Deutsche und Briten zahlen mehr: Wie Disneyland Paris Ausländer abzockt

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Deutsche und Briten zahlen mehr: Wie Disneyland Paris Ausländer abzockt

von Martin Seiwert

Der Vergnügungspark Disneyland Paris benachteiligt offenbar Besucher aus Deutschland und anderen Ländern. Online-Tickets sollen für Deutsche in manchen Fällen fast doppelt so teuer sein wie für Franzosen.

Die Deutschen zahlen für Medikamente rund ein Drittel mehr als die Nachbarn in den Niederlanden. Bei elektronischen Geräten oder Autos dagegen haben die Skandinavier das Nachsehen, die dafür oft spürbar mehr auf den Tisch legen müssen als Deutsche. Seit dieser Woche ist die Liste der gravierenden Preisunterschiede innerhalb der Europäischen Union noch länger: Die EU-Kommission geht Vorwürfen nach, dass der Vergnügungspark Disneyland Paris Besucher aus Deutschland und anderen Ländern wegen ihrer Herkunft preislich benachteiligt. „Wir prüfen gerade einige Beschwerden, davon viele gegen Disneyland Paris“, teilte eine Kommissionssprecherin am Dienstag in Brüssel mit.

Es steht der Vorwurf im Raum, dass Disneyland Paris auf Grundlage der Nationalität oder des Wohnorts unterschiedliche Preise verlangt und damit gegen EU-Recht verstößt. Wie die britische Zeitung „Financial Times“ berichtete, verlangt Disneyland Paris von deutschen Besuchern einen manchmal doppelt so hohen Eintritt wie etwa von Franzosen. Sie zahlten für ein Premium-Paket von Europas größtem Freizeitpark 1346 Euro, Briten aber 1870 Euro und Deutsche sogar 2447 Euro. Auch sollen im Internet unterschiedliche Einzeltickets angeboten werden. Ein Tagesticket kostet derzeit auf der französischen Website 47 Euro, auf der deutschen dagegen 84 Euro. Aus EU-Kreisen verlautete, die französische Regierung müsse sicherstellen, dass das EU-Recht befolgt werde. Brüssel werde sich daher in der Angelegenheit bald an Frankreich richten.

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Die optimalen Preise für ein Produkt zu finden ist für Unternehmen eine diffizile, aber lohnende Angelegenheit. „Der Preis ist oft die wichtigste Stellschraube für einen Anbieter“, sagt Georg Tacke, Chef der auf Pricing spezialisierten Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners. Die Herstellungskosten von Produkten oder Dienstleistungen seien oft schon so stark optimiert, dass es kaum noch Spielräume gebe. „Den optimalen Preis festzulegen ist deshalb wichtiger als je zuvor“, so Tacke. Preise etwa an verschiedene Kundengruppen anzupassen sei üblich, allerdings müsse dabei das Motto lauten „Differenzierung ja, Diskriminierung nein“.

Nach Nationalität oder Rasse zu unterscheiden sei nicht legal. Allerdings rät der Experte im Fall von Disneyland dazu, genau hinzuschauen: Preisunterschiede für Kunden aus unterschiedlichen Ländern müssten nicht zwangsläufig diskriminierend sein. Sie könnten auch dadurch zustande kommen, dass in einem Land Ferienzeit ist und deshalb Sonderangebote gelten. Das sei nicht verwerflich und betriebswirtschaftlich sinnvoll.

Wie die Preisunterscheide bei Disneyland zustande kamen, wird die EU-Kommission prüfen. Allzu kreativer Preisgestaltung will sie einen Riegel vorschieben. Seit der Luxemburger Jean-Claude Juncker im November EU-Kommissionspräsident wurde, führt die Kommission eine Offensive gegen nationale Handelsbarrieren, die zu Lasten der Verbraucher gehen. Die US-Firmen Amazon, Google und Apple zählten zu den ersten Unternehmen, die dies in Form von EU-Verfahren zu spüren bekamen.

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Auch die Muttergesellschaft der Disneyland-Betreiberfirmen, der Medienkonzern Walt Disney Company, ist wegen unterschiedlicher Angebote innerhalb Europas in das Visier der Wettbewerbshüter der EU-Kommission geraten. Die EU geht gegen sechs große US-Filmstudios von Disney bis Warner Bros sowie den Sender Sky UK vor, weil sie angeblich Verbraucher in Europa mittels Geoblocking von ihrem Angebot fernhalten. Die EU-Kommission habe den Verdacht, dass Vertragsklauseln die Ausstrahlung von Sky UK mit Filmen jener Studios außerhalb von Großbritannien und Irland verhindern, teilte die Behörde in der vergangenen Woche in Brüssel mit. Diese Verträge verpflichteten offenbar Sky TV, den Zugang zu jenen Filmen im Pay-TV für Gebiete außerhalb Großbritanniens und Irlands „zu blockieren“, und zwar sowohl über Satellit als auch online, wie die Kommission erläuterte. Das wäre das sogenannte Geoblocking.

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Verbraucher beispielsweise aus Deutschland könnten das Angebot nicht nutzen – sie könnten gar nicht erst einen Vertrag mit Sky UK und dem entsprechenden Filmangebot abschließen, wie eine Kommissionssprecherin in Brüssel erläuterte. Würden sie über eine britische Adresse doch einen Vertrag abschließen, so bliebe in Deutschland der Bildschirm schwarz. „Europäische Konsumenten wollen die Pay-TV Sender ihrer Wahl sehen, unabhängig davon, wo sie leben oder wohin sie reisen“, sagt Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. „Unsere Untersuchung zeigt, dass sie das heutzutage nicht können.“

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