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Denkfabrik: Die Euro-Zone muss verkleinert werden - Seite 2

Denkfabrik: Die Euro-Zone muss verkleinert werden

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Airbus A340

Der Verkauf von vier Flugzeugen des Typs Airbus A340 neues Geld in die leere griechische Staatskasse spülen. Griechenlands Premierminister Samaras erwartet, dass die Flieger der früheren Staatsairline Olympic Airways für jeweils 32,9 Millionen Euro veräußert werden können.

Bild: REUTERS

Aber Griechenland muss nicht wachsen, sondern schrumpfen, um seine überzogenen Importe zurückzufahren und Leistungsbilanzüberschüsse zu erwirtschaften. Ohne Überschüsse wird es nie eine Schuldentilgung geben. Die Tragfähigkeitsanalysen des IWF stimmen insofern bei Griechenland hinten und vorne nicht.

Ein Land, das nicht mehr wächst, kann seine Schulden nur tragen, wenn es Überschüsse erzielt. Diese Überschüsse erwirtschaftet es erst nach einer Schrumpfung, die wiederum erst dann einsetzt, wenn die Kredite nicht mehr fließen. Das ist die bittere Wahrheit. Wer über seine Verhältnisse lebt, kann seine Schulden, wenn überhaupt, nur dann wieder tragen, wenn er seinen Lebensstandard reduziert.

Teuer, aber machbar - Euro ohne Griechenland

  • Der Zusammenbruch

    Sollte Griechenland nicht bald zu einer stabilen politischen Ordnung zurückfinden, wäre eine Pleite des Staates spätestens im Sommer wohl unausweichlich. In einem solchen Fall würde wohl auch die EZB griechische Banken gemäß ihren Statuten nicht mehr als Geschäftspartner bei ihren Refinanzierungsgeschäften mit dem Banksektor akzeptieren können. Sie wären also nicht mehr refinanzierungsfähig und dürften auf den Bankrott zusteuern. Dies wäre das Ende eines griechischen Finanzsektors in der Euro-Zone - der Euro als gesetzliches Zahlungsmittel wäre dann nicht mehr zu halten.

  • Der Übergang

    Am Beginn eines Übergangs müssten alleine schon wegen der nötigen technischen Umstellung von Millionen Konten, aber auch um eine Panik und lange Schlangen vor den Banken zu verhindern, die Institute des Landes für einige Tage - vermutlich gut eine Woche - geschlossen bleiben. Parallel würde der gesamte Kapitalverkehr mit dem Ausland für diesen Zeitraum zum Erliegen kommen. In dem Zeitfenster könnte dann die Währungsreform vorbereitet werden - ein banktechnisch und politisch komplizierter Prozess. Unter anderem müssten zahlreiche neue Gesetze erlassen werden. Die Hüter der neuen Währung, also die Notenbanker in Athen, müssten unter anderem eine neue Mindestreservequote und einen neuen Leitzins für ihre Banken beschließen. Zudem müssten sie Vorbereitungen für den so gut wie sicheren Fall treffen, dass die neue griechische Währung am Devisenmarkt massiv abwertet.

  • Die neue Währung

    Wahrscheinlich würde in Griechenland eine neue Währung in zwei Stufen eingeführt. Während sie auf Konten als Buchgeld mehr oder weniger per Knopfdruck umgestellt werden könnte, bräuchte die Bargeldeinführung mehr Zeit - schließlich müssten Münzen geprägt und Geldscheine gedruckt werden. Anschließend müsste das Geld im Land verteilt werden - eine logistische Herkulesaufgabe. In dieser Phase könnte der Euro weiterhin als Tauschmittel für den Alltag fungieren. Hier gibt es eine Art Vorbild: Das Balkanland Montenegro verwendet den Euro bereits einseitig als Zahlungsmittel im Bargeldverkehr, ohne dass es offiziell Mitglied der Euro-Zone ist.

  • Der Scherbenhaufen

    Nach der Währungsreform käme innerhalb des europäischen Systems der Zentralbanken das große Aufräumen. Hier rückt das Großbezahlsystem der Notenbanken, Target II, ins Zentrum. Die Zentralbank in Athen hat innerhalb des Systems Verbindlichkeiten gegenüber der EZB in Höhe von rund 100 Milliarden Euro. Hinzu kämen Forderungen der Euro-Notenbanken aus dem umstrittenen Kauf griechischer Staatsanleihen seit Mai 2010 - geschätzt zwischen 40 und 50 Milliarden Euro. Rechnet man diese Posten zusammen steht Athen alleine beim Eurosystem aus EZB, Bundesbank & Co. mit bis zu 150 Milliarden Euro in der Kreide. Auf die Bundesbank entfielen nach dem Kapitalschlüssel der EZB etwas mehr als ein Viertel, also etwa 40 Milliarden Euro. Möglich wäre nun, dass die Griechen das Geld über einen langen Zeitraum, eventuell viele Jahrzehnte, abzahlen. Auch eine Lastenteilung zwischen der Zentralbank in Athen, der EZB und den verbleibenden 16 Euro-Notenbanken ist denkbar. Im schlimmsten Fall, also wenn Griechenland nicht zahlen will oder kann, müsste die Bundesbank Abschreibungen vornehmen und/oder ihre Risikovorsorge erhöhen. Bundesbankgewinne und damit eine jährliche Entlastung des Bundeshaushalts wären dann für lange Zeit Geschichte. Dass diese Belastung der Bundesbank deutlich höher ausfiele als ihr derzeitiges Eigenkapital von fünf Milliarden Euro wäre kein Problem, da Notenbanken im Gegensatz zu normalen Instituten auch mit negativen Eigenkapital operieren können. Die Bundesbank selbst hat dies etwa in den 1970er-Jahren einige Jahre selbst praktiziert.

Mit Schuldentragfähigkeitsanalysen ist schon genug Schindluder getrieben worden. Aus ihnen nun die Notwendigkeit eines erneuten Schuldenschnitts in Griechenland herzuleiten ist geradezu grotesk.

Griechenlands Problem ist und bleibt, dass es zu teuer ist. Das Land hat die Löhne seiner Staatsbediensteten nach Ausbruch der Finanzkrise noch schnell um fast 30 Prozent erhöht, bevor die Regierung anschließend gewisse Korrekturen vornahm. Trotzdem waren seine Löhne zuletzt nach aktueller Datenlage immer noch höher als zu Beginn der Krise.

Griechenlands Preise sind in der Krise zudem um fünf Prozent stärker gewachsen als die Preise der Wettbewerber im Euro-Raum. Es gibt noch keine Anzeichen für die nötige reale Abwertung, die nach Kaufkraftanalysen der OECD 39 Prozent betragen müsste, allein um auf das türkische Preisniveau zu kommen.

Was also ist zu tun? Die noch halbwegs soliden Länder der Euro-Zone dürfen sich den Buchungstricks der Finanzakrobaten nicht mehr unterordnen, sondern sollten den gesunden Menschenverstand einsetzen. Der Euro ist mit den jetzigen Mitgliedstaaten nicht überlebensfähig. Er muss auf einen Kern funktionsfähiger Länder reduziert werden, während die anderen Staaten wieder eigene Währungen benötigen, um abwerten und wettbewerbsfähiger werden zu können.

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Die Politik darf die notwendigen Entscheidungen, so schwer sie auch sind, nicht mehr auf die lange Bank schieben.

17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.08.2012, 14:26 Uhrgeronimo

    So ist es Herr Professor,sie verlieren ihren Scharfsinn.Ein Ein Vereinigtes Staaten bündniss,von Europa wird,und kann es überhaupt nicht geben.Nach wievor ist nur eine WIRTSCHAFTS Gemeischafft sinvoll,und von Beiden wirklich Großen Staatsmänner so gewollt und nichts anderes!!

  • 22.08.2012, 12:00 UhrPequod

    Was sollen die langen Debatten? Was mit diesen abenteuerlichen
    Schuldenstreckungen der ''EU'' veranstaltet wird ist nichts weiter
    als eine Beihilfe zur Insolvenzverschleppung und ein Fall für
    die Staatsanwaltschaft, auch wenn Griechenland nicht dem HGB
    unterworfen ist, so kann niemand erzählen, daß es in Griechen-
    land kein Handelsrecht geben würde, oder es auf europäischer
    Ebene keine Möglichkeiten bestünde gegen diese eklatanten
    Rechtsbrüche im Insolvenzrecht vorzugehen, oder hat man sich
    dazu entschlossen ein Gauner gegen Gauner Spiel zu veranstal-
    ten? Wenn das der Fall ist, dann ist wohl alles zu spät!!

  • 21.08.2012, 11:31 UhrGnomon

    Die Politik wird es wohl soweit nicht kommen lassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man das Eurokrisensüppchen bis nach der Wahl 2013 köcheln lassen wird. Aus Sicht der Union ist doch ein davor liegendes Ausscheiden Griechenlands wenig wünschenswert, offenbart es doch die Nutzlosigkeit der 2 jährigen "Rettungsstrategie" und gibt der Opposition Munition im Wahlkampf. Den Ballon kann man dann noch im winter 2013/2014 platzen lassen.

    Mich würde interessieren, welche Kräfte innerhalb des IWF auf eine Griechenlandrettung drängen. Ist es die von französischen Interessen getriebene Lagarde oder sind es an der Eurokrise interessierte Amerikaner?

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