Denkfabrik: Ökonomen-Aufruf ohne Mehrheit

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kolumneDenkfabrik: Ökonomen-Aufruf ohne Mehrheit

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Die schwache Resonanz unter den deutschen Ökonomen zeigt, dass hinter diesem Ökonomenaufruf keinesfalls irgendwelche Mehrheiten stehen.

Kolumne von Hans-Werner Sinn

Eine Gruppe von Ökonomen um DIW-Chef Marcel Fratzscher hat in einem Aufruf das umstrittene OMT-Programm der Europäischen Zentralbank unterstützt. Das ist ihr gutes Recht. Eine Mehrheit vertritt sie aber nicht.

Die Ökonomie ist eine schwierige Wissenschaft. Seriöse Ökonomen kommen schnell zu einer gemeinsamen Meinung bezüglich der Korrektheit von Argumenten für oder gegen eine wirtschaftspolitische Entscheidung. Sie unterscheiden sich aber bei der Gewichtung dieser Argumente, denn dabei kommt es auf subjektive Einschätzungen an, die aufgrund unterschiedlicher Lebenserfahrung und unterschiedlicher fachlicher Expertise stark variieren. Da bei einer wirtschaftspolitischen Entscheidung viele Argumente eine Rolle spielen, sind Meinungsunterschiede bei der Gesamtbeurteilung an der Tagesordnung - obwohl die Ökonomen viele Argumente im Einzelnen teilen.

So ist es auch mit dem OMT-Programm der Europäischen Zentralbank (EZB), also der Ankündigung, Staatspapiere der Krisenländer zu kaufen, wenn diese Staaten in größere Schwierigkeiten geraten. Dieses Programm stellt einen kostenlosen Versicherungsschutz der Staatengemeinschaft zulasten der Steuerzahler dar, die etwaige Abschreibungsverluste auf die von der EZB erworbenen Papiere tragen müssen. Das ist der unter guten Ökonomen unstrittige Sachverhalt.

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Zinsen gesunken

Unstrittig ist auch, dass dieses Programm die Märkte beruhigt, die Gefahr eines Euro-Kollapses reduziert, die Zinsen der Krisenländer gesenkt und damit Anreize gesetzt hat, die Verschuldung zu erhöhen. Aber hier hört die Gemeinsamkeit auf. Während die einen die Beruhigung der Kapitalmärkte und die sinkende Gefahr eines Euro-Kollapses für das überragende Ziel halten, finden andere den Fehlanreiz, weitere Schulden aufzubauen, gefährlicher und gewichten auch das Gerechtigkeitsproblem höher, das darin besteht, dass die Steuerzahler die Anleger ungefragt und kostenlos versichern sollen.

Eichengreen "Das OMT-Programm muss bleiben"

Gut 200 Wissenschaftler verteidigen in einem offenen Brief die umstrittene Politik der Europäischen Zentralbank. Auch der renommierte US-Ökonom Barry Eichengreen. Warum tun Sie das, Herr Eichengreen?

Barry Eichengreen gehört zu den Unterzeichnern des neuen Ökonomen-Aufrufs. Der 61-Jährige ist ein international bekannter und angesehener US-Ökonom. Er lehrt an der "University of California" in Berkeley. Eichengreen betont, dass die Ankündigung der EZB, Staatsanleihen im Krisenfall aufzukaufen, richtig und erfolgreich sei. Quelle: Presse

In einer solchen Situation mag es sinnvoll sein, mittels einer Umfrage unter Ökonomen die Dominanz einer Position zu dokumentieren, wie es meine Kollegen Fratzscher, Portes, Weder di Mauro und Wyplosz mit ihrem Aufruf zur Unterstützung der EZB versucht haben. Immer wieder hat es ja ähnliche Aufrufe gegeben. So etwa die beiden von Walter Krämer und Frank Heinemann vor einem Jahr initiierten Ökonomenaufrufe zur Bankenunion, aus der sich ergab, dass 480 deutschsprachige Fachökonomen eine Rekapitalisierung konkursreifer Banken durch Verzichte der Gläubiger statt durch Hilfen der Steuerzahler vorschlagen.

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