Denkfabrik: "Bankenunion hätte fatale Folgen"

Denkfabrik: "Bankenunion hätte fatale Folgen"

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Gefährliche Illusion: Die Bankschulden der Krisenstaaten waren 2011 drei Mal so groß wie die Staatsschulden

von Hans-Werner Sinn

Die deutschen Banken seien außerstande, marode Kreditinstitute in Südeuropa zu stützen, sagt der Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts. Die einzige Lösung der Bankenkrise liegt in Debt-Equity-Swaps, dem Umtausch von Fremd- in Eigenkapital.

In ihrer Abschlusserklärung haben die Teilnehmerstaaten des G20-Gipfels in Los Gabos (Mexiko) faktisch eine europäische Bankenunion gefordert, die eine gemeinsame Regulierung, den Aufbau einer Einlagenversicherung und die Rekapitalisierung des europäischen Bankensystems impliziert. Im Grundsatz muss Bundeskanzlerin Angela Merkel all dem zugestimmt haben, sonst wären diese Postulate nicht explizit in die Erklärung aufgenommen worden. Bei ihrem Bestreben, die Abschreibungsverluste auf toxische Immobilien- und Staatskredite der Südländer auf andere abzuwälzen, haben die Krisenbanken und ihre internationalen Gläubiger, nicht zuletzt amerikanische Pensionsfonds und französische Banken, somit einen weiteren Sieg errungen.

Die Bankschulden sind höher als häufig angenommen

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Manche deutsche Politiker mögen glauben, dass sich eine Bankenunion mit einer kleineren Lastverschiebung zwischen den Ländern Europas bewerkstelligen lässt. Nachdem die Politik mit dem Rettungsschirm ESM ohnehin einen großen Schritt zur Vergemeinschaftung der Staatsschulden gemacht hat, komme es nun auch nicht mehr darauf an, ob man auch noch die Banken der Krisenländer stütze, so hört man es allenthalben. Das ist jedoch eine gefährliche Illusion.

Während die Staatsschulden von Griechenland, Irland, Italien Portugal und Spanien Ende 2011 bei 3,3 Billionen Euro lagen, betrugen die Bankschulden 9,2 Billionen Euro, waren also bald drei Mal so groß. Zusammengenommen lagen die Bank- und Staatsschulden der Krisenländer brutto bei etwa 12,5 Billionen Euro. Zieht man zur Vermeidung von Doppelzählungen die Staatspapiere ab, die sich im Besitz der Banken befanden, errechnet sich eine immer noch gigantische Schuldensumme von etwa zwölf Billionen Euro.

Kaum auszudenken, was mit Deutschland passieren würde, wenn auch nur ein moderater Prozentanteil hiervon auf die noch gesunden Länder des Euro-Raums übertragen werden müsste. Mit seinem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von etwa 2,5 Billionen Euro würde sich Deutschland mit Garantieerklärungen gewaltig überheben.

Parallelen zu Irland

Hier drängen sich Parallelen zum Fall Irland auf. Als die irischen Banken in Schwierigkeiten kamen und hohe Zinsen zahlen mussten, redeten sie ihrer Regierung ein, ein staatliches Garantieversprechen könne die Zinsen senken und das Problem beheben, ohne dass die Garantien jemals gezogen werden müssten. Irland garantierte den Gläubigern seiner Banken daraufhin Kredite im Umfang von 235 Prozent des irischen BIPs. Das Land geriet dadurch an den Rand des Konkurses und musste mit Krediten der Staatengemeinschaft und der Europäischen Zentralbank (EZB) in Höhe von insgesamt 267 Milliarden Euro oder 171 Prozent vom irischen BIP gerettet werden (144,5 Milliarden Euro Target-Kredite, 55 Milliarden Euro Staatspapierkäufe, 67,5 Milliarden Euro von EFSM, ESM, IWF sowie bilaterale Kredite von Großbritannien, Schweden und Dänemark). Irland hatte Glück, weil es ein kleines Land ist. Kommt ein großes Land wie Deutschland in die gleiche Lage, wird ihm niemand helfen können.

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