Der Turmbau zu Frankfurt: Neuer EZB-Doppelturm feiert Richtfest

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Der Turmbau zu Frankfurt: Neuer EZB-Doppelturm feiert Richtfest

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Der Neubau der EZB am Frankfurter Osthafen nimmt langsam Gestalt an

von Roland Tichy

Am Frankfurter Osthafen schraubt sich ein riesiger Doppelturm in den Himmel; schon ist er 175 Meter hoch. Es ist der Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB), ein preisgekrönter Entwurf der Wiener Architekten COOP Himmelb(l)au aus dem Jahr 2005, so verspielt wie der Name des Architektenbüros. Am Donnerstag Abend wird Richtfest gefeiert.

Doch plötzlich erscheint der Bau von zweifelhafter Symbolik: Die Türme sind gegeneinander verdreht, wie von Riesenhand gestaucht und aus dem Lot gebracht – Kritiker sehen darin die Vorwegnahme einer Geldpolitik, die sich von ihrer ursprünglichen Aufgabe, der Geldwertstabilität, entfernt hat und immer weiter entfernt und neuerdings sogar ganz unverblümt die Staatsfinanzierung problematischer Länder wie Griechenland übernommen hat. Es ist ein monströser Bau, neben dem die ursprünglich dort situierte und denkmalgeschützte Großmarkthalle, wegen ihrer einst riesigen Ausmaße vom Volksmund „Gemüse-Dom“ genannt, winzig und verloren wirkt; zudem wird der grandiose Bau aus den 1927-Jahren von einem Betonriegel der neuen EZB zerrissen und zerschlagen – der selbstbewusst gedachte Bau der EZB mag manchem Betrachter wie brutale Großmannssucht und mit verspiegeltem Glas verkleideter, betonierter Größenwahn scheinen.

Deutschland als Baustellenaufseher

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Einige ahnen darin sogar eine Nähe zum Turmbau zu Babel, den Gott der Herr bekanntlich dadurch zum Misslingen brachte, dass er die Sprache seiner Bauleute verwirrte: Ist die Europäische Währungsunion nicht doch zu groß geraten, weil sie Länder so unterschiedlicher wirtschaftlicher Leistungskraft verbindet wie Deutschland und das winzige Zypern, das merkantilistisch geprägte Frankreich und den neuen marktwirtschaftlichen Staaten des Baltikums, die Bürgertradition der Niederlande mit der Sloweniens verbindet, das sich aus dem Post-Sozialismus befreit? Und bezeichnend, dass den Bau der Deutsche Jörg Asmussen überwacht – weder konnte Deutschland den Job des Präsidenten erringen noch wenigstens die Schlüsselstellung des „Chefvolkswirtes“: Zweimal hatten Deutsche mit Ottmar Issing und Jürgen Stark diese wichtige Position inne; jetzt also nur noch den des Baustellenaufsehers?

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