Denkfabrik: Audi-Chef Stadler hält Plädoyer für den Euro

Denkfabrik: Audi-Chef Stadler hält Plädoyer für den Euro

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Die deutsche Automobilindustrie muss sich nicht um die Zukunft sorgen.

Der Euro ist für die deutsche Wirtschaft ein Segen und muss von der Politik unter allen Umständen verteidigt werden. Aber auch die Wirtschaft steht in der Pflicht – und sollte sich auf alte Tugenden des „ehrbaren Kaufmanns“ besinnen. Ein Plädoyer für einen ökonomischen und ethischen Neuanfang.

Deutschland leidet unter der Euro-Schuldenkrise“ – so lautet eine häufige Schlagzeile in diesen Tagen. Trifft sie wirklich zu? Zwar deuten Konjunkturprognosen darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum abnimmt; nach drei Prozent 2011 könnte das Plus in diesem Jahr deutlich niedriger ausfallen. Aber leidet deshalb ein ganzes Land?

Lassen wir die Kirche im Dorf: Wir müssen nicht befürchten, ins Minus abzurutschen. Für die deutsche Automobilbranche etwa sehe ich nur wenige Wolken am Horizont. In der mehr als 60-jährigen Geschichte der Bundesrepublik gab es nur sechs magere Jahre, in denen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gesunken ist: 1967 nach dem Sechs-Tage-Krieg im Nahen Osten, 1975 und 1982 als Folge der damaligen Ölkrisen, 1993 wegen der deutschen Wiedervereinigung, 2003 nach dem Platzen der Internet-Blase und schließlich 2009 durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise.

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Weniger schlecht reden

„Wirtschaft ist zur Hälfte Psychologie“, hat Ludwig Erhard, der erste Bundeswirtschaftsminister, einmal gesagt: Die D-Mark war gerade eingeführt, und das Wirtschaftswunder entstand, weil die Menschen nach vorne blickten und gemeinsam anpackten. Wenn tatsächlich die Hälfte Psychologie ist, was unsere Konjunktur ausmacht, warne ich davor, die derzeitige Situation schlechter zu reden, als sie ist. Und das gilt nicht nur für die Konjunktur, sondern auch für die Zukunft des Euro.

Ausblick 2012 Die Konjunktur steht auf des Messers Schneide

Die Weltwirtschaft verliert an Fahrt, die Euro-Krise verunsichert Unternehmen und Konsumenten. Folgt nach dem Boom der Absturz in die Rezession?

Quelle: dapd

Wir Deutsche profitieren derart von der Währungsunion, dass wir alles tun müssen, die europäische Gemeinschaftswährung wieder stark und unangreifbar zu machen. Glücklicherweise hat sich in Kontinentaleuropa endlich die Überzeugung durchgesetzt, dass es Zeit ist für eine solide Haushaltsführung. Dass nicht kurzfristige Effekte gefragt sind, sondern eine von Nachhaltigkeit geprägte „große Lösung“.

Dieser Schritt erfordert Mut von unseren Politikern, denn er bewirkt große Veränderungen. Eine einzige Legislaturperiode ist zu kurz, um dies zu bewältigen. Als die 17 Euro-Staaten jüngst dem Vorstoß der deutschen Bundesregierung für eine verfassungsrechtlich verankerte Schuldenbremse und automatische Sanktionen gegen Defizitsünder folgten, war dies ein klares Signal, ein Sieg der Vernunft.

Als Unternehmenslenker sage ich: Es gibt keine Alternative zum Euro. Auf dem Weg zu einer Fiskalunion muss die EU-Kommission daher mehr Rechte in Bezug auf die nationalen Haushalte erhalten. Die hoch verschuldeten Nachbarn in Europa müssen erkennen, dass die Gemeinschaft nicht nur mit Geldspritzen und Bürgschaften, sondern auch beim Sparen und Konsolidieren helfen kann – und will. Gelingt dies nicht, stolpern wir irgendwann über unsere eigenen Rettungsschirme.

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