Denkfabrik: So gelingt Griechenlands Euro-Exit

exklusivDenkfabrik: So gelingt Griechenlands Euro-Exit

Bild vergrößern

12 Fragen und Antworten zu Griechenland und seiner Rolle in EU und Euro-Zone von Hans-Werner Sinn

von Hans-Werner Sinn

Der Austritt Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion rückt immer näher. Das ist für die Euro-Zone kein Unglück - und für die Griechen erst recht nicht. Zwölf Fragen und Antworten zu den ökonomischen Vorteilen und dem möglichen Ablauf eines Abschieds von Athen.

1. Warum ist der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone unvermeidlich?

Weil das Land durch den günstigen Kredit, den der Euro brachte, zu teuer wurde. Schätzungen zufolge muss Griechenland 30 Prozent billiger werden, damit es wieder wettbewerbsfähig ist. Nach ifo-Berechnungen ist eine Abwertung von 37 Prozent nötig, allein um mit der Türkei gleichzuziehen.

Anzeige

2. Warum geht das nicht, indem Griechenland im Euro bleibt und die Preise und Löhne entsprechend senkt?

Die Gewerkschaften machen das nicht mit, und selbst wenn sie es täten: Die Bankschulden der Firmen lassen sich nur abwerten, wenn alles auf Drachme umgestellt wird.

3. Ist es nicht Deutschland gelungen, im Euro-Raum billiger zu werden?

Deutschland hat für eine reale Abwertung von 22 Prozent gut 13 Jahre gebraucht, und auch das ging mit Massenarbeitslosigkeit einher. Aber während Deutschlands Abwertung durch Inflation im Rest Europas zustande kam, muss Griechenland tatsächlich mit den Preisen runter – eine Inflationsstrategie in Europa trägt Deutschland nicht mit. Die griechische Situation ist eher mit der Weimarer Republik vergleichbar. Deutschland musste von 1929 bis 1933 um 23 Prozent deflationieren, weil es an den Goldstandard gebunden war und die anderen Länder abwerteten.

4. Sollte die Staatengemeinschaft Griechenland mit einem neuen Marshall-Plan helfen?

Geht man von der gleichen Proportion zum Bruttoinlandsprodukt aus wie bei Deutschland nach dem Krieg, müsste Griechenland aus einem solchen Aufbauprogramm rund vier Milliarden Euro erhalten. Tatsächlich sind den Griechen über die Rettungsschirme, die Staatspapierkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB), die Target-Kredite der EZB und den Schuldenschnitt bereits 460 Milliarden Euro an Hilfen gewährt worden. Das sind 116 Marshall-Pläne. Geholfen hat es wenig.

5. Helfen andere Maßnahmen wie die Senkung der Lohnstückkosten oder Strukturreformen?

Ja, aber sie verbessern die Wettbewerbsfähigkeit nur in dem Maße, wie sie die Preise senken. Bislang sind die griechischen Preise trotz Krise sogar gestiegen.

6. Drohen nicht Ansteckungseffekte, wenn Griechenland austritt?

Ansteckungseffekte gibt es in beide Richtungen. Wenn Griechenland im Euro bleibt und weiter gestützt wird, müssen die starken Länder am Ende auch Portugal, Spanien, Italien und letztlich auch Frankreich finanzieren. Dann stützt die eine Hälfte der Euro- Zone die andere, ein Ding der Unmöglichkeit. Eine solche Politik verhindert die reale Abwertung der überteuerten Länder und zieht die noch gesunden Staaten in den Abgrund.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%