Defizitzahlen: EU-Staaten kämpfen mit dem Schuldenberg

Defizitzahlen: EU-Staaten kämpfen mit dem Schuldenberg

Im vergangenen Jahr konnte die EU die Neuverschuldung um fast vier Prozent verringern. Selbst der Süden hat weniger Schulden gemacht. Nur beim Brutto-Gesamtschuldenstand sieht es EU-weit düster aus.

Im Jahr 2012 verringerte sich das öffentliche Defizit - also die Nettoneuverschuldung - im gesamten Euroraum als auch in der EU der 28. Dafür ist der Brutto-Gesamtschuldenstand in beiden Gebieten gestiegen. Das hat die europäische Statistikbehörde Eurostat bekannt gegeben. Demnach verringerte sich die Neuverschuldung im Euroraum von 4,2 Prozent im Jahr 2011 auf 3,7 Prozent im Jahr 2012 und in den 28 Mitgliedsstaaten von 4,4 Prozent auf 3,9 Prozent.

Selbst im krisengeschüttelten Griechenland lag das Defizit im vergangenen Jahr mit neun Prozent der Wirtschaftsleistung einen ganzen Punkt unter dem bisher erwarteten Wert. In Irland, das Ende des Jahres aus seinem Hilfsprogramm aussteigen will, betrug das Defizit 2012 nun 8,2 Prozent, das sind 0,6 Punkte mehr als bisher angenommen. Grund dafür ist unter anderem eine andere Buchung von UMTS-Lizenzverkäufen.

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Entwicklung der Verschuldung innerhalb der EU28 2009 bis 2012

  • 2012

    BIP der EU 28 zu Marktpreisen: 12.967 Milliarden Euro
    Defizit: - 510.002 Millionen Euro
    Defizit in Prozent des BIP: - 3,9 Prozent


    Ausgaben des Staates in Prozent vom BIP: 49,3 Prozent
    Einnahmen des Staates in Prozent vom BIP: 45,4 Prozent


    Schuldenstand des Staates: 11.031 Milliarden Euro
    Schuldenstand in Prozent des BIP: 85,1 Prozent

  • 2011

    BIP der EU 28 zu Marktpreisen: 12.711 Milliarden Euro
    Defizit: - 565.254 Millionen Euro
    Defizit in Prozent des BIP: - 4,4 Prozent


    Ausgaben des Staates in Prozent vom BIP: 49,0 Prozent
    Einnahmen des Staates in Prozent vom BIP: 44,6 Prozent


    Schuldenstand des Staates: 10.461 Milliarden Euro
    Schuldenstand in Prozent des BIP: 82,3 Prozent

  • 2010

    BIP der EU 28 zu Marktpreisen: 12.337 Milliarden Euro
    Defizit: - 803.471 Millionen Euro
    Defizit in Prozent des BIP: - 6,5 Prozent


    Ausgaben des Staates in Prozent vom BIP: 50,6 Prozent
    Einnahmen des Staates in Prozent vom BIP: 44,1 Prozent


    Schuldenstand des Staates: 9.848 Milliarden Euro
    Schuldenstand in Prozent des BIP: 79,8 Prozent

  • 2009

    BIP der EU 28 zu Marktpreisen: 11.815 Milliarden Euro
    Defizit: - 810.811 Millionen Euro
    Defizit in Prozent des BIP: - 6,9 Prozent


    Ausgaben des Staates in Prozent vom BIP: 51,0 Prozent
    Einnahmen des Staates in Prozent vom BIP: 44,1 Prozent


    Schuldenstand des Staates: 8.783 Milliarden Euro
    Schuldenstand in Prozent des BIP: 74,3 Prozent

Die Länder mit der geringsten Neuverschuldung (gemessen am Bruttoinlandsprodukt, BIP) waren vergangenes Jahr Estland und Schweden (je -0,2 Prozent), Luxemburg (-0,6 Prozent) und Bulgarien (-0,8 Prozent), während Deutschland (+0,1 Prozent) einen öffentlichen Überschuss registrierte. Siebzehn Mitgliedstaaten wiesen ein Defizit von mehr als drei Prozent des BIP auf. Die höchsten Neuverschuldungen verzeichneten weiterhin Spanien (-10,6 Prozent), Griechenland (-9,0 Prozent), Irland (-8,2 Prozent) sowie Portugal und Zypern (je -6,4 Prozent). Insgesamt erreichten 15 Mitgliedstaaten im Jahr 2012 gegenüber dem Jahr 2011 eine Verbesserung ihres Finanzierungssaldos im Verhältnis zum BIP, in einem Mitgliedstaaten blieb er unverändert.

So verschuldet sind die Euro-Länder

  • Platz 1

    Das am höchsten verschuldete Land der Euro-Zone ist - wer hätte es gedacht - Griechenland. Bei satten 160,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) lag die Schuldenquote des Mittelmeerlandes im ersten Quartal 2013, wie die Statistikbehörde Destatis mitteilt. Ein kleiner Lichtblick: Immerhin haben es die Griechen in den vergangenen Jahren geschafft, ihr extrem hohes Haushaltsdefizit zu drücken: Nahm die Regierung 2009 noch neue Kredite in Höhe von 15,6 Prozent des BIP auf, hat sich die Defizitquote im Jahr 2012 - nicht zuletzt dank europäischer Hilfe - auf neun Prozent des BIP verringert.

  • Platz 2

    Auf Platz zwei der am meisten verschuldeten Euro-Länder landet Italien. Mit 130,3 Prozent des BIP stehen die Italiener laut Destatis in der Kreide. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen. Mit einem harten Sparkurs steuert Rom dem entgegen.

  • Platz 3

    Genau wie Griechenland musste sich auch Portugal unter den Rettungsschirm flüchten. Das Land ächzt unter einer Schuldenquote von 127,2 Prozent der BIP.

  • Platz 4

    Irland hatte vor allem unter der Bankenkrise zu leiden. Weil das kleine Land seine Banken stützen musste, hat es einen Bruttoschuldenstand von 125,1 Prozent des BIP. Auch das Haushaltsdefizit des früheren keltischen Tigers war in der Folge beängstigend hoch und lag 2010 bei 31 Prozent des BIP. Inzwischen konnte die Regierung das Defizit auf 8,2 Prozent senken. Grund dafür ist unter anderem eine andere Buchung von UMTS-Mobilfunklizenzverkäufen. Irland will Ende des Jahres aus seinem Hilfsprogramm aussteigen.

  • Platz 5

    Auch Belgiens Schuldenquote hat mit 104,5 Prozent vom BIP eine kritische Höhe erreicht. Beim Haushaltsdefizit hingegen sehen die Belgier inzwischen wieder ganz gut aus: Nach satten 10,2 Prozent im Jahr 2009 werden sie die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Defizitquote von drei Prozent in diesem Jahr einhalten.

  • Platz 6

    Deutschlands Nachbarland Frankreich hat eine Verschuldungsquote von 91,9 Prozent des BIP. Ökonomen halten diese Schuldenlast für gerade noch tragbar, die Maastricht-Kriterien hingegen verletzen die Franzosen deutlich: Sie sehen eine Quote von höchstens 60 Prozent vor.

  • Platz 7

    Das vorletzte Land, das Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchte, war Spanien. Dabei ist die Bruttoschuldenquote der Iberer gar nicht so hoch: mit 88,2 Prozent liegt sie unter der von Deutschland.

  • Platz 8

    Auch Zypern ist unter den Rettungsschirm geschlüpft - als bislang letztes Euro-Land. Den Inselstaat drückt eine Schuldenquote von 86,9 Prozent des BIP.

  • Platz 9

    Auch Deutschland, das sich gerne als Musterschüler der Euro-Zone sieht, drückt eine hohe Schuldenlast: 81,2 Prozent beträgt die Bruttoschuldenquote im Jahr 2012 - zu hoch für Maastricht.

  • Platz 10

    Die Mittelmeerinsel Malta weist eine Bruttoverschuldungsquote von 75,4 Prozent des BIP auf. Im europäischen Vergleich reicht das für Platz zehn.

  • Platz 11

    Deutschlands südlicher Nachbar Österreich weist eine Verschuldungsquote von 74,2 Prozent des BIP auf - Platz elf in Europa. Auch das Haushaltsdefizitdefizit der Alpenrepublik ist mit aktuell drei Prozent vom BIP vergleichsweise gering. Im Jahr 2011 hatte es mit 2,6 Prozent sogar noch niedriger gelegen.

  • Platz 12

    Die Niederlande gelten ähnlich wie Deutschland als Verfechter einer strengen Haushaltspolitik. Das macht sich bemerkbar: Die Verschuldungsquote liegt bei nur 72 Prozent vom BIP.

  • Platz 13

    Auch die Slowakei weist eine niedrige Gesamtverschuldung auf: Die Bruttoverschuldungsquote liegt bei 54,9 Prozent des BIP. In den vergangen Jahren allerdings hatten die Slowaken zunehmend Probleme: Bei acht Prozent des BIP lag das Haushaltsdefizit im Jahr 2009, in diesem Jahr werden es laut Eurostat-Prognose 4,7 Prozent sein.

  • Platz 14

    Ein Musterbeispiel für solide Haushaltsführung ist Finnland: Die Bruttoverschuldungsquote der Skandinavier liegt bei 54,8 Prozent und bewegt sich damit locker in dem Rahmen, den der Maastricht-Vertrag vorgibt. Auch die Haushaltszahlen können sich sehen lassen: In den vergangenen vier Jahren lag Finnlands Defizit nie über der Drei-Prozent-Marke. Im Jahr 2012 werden es nach Prognose von Eurostat gerade einmal 0,7 Prozent sein.

  • Platz 15

    Sloweniens Verschuldungsquote liegt im ersten Quartal 2013 bei 54,5 Prozent des BIP erfüllt damit die Maastricht-Kriterien. Schlechter sieht es bei den Haushaltszahlen aus: Nach einen Defizit in Höhe von 6,4 Prozent des BIP im Jahr 2011 steuert die Regierung in diesem Jahr auf 4,3 Prozent zu. Die Gesamtverschuldung steigt also.

  • Platz 16

    Geldsorgen sind in Luxemburg ein Fremdwort. Die Verschuldungsquote des Großherzogtums liegt bei niedrigen 22,4 Prozent. Der Regierung gelingt es in den meisten Jahren auch, mit den eingenommenen Steuermitteln auszukommen. In den vergangenen drei Jahren lag das Haushaltsdefizit stets unter einem Prozent des BIP. Die anvisierten 1,8 Prozent in diesem Jahr sind da schon ein Ausreißer nach oben.

  • Platz 17

    Hätten Sie es gewusst? Der absolute Haushalts-Musterschüler der Euro-Zone ist Estland. Das baltische Land hat eine Gesamtverschuldung, die bei extrem niedrigen 10 Prozent des BIP liegt - ein echter Spitzenwert. 2010 und 2011 gelang es der Regierung sogar, einen kleinen Haushaltsüberschuss zu erwirtschaften. In diesem Jahr läuft es etwas schlechter: Voraussichtlich wird die Regierung Kredite in Höhe von 2,4 Prozent des BIP aufnehmen. Die Maastricht-Kriterien halten die Esten damit aber immer noch locker ein.

Künftig könnten die Defizite der Mitgliedsstaaten noch weiter sinken - allerdings nicht, weil weniger Kredite aufgenommen werden. Eine neue Formel soll es den EU-Finanzexperten ermöglichen, die Haushaltsdefizite der Staaten kleinrechnen. Zumindest wurde ein entsprechender Vorschlag der EU-Kommission in Brüssel auf Fachebene diskutiert. Dabei geht es um die Berechnung des sogenannten strukturellen Defizits der Mitgliedsländer. Die neue Berechnungsmethode würde vor allem Spanien und anderen südeuropäischen Ländern entgegenkommen. Es werde offenbar erwogen, die Methode so zu verändern, dass Krisenstaaten mit hoher Arbeitslosigkeit besser dastehen als bisher. Das könnte auch zu milderen Sparauflagen führen.

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Trotz der geringeren Neuverschuldung wächst der Schuldenberg rasant. Der Brutto-Gesamtschuldenstand im Euroraum ist letztes Jahr von 87,3 Prozent auf 90,6 Prozent und in der EU der 28 von 82,3 Prozent auf 85,1 Prozent gestiegen. Die Länder mit der niedrigsten Verschuldungsquote (öffentlicher Schuldenstand im Verhältnis zum BIP) waren Estland (9,8 Prozent), Bulgarien (18,5 Prozent), Luxemburg (21,7 Prozent) und Rumänien (37,9 Prozent). Auch hier führt Südeuropa den Reigen der Schuldenkönige an: Die höchsten Verschuldungsquoten verzeichneten Griechenland (156,9 Prozent), Italien (127,0 Prozent), Portugal (124,1 Prozent) und Irland (117,4 Prozent). Vierzehn Mitgliedstaaten wiesen eine Verschuldungsquote von mehr als 60 Prozent des BIP auf. Insgesamt verzeichneten zweiundzwanzig Mitgliedstaaten im Jahr 2012 eine Verschlechterung ihres öffentlichen Schuldenstandes im Verhältnis zum BIP.

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