Denkfabrik: Griechenland braucht Reformen statt sozialistische Experimente

kolumneDenkfabrik: Griechenland braucht Reformen statt sozialistische Experimente

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Die griechische Bevölkerung wartet vergebens auf marktwirtschaftliche Reformen, die das Land voran bringen würden.

Kolumne

Ein Euro-Austritt Griechenlands ist keine Lösung. Er ließe die Bevölkerung verarmen. Griechenlands Zukunft liegt im Euro. Doch dafür benötigt das Land marktwirtschaftliche Reformen.

Es ist ein gespenstiges Bild. In wenigen Tagen geht der griechischen Regierung das Geld aus, um ihre Rechnungen zu bezahlen und ihren Schuldendienst zu leisten. Gleichwohl bleiben die Griechen und die Deutschen erstaunlich gelassen, allerdings aus unterschiedlichen Gründen.

Die Griechen glauben wohl, Europa würde ihnen wieder mal helfen, egal, was sie tun. Und viele Deutsche nehmen an, ein Grexit wäre vielleicht gar nicht so schlecht für alle Beteiligten.

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Weitere Stationen im griechischen Schuldendrama

  • 18. Februar

    Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB). Dabei könnte eine Aufstockung und Verlängerung der Notfallhilfe für Griechenland bewilligt werden. Die griechischen Banken haben immer größere Probleme, weil Bürger des Landes ihre Konten aus Furcht vor der finanziellen Zukunft abräumen. Seit vergangenen Mittwoch können die Banken griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheit für EZB-Kredite hinterlegen, um an frisches Geld zu kommen.

  • 20. Februar

    Das Ultimatum der Europartner für Griechenland läuft ab. Bis dahin soll Athen einen Antrag für eine sechsmonatige Verlängerung des Hilfsprogramms stellen - zusammen mit verbindlichen Zusagen.

  • 28. Februar

    Das bereits verlängerte Hilfsprogramm der Europäer endet. Aus dem Programm stehen noch 1,8 Milliarden Euro aus.

  • Februar und März

    2,1 Milliarden Euro müssen an den IWF und 1,9 Milliarden Euro an Zinsen gezahlt werden.

  • 9. März

    Die Finanzminister der Euro-Zone kommen routinemäßig zusammen, Griechenland dürfte wieder ein Thema sein.

  • 19. März

    Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU.

  • Juni bis August

    Im Juni sind 2,62 Milliarden an Schulden fällig, im Juli 5,12 Milliarden und im August 3,69 Milliarden Euro. 6,68 Milliarden davon sind Schulden bei europäischen Institutionen. Insgesamt muss Athen 2015 rund 22,5 Milliarden Euro zurückzahlen.

Beide Seiten liegen falsch. Der griechische Irrtum ist offensichtlich: 18 von 19 nationalen Regierungen der Euro-Zone sind der Überzeugung, ein Grexit würde nicht zu einer Ansteckung anderer Krisenländer führen. Das stimmt, denn diese Länder bekämpfen ihre Probleme erfolgreich, und die Finanzmärkte honorieren dies. Eine unsichtbare Brandschutzmauer trennt inzwischen Spanien, Portugal und Irland von Griechenland, und dies hat weitreichende politische Folgen.

So sind die Regierungen dieser Länder längst die lautesten Kritiker jeder weiteren Sonderbehandlung für Griechenland, vor allem natürlich mit Blick auf die Härten, die sie der eigenen Bevölkerung zumuten mussten. Kurzum: Griechenland ist völlig isoliert. Sollte die griechische Regierung die Konditionalität der Finanzhilfe durch die Euro-Zone ablehnen, wird es kein Pardon geben. Es kommt dann zur Zahlungsunfähigkeit und wohl auch zum Grexit. Es wird eine neue Währung geben, die kaum jemand in Griechenland haben will. Löhne werden massiv gesenkt und die Ersparnisse drastisch abgewertet, alles in „weichen“ Drachmen: eine Enteignung durch die Hintertür. Ergebnis: die Verarmung der ganz normalen Menschen.

Zu den Gastautoren

  • Aristos Doxiadis

    Aristos Doxiadis ist Ökonom und Partner in einem Wagniskapitalunternehmen in Athen.

  • Karl-Heinz Paqué

    Karl-Heinz Paqué lehrt VWL in Magdebug und ist stellvertretender Vorsitzender der Friederich-Naumann-Stiftung.

Der deutsche Irrtum ist weniger offensichtlich als der griechische, aber nicht weniger ernst. Ein beträchtlicher Teil der deutschen Ökonomenzunft und des politischen Establishments glaubt, ein Grexit erlaube der griechischen Wirtschaft endlich die Rückkehr zur Wettbewerbsfähigkeit – durch eine drastische Abwertung der neuen Währung. Dies ist eine Illusion. Immerhin sind die Lohnkosten im Zuge des fünfjährigen Stabilisierungsprogramms seit 2010 schon um fast 30 Prozent gesunken. Das ist ziemlich genau jene Größenordnung, die Ende des letzten Jahrzehnts als Kostenblase für Griechenland diagnostiziert wurde. Was Löhne und Einkommen betrifft, ist also der harte Teil der Arbeit längst erledigt. Heute geht es vor allem um institutionelle Reformen sowie politische Stabilität, um die Wachstumskräfte zu stärken. Eine neue und weiche Währung würde mit ihren Inflationsgefahren dagegen das Erreichte gefährden. Für Jahre oder gar Jahrzehnte würde Griechenland zum Argentinien Europas. Die Leistungsträger würden in Massen abwandern.

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