Denkfabrik: Ökonom Voth: Der Euro wird scheitern

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Hans-Joachim Voth

Ein Blick in die Geschichte zeigt: Eine dauerhafte Kopplung von Wechselkursen und erst recht eine Währungsunion funktionieren auf Dauer nur bei hochgradig flexiblen Löhnen und Preisen. Da dies in der Euro-Zone fehlt, droht der Währungsunion auf kurz oder lang der Zerfall.

Seit der Rezession 2008 interessieren sich Politiker plötzlich für Wirtschaftsgeschichte. US-Präsident Obama holte sich Christina Romer ins Weiße Haus, die sich mit langfristigem Wachstum und der Weltwirtschaftskrise beschäftigt. Auch Fed-Chef Bernanke ist gefragt; sein Promotionsthema war die Bankenkrise in der Großen Depression.

Auch in der Euro-Krise macht der Blick in die Geschichte Sinn, und sie lehrt uns drei Dinge. Erstens: Eine Währungsunion ohne dahinterstehenden Staat hat nie dauerhaft funktioniert. Zweitens: Eine dauerhafte Koppelung der Wechselkurse – oder die Aufgabe des Währungspuffers durch Verwendung einer Fremdwährung – funktioniert nur bei hochgradig flexiblen Löhnen und Preisen. Drittens: Staaten können nur dann Schulden zuverlässig bedienen, wenn sie Anleihen in der eigenen Währung begeben.

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Für transnationale Währungsblöcke gibt es historisch nur wenige Beispiele. Die Lateinische Währungsunion des 19. Jahrhunderts war so ein Konstrukt. Frankreich gehörte dazu, Belgien, Spanien, die Schweiz, Italien, Griechenland und sogar Venezuela. Ab 1865 prägte man Münzen, die alle den gleichen Gold- und Silbergehalt haben sollten. Das ging nicht lange gut, vor allem, weil sich zwei Staaten nicht an die Regeln hielten. Italien gab damals zu viel und entwertetes Geld aus, und schon bald verschwand das „gute Geld“ der anderen Mitgliedsländer aus dem Umlauf. Griechenland wurde ausgeschlossen, als es entwertete Goldmünzen ausgab. Die Währungsunion zerbrach letztlich daran, dass die Interessen der Mitgliedsländer nicht harmonierten. Italien und Griechenland wollten ihre Defizite durch Münzentwertung reduzieren; andere Länder beharrten auf Geldwertstabilität. Je heterogener die Präferenzen und je unkoordinierter die Wirtschaftspolitik, desto unwahrscheinlicher ist das Überleben einer Währungsunion.

Zweites Beispiel: Argentinien. Das Land litt Anfang der Neunzigerjahre unter einer Hyperinflation. Dann wurde der Peso an den US-Dollar gekoppelt. Jeder Peso musste fortan durch einen Dollar im Depot der Notenbank gedeckt sein. Das Experiment gelang zunächst. Inflation und Zinsen sanken rapide, die Wirtschaft wuchs um bis zu acht Prozent pro Jahr, Argentinien florierte.

Allerdings nicht lange. Schnell stiegen Löhne und Preise; bald war die Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten verloren. Während die Exporte zurückgingen, stiegen die Importe kräftig. Auslandskredite überbrückten die Differenz. Als die Märkte anfingen, die Kreditwürdigkeit zu hinterfragen, schnellten die Zinsen nach oben. Im Sommer 2001 stieg die Risikoprämie auf über 15 Prozent. Sparprogramme halfen wenig: Je heftiger sie wurden, desto schneller sanken Wirtschaftsleistung und Steuereinnahmen. Das Land versank im Chaos und erklärte den Bankrott.

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