Denkfabrik: Die Wahrheit über Zypern

Denkfabrik: Die Wahrheit über Zypern

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Die Rettung von Zypern wird teurer als geplant. Für Spanien oder Italien lässt sich solch eine Rettungsaktion nicht wiederholen

von Hans-Werner Sinn

Die Rettung Zyperns wird deutlich teurer als die von der Politik verbreiteten zehn Milliarden Euro. Hinzu kommen weitere zwölf Milliarden Euro an Target- und ELA-Krediten über das Notenbanksystem. Bezogen auf die Wirtschaftsleistung des Inselstaates, erreicht das Rettungspaket griechische Verhältnisse.

Die Kehrtwende der Europäischen Union bei der Zypern-Rettung ist bemerkenswert. Hieß es noch im Sommer von der EU-Kommission, dass die Gläubiger der bankrotten Banken Südeuropas zu schützen seien, wurde nun erstmals in größerem Umfang eine Beteiligung der Gläubiger realisiert. Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem erklärte Zypern zum Modellfall, und die EU-Kommission bereitet einen neuen Richtlinienentwurf dazu vor.

Damit wird dem Petitum deutscher Ökonomen Rechnung getragen. 480 von ihnen hatten sich im Juni vergangenen Jahres in zwei fast gleichlautenden Aufrufen gegen die Lösung der Bankenkrise Südeuropas mit den Steuergeldern der nördlichen Länder ausgesprochen. Stattdessen forderten sie sogenannte Debt-Equity-Swaps, also eine Rekapitalisierung der Banken durch Umwandlung der Forderungen der Gläubiger in Aktien.

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Die Steuerzahler der noch gesunden Staaten Europas sollten sich aber nicht zu früh freuen. Sie sind im Fall Zypern trotz der Beteiligung der privaten Gläubiger in viel größerem Umfang zur Kasse gebeten worden, als sie es ahnen. In offiziellen Verlautbarungen der Politik heißt es, dass die Hilfen insgesamt zehn Milliarden Euro betragen werden, wovon neun Milliarden vom Rettungsschirm ESM und eine Milliarde vom Internationalen Währungsfonds (IWF) kommen sollen.

Die Wahrheit ist jedoch, dass Zypern zuvor bereits neun Milliarden Euro an Target-Krediten erhalten hat, um damit sein Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren. Von Beginn der Finanzkrise 2008 bis heute hat Zypern durch Leistungsbilanzdefizite neue Auslandsschulden im Umfang von acht Milliarden Euro angehäuft. Dies waren per saldo keine privaten Schulden, sondern Target-Schulden bei der Europäischen Zentralbank (EZB), die sich damit als der bis dahin größte Finanzier zur Aufrechterhaltung des Lebensstandards der Zyprioten während der Krise erwies. Bemerkenswert ist, dass der EZB-Rat dem Inselstaat nach den neuerlichen Vereinbarungen der Staatengemeinschaft mit Zypern bereits weitere drei Milliarden Euro über den Emergency-Liquidity-Assistance-Mechanismus (ELA) zugebilligt hat. ELA-Kredite sind Nothilfen der nationalen Notenbank für illiquide Kreditinstitute. Diese dürften über kurz oder lang zu Target-Krediten werden. Die ausländischen Rettungskredite für Zypern betragen damit nach heutigem Stand bereits 22 Milliarden Euro.

Forderungen ausländischer Banken gegenüber Zypern

  • Griechenland

    12,7 Milliarden Euro

    Quelle: BIZ

  • Deutschland

    5,6 Milliarden Euro

  • Frankreich

    1,8 Milliarden Euro

  • Schweiz

    1,6 Milliarden Euro

  • Großbritannien

    1,6 Milliarden Euro

  • Niederlande

    1,4 Milliarden Euro

  • Österreich

    1,3 Milliarden Euro

  • USA

    1,3 Milliarden Euro

  • Italien

    1,2 Milliarden Euro

  • Schweden

    1,0 Milliarden Euro

  • Portugal

    0,2 Milliarden Euro

  • Spanien

    0,04 Milliarden Euro

  • Sonstige Länder

    14,6 Milliarden Euro

Target-Kredite für Zypern bedeuten, dass ausländische Zentralbanken oder die EZB die Forderungen ausländischer Gläubiger oder Lieferanten Zyperns bedienen, indem sie Zahlungsaufträge für die zypriotischen Banken erledigen. Diese Kredite wurden ermöglicht, indem die Notenbank Zyperns ihren Banken frisches Geld aus der elektronischen Druckerpresse zur Verfügung stellte, um den Abbau der Depositen im Zuge der Auslandsüberweisungen auszugleichen.

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