Der Papst-Rücktritt im Netz: "Wir waren Papst"

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Der Papst-Rücktritt im Netz: "Wir waren Papst"

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Der Kurznachrichtendienst Twitter kannte innerhalb weniger Minuten kein anderes Thema mehr als den Papst.

Der freiwillige Rücktritt von Papst Benedikt XVI. ist das dominierende Thema in den sozialen Netzwerken, viele Politiker kommentierten die Entscheidung. Auch mögliche Nachfolger sind längst im Gespräch.

Beim Kurznachrichtendienst Twitter hat der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. ein wahres Feuerwerk ausgelöst. Während zuvor noch Nachrichten mit dem Hashtag "Rosenmontag" das Geschehen dominierten, twitterten plötzlich alle nur noch zum #Papst. Mehr als 3000 Nachrichten zum Begriff "Papst" liefen so über das soziale Netzwerk. Dem Analysedienst Topsy zufolge kam die englische Übersetzung "Pope" auf über 53.000 Erwähnungen in der Stunde. Aber die Twitter-Gemeinde ist gespalten. Während die einen Papst Benedikt XVI. für seine Leistungen danken, prägen auch satirische und teilweise unangebrachte Kommentare das Bild.

Angesichts anderer Würdenträger, die bis zum bitteren Ende an ihren Stühlen kleben, bekommt Joseph Ratzinger viel Lob für seinen freiwilligen Rücktritt. "Von Benedikt XVI. wird vor allem bleiben, wie er gegangen ist. Diese Entscheidung überdauert die Zeit", schreibt Dietmar Brück (@RZ_Brueck). Nutzer @CemB schreibt "Was Queen Elisabeth II. fehlt: Einsicht & Vernunft: Beatrix der Niederlande und Papst Benedikt XVI".

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Das Frankfurter Satiremagazin "Titanic" fürchtet dagegen nicht Vernunft und Einsicht, sondern schlicht einen weiteren Plagiat-Skandal hinter dem Rücktritt des Papstes. Das Magazin hatte den Pontifex im Sommer des vergangenen Jahres auf sein Titelblatt gehoben und sich dafür eine Rüge des Presserats eingefangen. Die Fotomontage, gegen die der Papst eine einstweilige Verfügung erwirkte, zeigte das Kirchenoberhaupt in einem weißen Gewand mit einem großen hellgelben Fleck im Schritt. Dazu die Überschrift "Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden". Da mit Papst Benedikt eines der Lieblingsopfer des Magazins ausfällt, sorgten sich einige Twitterer bereits um das Überleben der Zeitschrift. "Was macht @titanic nur in Zukunft?", fragte sich Mr. Moe (@mrmoe_zfs).

Auch Politiker schlossen sich dem Twitter-Feuerwerk an und dankten dem deutschen Papst in 140 Zeichen: Der CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe zollte Papst Benedikt XVI. auf Twitter großen Respekt vor seiner Entscheidung und dem "einem eindrucksvollen Leben im Dienste des Evangeliums und der Menschen!" Der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler schreibt auf seinem Facebook-Profil: "Schade! Benedikt XVI ist ein Papst der Moderne, der die Religionsfreiheit konsequent gegen jedwede Anfeindungen verteidigt hat." Deutlich kritischer sieht das der Grünen-Abgeordnete Volker Beck. "Das Pontifikat von Papst Benedikt XVI. war eine verpasste Chance", schreibt er auf seiner Facebook-Seite. Unter ihm sei die katholische Kirche teilweise wieder hinter Erneuerungen durch das zweite vatikanische Konzil zurückgefallen, beispielsweise durch die Aufhebung der Exkommunikation der antisemitisch-ausgerichteten Piusbruderschaft.

Schlichter twittert der Thüringer Bundestagsabgeordnete Patrick Kurth "Wir waren Papst." Nur die Piratenpartei lässt sich von dem ganzen Papst-Hype nicht mitziehen, deren politischer Geschäftsführer, Johannes Ponader, kommentiert schlicht: "Die @Piratenpartei kommentiert den Rücktritt des Papstes nicht. Wir stehen für eine Trennung von Staat und Religion." Italiens Regierungschef Mario Monti zeigte sich schockiert.

Nachfolgedebatte entbrennt

Auch die Debatte um einen möglichen Nachfolger hat bereits begonnen. Denn der soll noch vor Ostern gewählt werden. Nicht nur bei Twitter oder Facebook, auch bei den Wettbüros kristallisieren sich einige Anwärter heraus.

Beispielsweise gilt der 70-jährige Kardinal Óscar Rodríguez Maradiaga aus Honduras als einer der möglichen Kandidaten. Viele fordern, dass endlich ein Afrikaner Oberhaupt der katholischen Kirche wird. Laut den Buchmachern haben Kandidaten aus Nigeria und Ghana Chancen. Aber auch der Name eines Italieners wird immer wieder genannt, Erzbischof Angelo Scola aus Mailand.

Doch Twitter wäre nicht Twitter, wenn nicht auch über die weniger realistischen Nachfolge-Kandidaten gerätselt würde. „Ich wäre für Berlusconi als Nachfolger vom Papst. Immerhin würde er das Zölibat abschaffen. Es kann nur schlimmer kommen!“, schreibt @djcooky78. Auch Lothar Matthäus wird von einigen ins Spiel gebracht, ebenso wie Thomas Gottschalk oder Markus Lanz.  

Der Papst selber, seit kurzem ja ebenfalls auf Twitter aktiv, hat die Nachricht seines Rücktritts übrigens noch nicht getwittert. Schon folgert Nutzer @ArminWolf: "Übrigens noch nix auf @pontifex_de - der Stress auf Twitter kann's wohl kaum gewesen sein"

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