Denkfabrik: Griechenland ist wie die Mongolei

kolumneDenkfabrik: Griechenland ist wie die Mongolei

Kolumne von Hans-Werner Sinn

Was haben Griechenland und die Mongolei gemeinsam? Beide sind Schwellenländer, leiden unter der holländischen Krankheit, und ihre Binnenwirtschaft ist unterentwickelt. Zudem hat sich in beiden Ländern eine Oberschicht auf Kosten der Allgemeinheit bereichert.

Zurück von einem Besuch in der Mongolei drängt sich mir der Vergleich mit Griechenland auf. Beide Länder sind Schwellenländer, die nach den Regeln der OECD nicht zu den entwickelten Ländern dieser Erde gehören. In beiden geht es recht chaotisch zu. In den Städten herrscht ein Wildwuchs privater Wohnbauten, die mangels einer funktionierenden Stadtplanung auf korrupte Verwaltungssysteme schließen lassen.

Der Lebensstandard ist beachtlich, aber verzerrt. An modernen Autos, iPads, Flachbildschirmen, Parabolantennen und Louis-Vuitton-Geschäften mangelt es nicht, wohl aber an Straßen und anderen Elementen der öffentlichen Infrastruktur. Abgesehen von der Landwirtschaft bieten nur der Staat, der Handel und internationale Organisationen neue Stellen.

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Kranke Wirtschaft

Ein produzierendes Gewerbe fehlt. Noch nicht einmal eine auf landwirtschaftlichen Produkten aufbauende Wertschöpfungskette wurde entwickelt. Die Mongolei mit ihrem riesigen Viehbestand von 40 Millionen Tieren bei nur 2,9 Millionen Einwohnern importiert gekühlte Milch aus Neuseeland. Griechenland kauft Tomaten in Holland und Olivenöl in Deutschland.

Die Natur ist freilich wunderschön, und die Menschen sind offen und freundlich. Der Tourismus ist nur in Griechenland gut entwickelt, obwohl beide Länder prächtige Landschaften haben und durch die Freundlichkeit ihrer Menschen überzeugen.

Beide Ökonomien haben eine unterentwickelte Binnenwirtschaft und finanzieren ihre Importe großenteils mit Geld, das nicht aus dem Export produzierter Güter stammt. Die Mongolei lebt vom Export ihrer Bodenschätze und Griechenland vom Export seiner Schuldscheine. Die entsprechenden Erlöse sichern den Lebensstandard, erzeugen aber deswegen auch Löhne, zu denen eine wettbewerbliche Industrie nicht aufgebaut werden kann.

Beide Länder leiden unter der holländischen Krankheit, einem Phänomen, das man nach den Gasfunden der Sechzigerjahre in Holland beobachtet hatte. Die Erlöse aus dem Gasverkauf schwemmten viel Geld nach Holland, das für Lohnerhöhungen im Privatsektor und beim Staat verwendet wurde und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft unterminierte. Erst mit dem Abkommen von Wassenaar aus dem Jahr 1982 gelang es, den verhängnisvollen Lohntrend zu brechen und die Wirtschaft zu retten.

Für die zerstörerischen Wirkungen des Geldzuflusses kommt es nicht darauf an, wie dieser Zufluss zustande kommt.

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20 Kommentare zu Denkfabrik: Griechenland ist wie die Mongolei

  • Zitat.....Was haben Griechenland und die Mongolei gemeinsam? Beide sind Schwellenländer, leiden unter der holländischen Krankheit, und ihre Binnenwirtschaft ist unterentwickelt. Zudem hat sich in beiden Ländern eine Oberschicht auf Kosten der Allgemeinheit bereichert.

    LoL, statt Mongolei kann man auch Deutschland einsetzen.

  • Was wäre die Essenz? GR raus aus dem Euro und gut.
    Die Euro-Bonzen wollen das aber nicht, weil dann gleich Italien, Portugal, Spanien und Frankreich hinterher kämen. Es würde offenbar, daß die Währungsunion gescheitert ist, daß die EU-Krake den Bürgern aller EU-Staaten eher schadet, denn nutzt und Kaiserin Mutti stünde ohne Kleider da. Auch keine schöne Vorstellung...

  • Man schätzt, dass reiche Griechen mindestens 100 Milliarden Euro in der Schweiz in Sicherheit gebracht haben. Eine skandalöse Aussage, denn die Mehrheit dieser Anleger gehört dem griechischen Mittelstand an, der immer hat gearbeitet hat und seine Ersparnisse vor einer unfähigen giechischen Regierung in Sicherheit brachte.

    Man schätzt, dass reiche Deutsche mindestens 300 Milliarden Euro in der Schweiz in Sicherheit gebracht haben. Eine skandalöse Aussage, denn die Mehrheit dieser Anleger gehört dem deutschen Mittelstand an, der immer hat gearbeitet hat und seine Ersparnisse vor einer unfähigen, dem Euro hörigen deutschen Regierung in Sicherheit brachte.

    Es wird immer deutlicher warum die europäischen Regierungsvertreter verzweifelt nach "dem SCHULDIGEN" der EU-Krise suchen - sie haben Angst vor der eigenen, persönlichen Zukunft, denn die könnte für viele ganz plötzlich vorbei sein.

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