CO2-Vorgaben aus Brüssel: "Bleifußkanzlerin" tritt auf die Klimabremse

CO2-Vorgaben aus Brüssel: "Bleifußkanzlerin" tritt auf die Klimabremse

, aktualisiert 28. Juni 2013, 13:22 Uhr

Die deutsche Autolobby ist mächtig wie kaum eine andere Branche. Drei Monate vor der Wahl eilt Angela Merkel den Konzernen im Kampf gegen Klimaschutzvorgaben zu Hilfe - und erntet heftige Kritik.

Anfang Mai geht in der Poststelle des Kanzleramts ein interessanter Brief ein. „Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, liebe Angela...“, beginnt das Schreiben. Absender: Matthias Wissmann, langjähriger Parteifreund von CDU-Chefin Merkel, einst Verkehrsminister im Kabinett von Helmut Kohl, heute Präsident des großen Verbands der Automobilindustrie VDA.

Der Cheflobbyist kommt gleich auf den Punkt. Er bittet Merkel, bei den Beratungen in Brüssel über die neuen Klimaschutzziele für Neuwagen bis 2020 die Regulierung „in eine ökologische und ökonomische Balance“ zu bringen. Wissmann vergisst nicht zu erwähnen, dass die Oberklasse-Hersteller wie Mercedes, BMW und Audi für 60 Prozent der Jobs in der deutschen Autobranche stehen. Dieses Premiumsegment dürfe „nicht über willkürlich gesetzte Grenzwerte buchstäblich "kaputt" reguliert“ werden.

Strenge Auflagen EU handelt CO2-Vorgaben für Autos aus

Die EU hat sich auf neue Klimaschutz-Vorgaben für Autos geeinigt. Für das Jahr 2020 gibt es einen Zielwert von 95 Gramm pro Kilometer. Auch spezielle Boni sollen verteilt werden.

Europäische Autos sollen weniger Kohlendioxid ausstoßen: Wie das klappen kann ist allerdings umstritten. Die Branche warnt vor zu strengen Auflagen. Umweltschützer klagen über Schlupflöcher. Quelle: dpa/dpaweb


Nachdem diese Brieffreundschaft kurz in den Medien auftaucht, nehmen in Brüssel die Dinge ihren Lauf. Der Grenzwert für den CO2-Ausstoß für Neuwagen soll von 2015 bis 2020 von 130 Gramm je Kilometer im Schnitt auf 95 Gramm sinken. Anfang der Woche ist schließlich ein von der irischen Ratspräsidentschaft mit Parlament und Kommission ausgehandelter EU-Kompromiss fertig.

In Berlin schrillen die Alarmglocken. Nicht das 95-Gramm-Limit an sich ist das Problem. Vielmehr schrecken eine aus deutscher Sicht verwässerte Bonusregelung („Super Credits“) sowie das erwartete Festzurren von harten Grenzwerten schon für die übernächste Klimaschutzperiode nach 2020 den Regierungsapparat auf.

Anzeige

Die „Super Credits“ soll es für Elektroautos und andere schadstoffarme Antriebe geben. Deutschland pocht darauf, dass E-Autos bei der Messung des Treibhausgas-Ausstoßes in der Flottenbilanz eines Herstellers mit einem höheren Faktor angerechnet werden können. Ein einziges E-Auto mit Batterieantrieb könnte so in der durchschnittlichen CO2-Bilanz von Mercedes, BMW & Co. die Luftverpestung mehrerer Spritschlucker ausgleichen, rechnen Umweltverbände vor.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%