Deflationskampf: Zentralbank hebelt Marktkräfte aus

kolumneDeflationskampf: Zentralbank hebelt Marktkräfte aus

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Die Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main (Hessen).

Kolumne

Seit einigen Monaten geistert sie wie ein Gespenst durch Märkte und Wirtschaftspresse – die Deflation. Die EZB betont zwar, dass sich die Eurozone noch nicht in einer Deflation befindet. Dennoch bekämpft sie diese bereits mit aller Macht. Doch wie groß ist die Gefahr einer Deflation tatsächlich? Sind die drastischen und zugleich milliardenschweren Gegenmaßnahmen der EZB hierfür wirklich notwendig?

Üblicherweise versteht man unter dem Begriff Deflation den Rückgang  der Verbraucherpreise über einen längeren Zeitraum. Dabei sollte der Preisrückgang nicht nur einzelne Güter betreffen, sondern in einer gewissen Breite erfolgen. Und noch etwas ist wichtig: Damit eine Deflation ihre gefürchteten negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft entfalten kann, müssen Verbraucher und Unternehmen davon ausgehen, dass die Preisrückgänge auch in der Zukunft anhalten.

In der Erwartung weiter fallender Preise werden die Unternehmen dann ihre Investitionspläne zurückstellen, weil sie davon ausgehen, diese in der Zukunft kostengünstiger durchführen zu können. In einem solchen Umfeld geht dann auch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zurück, was wiederum zu sinkenden Preisen führt und so in einem Teufelskreis endet.

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Zusätzlich wird davon ausgegangen, dass mit sinkenden Preisen die reale Schuldenlast der Schuldner ansteigt, was diesen wiederum die Bedienung ihrer Verbindlichkeiten erschwert. Mit der Folge, dass die Zahl der Insolvenzen zunimmt und den Teufelskreis verschärft.

Das sind die drei Leitzinssätze der EZB

  • Der Hauptrefinanzierungssatz

    Der wichtigste Leitzins ist der Hauptrefinanzierungssatz. Er legt den Mindestzins fest, den Geschäftsbanken der EZB für einen Kredit mit einwöchiger Laufzeit im Rahmen der sogenannten Tenderauktionen bieten müssen. Änderungen wirken sich in der Regel direkt auf die Zinsen am Geld- und am Kapitalmarkt aus.

  • Die Spitzenrefinanzierungsfazilität

    Für Banken, die sehr kurzfristig Geld brauchen, wird es teurer, hier bietet die EZB die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität an. Diese Kredite haben eine Laufzeit von einem Tag. Der Zins, den Banken für das über Nacht geliehene Geld zu zahlen haben, ist der Spitzenrefinanzierungssatz. Er liegt in der Regel rund einen Prozentpunkt über dem Hauptrefinanzierungssatz.

  • Die Einlagefazilität - der Strafzins für Banken

    Die Einlagefazilität ist das Gegenstück zur Spitzenrefinanzierungsfazilität. Sie gibt Banken die Möglichkeit, einen Überschuss an flüssigen Mitteln bis zum nächsten Geschäftstag bei der Zentralbank zu parken. Die Verzinsung gibt der Einlagefazilitätssatz an. Spitzen- und Einlagefazilität sind Instrumente, mit denen die EZB weitere Feinsteuerung verwirklichen kann. Wenn die Banken zum Beispiel nur sehr wenig oder gar keinen Zins auf das Geld bekommen, das sie bei der EZB parken, dann steigt der Anreiz, es an einen Kunden zu verleihen. Derzeit ist der Einlagezins negativ - und bestraft somit Banken, die Geld bei der EZB parken.

Dass sich die Eurozone bereits in einer solch misslichen Situation befinden könnte, wird gegenwärtig selbst von denjenigen nicht behauptet, denen das „D-Wort“ leicht von den Lippen geht. Allerdings wird häufig die Gefahr gesehen, dass es ohne entschlossenes Handeln der Notenbank hierzu kommen könnte.

Von dramatischen Folgen ist wenig zu sehen

In der Tat sind die Verbraucherpreise in der Eurozone im Vorjahresvergleich in den vergangenen Monaten zum ersten Mal seit 2009 wieder gefallen. Die Preisrückgänge sind allerdings bisher zum ganz überwiegenden Teil auf den Kollaps des Rohölpreises zurückzuführen.

Hinzu kommen noch Preissenkungen bei Lebensmitteln. Ein breit angelegter Rückgang der Preise, der nahezu alle Warengruppen beträfe und darüber hinaus auch noch von Dauer wäre, kann bisher in der Eurozone ebenso nicht beobachtet werden. Auch auf breiter Front sinkende Löhne gibt es hierzulande nicht.

Von den dramatischen Wirkungen, die der Deflation im Lehrbuch zugeschrieben werden, ist also bisher recht wenig zu sehen – im Gegenteil. Die gesunkenen Kosten für Mineralölprodukte entlasten die Budgets von Unternehmen und Konsumenten. Unternehmen bekommen Spielräume auf der Kostenseite, während den Konsumenten mehr Geld für andere Ausgaben bleibt.

In diesem Umfeld ist bisher auch nicht zu erkennen, dass auf breiter Front Konsumzurückhaltung geübt werden würde oder sich die Investitionstätigkeit weiter abschwächen würde. Im Gegenteil – zuletzt schien es so, als würde die konjunkturelle Erholung in der Eurozone an Breite gewinnen, insbesondere in denjenigen Ländern, die früh und entschlossen mit Reformen ihrer Wirtschaft begonnen hatten.

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