Das Geschäft mit den Entführungen: Finanziert der deutsche Steuerzahler Al-Qaida?

Das Geschäft mit den Entführungen: Finanziert der deutsche Steuerzahler Al-Qaida?

von Hans Jakob Ginsburg

Islamistische Terroristen entführen europäische Touristen und Geschäftsleute - und erpressen von deren Heimatstaaten Lösegeld in Millionenhöhe. Das berichtet heute die "New York Times". Aber stimmt das?

2003 hatte alles angefangen: Eine zuvor unbekannte Terroristenbande hatte irgendwo in der Sahara 32 Europäer in ihre Gewalt gebracht, darunter mehrere Deutsche. Ein Abgesandter der Bundesregierung flog nach Mali, und fünf Millionen Euro Bargeld flossen auf dem Umweg über den damaligen malischen Präsidenten an die Entführer. Die Geiseln kamen frei, die Terroristen hatten einen einträglichen Geschäftszweig entdeckt: Entführung von Europäern in der Wüste – einzig und allein, um Geld aus Europa zu kassieren.

Der Geschäftszweig wächst enorm, wie die "New York Times" auf Grundlage von Dokumenten der Terroristen und von Informationen aus nordafrikanischen Regierungskreisen nachweisen will. Wie die Journalistin Rukmini Callimachi, lange Zeit Korrespondentin der Nachrichtenagentur AP in Westafrika und seit einigen Wochen im Dienst der Zeitung schreibt, haben "Al-Qaida und seine unmittelbaren Verbündeten seit 2008 mindestens 125 Millionen Dollar Lösegeld für Entführte eingenommen, 66 Millionen davon alleine im vergangenen Jahr".

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Bringt sich immer wieder in Erinnerung: El-Kaida-Führer Osama bin Laden (Archivbild von 1998). Foto: Quelle: dpa

Bringt sich immer wieder in Erinnerung: Al-Qaida-Führer Osama bin Laden (Archivbild von 1998).

Bild: dpa

Was soll man davon halten? Von den vielen Entführungen in Mali hat die Welt gewusst. Dass Lösegeld gezahlt wurde, in aller Heimlichkeit zumeist von den Regierungen der Entführten, galt schon immer als gewiss. Die Summen, die sich Frau Callimachi zufolge aus erbeuteten Aufzeichnungen der Terroristen ergeben, sind die erste Neuigkeit. Sie schreibt auch, dass nach Unterlagen des amerikanischen Finanzministeriums – dort gibt es schon lange eine Abteilung, die der Finanzierung des islamistischen Al-Qaida-Terrorismus nachspürt, die gesamten Lösegelder sogar 165 Millionen Dollar betragen sollen.

Entführer als Filiale der Al-Qaida?

Die Zahlen sind schlimm, aber glaubhaft. Doch wieso Al-Qaida? "Europäer gegen Lösegeld zu erpressen ist für Al-Qaida zum globalen Geschäft geworden", schreibt die "New York Times", ein Geschäft "zur Finanzierung der Operationen in aller Welt".

Wenn das stimmt, haben sich die meisten Terrorismusforscher und Experten jahrelang nicht gewusst, was in Mali, Niger und Algerien vor sich geht. Die herrschende Meinung sieht bislang die Terroristen und Kidnapper in Nord- und Westafrika nicht als folgsame Filiale der in Pakistan operierenden Al-Qaida-Führung. Auch Bezeichnungen wie „Al-Qaida im Maghreb“ (AQIM) täuschen nicht darüber hinweg, dass diese Aufständischen keineswegs aus Tausenden Kilometern Entfernung ferngelenkt werden, sondern ganz eigenständig operieren.

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