Denkfabrik: Die Risiken der EZB-Geldschwemme

Denkfabrik: Die Risiken der EZB-Geldschwemme

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Von den Finanzmärkten bejubelt: EZB-Präsident Mario Draghi. Mehr Geld für Krisenländer und noch geringere Sicherheiten?

von Hans-Werner Sinn

Mit der Notenpresse pumpt die Europäische Zentralbank frisches Geld in Länder, die freiwillig keine Kredite mehr erhalten würden. Sie verhindert damit die Wiederbelebung des privaten Kreditmarkts, untergräbt den Reformdruck, benachteiligt die Sparer und bürdet den Steuerzahlern neue Risiken auf.

Für den Einsatz der dicken Bertha wird EZB-Präsident Mario Draghi von den Finanzmärkten bejubelt, weil er damit den lateineuropäischen Ländern den Zugang zu einer langfristigen Notenbankfinanzierung eröffnet hat, ohne dass neue Staatspapiere gekauft werden mussten. Die Krisenländer erhalten noch mehr frisches Geld, ihnen werden noch geringere Sicherheiten abverlangt, und vor allem dürfen sie sich das Geld viel länger leihen. Während die EZB den Banken vor der Krise für maximal drei Monate Kredit gewährte und der frühere EZB-Präsident Jean-Claude Trichet die Ausleihfrist dann auf ein Jahr erhöhte, gibt Draghi nun eine Billion Euro mit einer Laufzeit von drei Jahren. Damit ist das EZB-System zum Ersatz-Kapitalmarkt geworden.

Trotz des Jubels befindet sich die EZB indes auf einer schiefen Bahn, denn kein System überlebt ein Regime der lockeren Budgetbeschränkungen, bei dem staatliche Instanzen die tatsächlichen Knappheiten der Ökonomie dauerhaft mit der Notenpresse übertünchen. Die EZB treibt Europa mit dieser Politik in die Inflation oder in eine Transferunion, mindestens verzerrt sie die Allokation der Ressourcen.

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Gegen den Strom

Die EZB versucht, den schier unermesslichen Kredithunger der Volkswirtschaften in der Peripherie und neuerdings auch Frankreichs und Italiens mit Refinanzierungskrediten zu stillen. Mit der Notenpresse pumpt sie die Spargelder, die über den Interbankenmarkt freiwillig nicht mehr von Deutschland dorthin fließen wollen, gegen den Strom weiter nach Lateineuropa. Der mediterrane Lebensstandard wird so weiterfinanziert, und zudem wird den begünstigten Ländern die Möglichkeit gegeben, sich von ihren deutschen und holländischen Gläubigern unabhängig zu machen.

Mittlerweile sind netto 800 Milliarden Euro an öffentlichem Kredit vom Nordosten in den Südwesten der Euro-Zone geflossen, und genauso viel Geld ist zur Schuldentilgung und zum Güterkauf zurückgekommen. Das ist der Target-Kredit, über den ich in dieser Zeitschrift vor einem Jahr das erste Mal berichtet hatte. Zerbricht der Euro, hat man die 800 Milliarden erst einmal in der Kiste.

Mit der Notenpresse ließ sich das Leben in der Peripherie weiter finanzieren, als sei nichts gewesen, und die notwendigen Anpassungsmaßnahmen wurden auf Jahre verzögert. Bis auf Irland gibt es bis zum heutigen Tage nirgends auch nur die Spur einer Preissenkung relativ zu den Wettbewerbern im Euro-Raum, die die unerlässliche Voraussetzung für die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Defizitländer ist.

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