Denkfabrik: Altersarmut bedroht die entwickelten Staaten

kolumneDenkfabrik: Altersarmut bedroht die entwickelten Staaten

Bild vergrößern

Rentner schauen auf den Gardasee. Gerade Italien droht zu verarmen.

Kolumne

Es gibt sie auch für Staaten: die Armut im Alter. Sie tritt ein, wenn die weltweiten Kapital- und Güterströme sich verändern - und aus Gläubigerstaaten Schuldner werden. Kaum eine alternde Volkswirtschaft wird künftig von ihrer Kapitalanlage im Ausland leben können.

Ältere Menschen investieren in die jüngere Generation nicht nur aus persönlichen Gründen, etwa innerhalb einer Familie. Viele haben auch die Hoffnung, dass sie später eine wie auch immer geartete Rückzahlung der Jungen erwarten dürfen. Analog gilt das auch für ganze Staaten und Volkswirtschaften. Über Leistungsbilanzüberschüsse leihen sie zunächst anderen Ländern Geld – und hoffen, dass sie am Ende nicht nach einem Tausch „wertvolle Güter gegen wertlose Wertpapiere“ mit leeren Händen dastehen.

Ob ein Schuldenzyklus „halb“ bleibt, also Schuldnerländer in diesem Status verharren, oder „vollendet“ wird, also aus früheren Schuldnern Gläubiger werden, hängt von vielen Faktoren ab. Drei davon sind besonders wichtig : Werden Kredite konsumptiv oder investiv im Schuldnerland eingesetzt? Ist die Rentabilität der Investitionen hoch genug, um den Zinsdienst zu finanzieren? Erlauben die Gläubiger den Schuldnern die Tilgung von Schulden durch Öffnung ihrer Märkte? Protektionismus etwa hält Schuldner im „halben“ Schuldenzyklus.

Anzeige

Bildergalerie: So sieht der Haushalt 2012 aus

Eine Ursache: die Globalisierung der Finanzmärkte

Lange Zeit hatten Ökonomen nur die Handelsbilanz, die den grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehr erfasst, als Bestimmungsfaktor der Leistungsbilanz im Auge. Mit der Globalisierung der Finanzmärkte und vor allem mit dem rasanten Wachstum von ausländischen Portfolio- und Direktinvestitionen sind aber die Faktoreinkommen, vor allem die Einkommen aus ausländischen Kapitalanlagen, wichtiger geworden. Diese werden in der Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen erfasst, die wie die Handelsbilanz ein Teil der Leistungsbilanz ist. Die dritte Komponente der Leistungsbilanz, die laufenden Übertragungen, sind nur bei bestimmten Ländern relevant, die Empfänger oder Geber von Entwicklungshilfe sind oder hohe Einkommen aus Gastarbeiterüberweisungen empfangen oder abgeben.

Anders als vor einem Vierteljahrhundert fließt Kapital nicht mehr nur „bergab“, in die Länder mit niedrigem Einkommen. Rohstoffländer und neue Industriestaaten sind zu Kapitalexporteuren geworden und investieren auch „bergauf“ in alten Industrienationen. Werden also reife, alternde Gläubigerstaaten dadurch langsam zu Schuldnern – und können sie vom Kapitalzufluss aus dem Ausland leben? Dank Deutschland hat der Euro-Raum im vergangenen Vierteljahrhundert Exportüberschüsse erzielt und Forderungen gegenüber dem Ausland aufgebaut. Daher kann er sich sowohl Transferzahlungen als auch Nettoeinkommensabflüsse an den Rest der Welt leisten. Deutschland hingegen bezieht Nettokapitalerträge aus Auslandsanlagen von mehr als einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%