Denkfabrik: Die Krisenländer müssen billiger werden

kolumneDenkfabrik: Die Krisenländer müssen billiger werden

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Um wettbewerbsfähig zu werden und die Wirtschaft voran zu bringen, könnte eine Preissenkung helfen

Kolumne von Hans-Werner Sinn

Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, müssen die Krisenstaaten der Euro-Zone billiger werden. Dafür aber gibt es bislang keine Anzeichen. Die immensen Leistungsbilanzdefizite dürften vorerst bestehen bleiben – und die milliardenschweren Finanzhilfen der Steuerzahler weitgehend versickern.

Wer die Krise der Europäischen Währungsunion analysiert und die bisherigen Rettungsmaßnahmen beurteilen will, muss sich mit zwei divergierenden Theorien auseinandersetzen: der Theorie vom Geld im Schaufenster und der Theorie vom Fass ohne Boden. Nach der ersten Sichtweise muss die Politik zur Lösung der Krise einfach nur riesige Schutzgelder im Luxemburger Rettungsfonds EFSF ansammeln.

Dann sind die Kapitalmärkte beruhigt, die Zinsen fallen, und die Südländer werden wieder solvent. Das Geld der Steuerzahler kann ungenutzt im Schaufenster liegen bleiben. Nach der zweiten Theorie bleiben die Krisenländer trotz Rettungsfonds chronisch defizitär, weil ihnen der Weg zu einer offenen Abwertung durch den Euro versperrt und eine interne Abwertung zu schwierig ist.

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Griechenland müsste 37 Prozent billiger werden

Die Hilfsgelder versickern somit in riesigen Leistungsbilanzdefiziten (120 Milliarden Euro allein 2011 in Italien, Griechenland, Portugal und Spanien) und lassen den Anreiz erlahmen, dem Fass einen Boden einzubauen. Das entscheidende Kriterium zur Unterscheidung zwischen diesen Theorien ist die Frage, ob es den Krisenländern gelingt, billiger zu werden – denn nur so lässt sich die in- und ausländische Nachfrage nach den eigenen Produkten steigern.

Wenn etwa Griechenland um 37 Prozent billiger würde, wäre es so teuer wie die Türkei. Die Touristen kämen zurück, und die Griechen würden aufhören, holländische Tomaten und italienisches Olivenöl zu kaufen. Jedes Land, egal, wie produktiv es ist, wird wettbewerbsfähig, wenn es nur billig genug ist. Über Preissenkungen muss nun die Uhr zurückgestellt werden, die durch den Euro im Süden zu viel Vorlauf erhalten hat.

Die billigen Kredite, die mit dem Euro kamen, hatten inflationäre Blasen aufgebaut. Die GIIPS-Länder (Griechenland, Irland, Italien, Portugal, Spanien) waren, gemessen am BIP-Deflator, gegenüber ihren Handelspartnern im restlichen Euro-Raum von 1995 (dem Jahr der verbindlichen Ankündigung des Euro) bis 2008 (dem Jahr der Lehman-Krise) im Schnitt um 30 Prozent teurer geworden.

Ein erheblicher Teil dieser Steigerung muss rückgängig gemacht werden, weil der Kredit nicht mehr fließen will. Und auch nicht mehr fließen sollte. Leider aber ist bei den Preisen im Süden bislang nichts passiert. Während Irland seine Preise, gemessen am BIP-Deflator, in den fünf Jahren von 2006 bis 2011 (jeweils drittes Quartal) relativ zum Rest des Euro-Raums um 15 Prozent gesenkt hat, sind die Südländer immer teurer geworden.

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