Denkfabrik: Finsterste Industriepolitik der EU-Kommission

kolumneDenkfabrik: Finsterste Industriepolitik der EU-Kommission

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Die Festlegung eines Grenzwerts für den CO2-Ausstoß würde der deutschen Automobilindustrie nachhaltig schaden

Kolumne von Hans-Werner Sinn

Die Verschärfung der CO2-Grenzwerte in der europäischen Automobilindustrie ist extrem unwirtschaftlich und schadet der Umwelt mehr, als es ihr nutzt. Der Vorstoß der Europäischen Kommission dient viel eher dem Schutz der kriselnden französischen und italienischen Automobilindustrie.

Versuche, durch die Setzung von Standards unliebsame Produkte vom eigenen Markt fernzuhalten und sich selbst einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, sind so alt wie die EU. Die Beispiele reichen vom Alkoholgehalt des Likörs über das Reinheitsgebot beim Bier bis zur Krümmung der Gurke. Konnte man über manche dieser Beispiele bislang nur lachen, hört der Spaß beim neuen Vorstoß der EU nun aber auf. Den CO2 -Ausstoß der Autos in Zukunft auf 78 Gramm pro Kilometer oder weniger zu begrenzen würde die deutsche Automobilindustrie nachhaltig schädigen.

Die deutschen Hersteller haben sich auf Premiumautos mit hohem Komfort, überdurchschnittlicher Größe und überdurchschnittlicher Leistung spezialisiert. Weil sie auf dem Heimatmarkt stark sind und sich einen harten Konkurrenzkampf liefern, der ständig Innovationen hervorbringt, werden sie ihre Autos auf der ganzen Welt spielend los. Die S-Klasse, der Phaeton, der Audi A8 und die 7er-Reihe von BMW gehören zu den besten Autos der Welt. Die Chinesen sind geradezu versessen auf sie, und in den USA ist der deutschen Automobilindustrie mit großen Limousinen und SUVs ein Comeback gelungen.

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"Jetzt werden auch die deutschen Automobil- hersteller zu Opfern des Euro"

Schon die von der EU verfügte Begrenzung des CO2 -Ausstoßes auf 130 Gramm pro Kilometer für den durchschnittlichen Flottenverbrauch, die im Jahr 2009 verfügt wurde, war eine Herausforderung für die Hersteller, denn die großen deutschen Limousinen liegen eher bei 250 Gramm. Das Ziel, beim Flottenverbrauch unter 130 Gramm zu kommen, lässt sich deshalb nur realisieren, wenn man eine Menge Kleinstautos produziert, aber das widerspricht der Idee der Spezialisierung, die die hautsächliche Quelle der Effizienzgewinne in der Marktwirtschaft ist.

Schummeln erlaubt

Allerdings ist Schummeln erlaubt. Wenn man die Autos im Testzyklus mit Strom aus der Steckdose laufen lässt, kann man die C02 -Werte rechnerisch herunterbringen, obwohl man sie in Wahrheit eher erhöht. Strom ist nämlich meistens Kohlestrom, und bis die bei der Kohleverbrennung erzeugte Energie an den Rädern des Autos angekommen ist, geht von ihr mehr verloren, als wenn man Dieseltreibstoff in einem modernen Motor verbrennt.

Die Automobilindustrie ist eine der Schlüsselindustrien Deutschlands. Sie steht für über 16 Prozent des deutschen Exports. An ihr hängen direkt 420.000 und indirekt 320.000 Arbeitsplätze in Deutschland und sicherlich noch einmal so viele in Osteuropa, wo sich ein mit der deutschen Industrie fest verwobenes Zuliefernetz entwickelt hat. Wenn die EU die Axt an dieses System legt, wird sie sich selbst beschädigen. Es reicht allmählich.

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