die Euro-Schuldenkrise noch lange nicht vorbei ist. Denn es ist zweifelhaft, ob ein möglicher Regierungschef Berlusconi die von Mario Monti angestoßenen Reformen fortsetzen würde. Die Unsicherheit lastet auf dem Euro, steigende Renditen für italienische Staatsanleihen sind zu befürchten.

Muss die EZB erneut die Bazooka rausholen und eingreifen?

Ob es gleich die Bazooka sein muss, weiß ich nicht. Aber die Notenbanker werden auf das Problem eingehen müssen. Denn Italien ist definitiv „too big to fail“…

Thomas Liebi ist Chefökonom bei Swisscanto, der Fondsgesellschaft der Schweizer Kantonalbanken. Quelle: Presse

Thomas Liebi ist Chefökonom bei Swisscanto, der Fondsgesellschaft der Schweizer Kantonalbanken.

Bild: Presse

…das heißt ein strauchelndes Italien würde gleich die Konjunktur der ganzen Euro-Zone zum Absturz bringen?

Ja genau. Die Situation könnte der erste richtige Test für EZB-Präsident Mario Draghi werden. Es wird interessant sein zu sehen, wie er als Italiener mit einer möglichen Krise dort umgehen wird.

Klingt fast, als wäre Italien zur Zeit der einzige Risikofaktor in Europa.

Nein, sicherlich nicht. Spanien hat zwar einige wichtige Reformen auf den Weg gebracht, aber der aktuelle Korruptionsskandal um Ministerpräsident Rajoy stört das Bild gewaltig und ist für das leichte wirtschaftliche Aufatmen des Landes sicherlich suboptimal. Langfristig sehe ich aber Frankreich als größeren Risikofaktor.

Warum?

Während die Konjunktur in Deutschland gerade wieder auf die Beine kommt, wird Frankreich weiter zurückfallen. Dann dürfte die Grande Nation endgültig in den Fokus der Euro-Krise geraten. Denn mittlerweile leidet das Land stark unter seinem Unwillen, die wichtigen Reformen anzupacken.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%