kolumneDie Freytags-Frage: Drohen der Euro-Zone japanische Verhältnisse?

01. Februar 2013
Wie geht es weiter? Neben dem baldigen Entkommen aus der Krise, was von allen gewünscht wird, sind zwei weitere alternativen Szenarien denkbar. Quelle: dpaBild vergrößern
Wie geht es weiter? Neben dem baldigen Entkommen aus der Krise, was von allen gewünscht wird, sind zwei weitere alternativen Szenarien denkbar. Quelle: dpa
Kolumne von Andreas Freytag

Die Schuldenkrise ist noch längst nicht vorbei. Die Euro-Zone wird weder glimpflich davonkommen, noch muss sie Hyperinflation fürchten. Wahrscheinlicher ist es, dass Europa eine Krise wie Japan durchlebt.

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Die gegenwärtigen Nachrichten von der Rettungsfront in der Eurozone könnten unterschiedlicher nicht sein. Auf der einen Seite werden Portugal und Irland Fortschritte konzediert, die Banken in der Eurozone leihen sich offenbar wieder mehr Geld und zahlen die Kredite an die EZB zurück. Der griechische Notenbankpräsident beruhigt die Kreditgeber. Das hört sich doch gut an. Der EZB-Notenbankpräsident Draghi sieht sogar für das zweite Halbjahr eine flächendeckende Erholung voraus.

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Allerdings gibt es auch beunruhigende Nachrichten. In Italien und Spanien drohen Korruptionsskandale, in beiden Ländern scheinen die Reformen nur sehr langsam voranzugehen. Der Wahlkampf in Italien scheint zu lähmen. Kollegen von  Präsident Draghi, namentlich Herr Asmussen und das ehemalige Mitglied des Direktoriums der EZB, Lorenzo Bini Smaghi, sind deshalb auch weniger optimistisch. Hinzu kommt, dass die Euro-Eliten um jeden Preis die Regierung in Zypern retten wollen. Der finanzielle Aspekt dieser Aktion ist sicherlich vernachlässigbar. Verheerend dürfte das Signal sein, dass die Steuerzahler jetzt zur Rettung von Geldwäschern herangezogen werden und dass eine Regierung sich alles erlauben darf. Wir stehen dennoch für sie ein.

Wie geht es weiter? Es hat sich eine Art multiples Gleichgewicht eingestellt, in der drei Szenarien die Erwartungen und die Diskussion (zumindest implizit) bestimmen: Zunächst steht das baldige Entkommen aus der Krise, was von allen gewünscht wird, von den politisch Verantwortlichen mehr oder weniger herbeigeredet, von der Fachwelt allerdings für eher unwahrscheinlich gehalten wird. Die alternativen Szenarien sind, dass es erstens in Kürze eine Hyperinflation mit massiver Vermögensvernichtung breiter Bevölkerungsschichten in ganz Europa gibt, oder zweitens eine langanhaltende Strukturkrise mit niedrigen Zinsen und moderater Inflation bei langsam ansteigender Arbeitslosigkeit zu erwarten ist. Auf diese konzentriert sich die Kolumne.

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Kommentare | 10Alle Kommentare
  • 01.02.2013, 08:34 UhrOldPlayer

    Zwei Probleme müssen gelöst werden.

    1.Europa benötigt Wirtschaftswachstum
    2.Europa benötigt einen billigeren Euro um die Exportkraft der schwachen Länder zu fördern.

    Japan und die USA bedienen sich dem billigen Geld, was den Euro zu stark werden lässt. Das heißt, die EZB wird nachziehen müssen. Mit der Erhöhung der Geldmenge, durch den gleichzeitigen Ankauf von Staatsanleihen, fließt allerdings nur ein geringer Teil in die Realwirtschaft.
    Mit Geld, was direkt in die Realwirtschaft gelenkt wird, z.B. durch Subventionen, erkauft man sich nur Zeit. Man holt Geschäfte aus der Zukunft in die Gegenwart, mit der Verlagerung der Probleme nach hinten.

    Es gibt aber eine Lösung. Neue Produkte, bzw. neue Produktionen. Ergo …, man setzt die EZB-Mrd. gezielt ein und kauft Patente auf. Über diese Patente holt man sich "neue" Arbeitsplätze nach Europa. Dadurch wird das Versagen der Bildungspolitik kaschiert und Risiken minimiert. Ein ganz legales Geschäftsgebaren, was die Marktwirtschaft in Europa, durch die Subventionsbevorzugung einzelner Produktbereiche, nicht aushebelt.

  • 01.02.2013, 10:00 Uhrallesverloren

    Da Japan und die USA derzeit schon die Option Latein-Amerika gewählt haben, macht für die Euro-Zone die sogenannte Japan-Option (der letzten 20 Jahre) keinen Sinn.

    Durch den dadurch verursachten zu hohen Euro-Kurs verschwindet Europa aus den Exportmärkten und die Ungleichgewichte innerhalb Europas verstärken sich noch.

    Es wird uns nichts weiteres übrig bleiben, als die ebenso ungeliebte Latein-Amerkia Option zu wählen. Der werden sich viele andere Länder anschliessen. Mit dem deutschen Sozialmodell ist das nicht mehr kompatibel, da dann die Geldvermögen verschwinden. So was nennt man dann eine Sozial-Union.

  • 01.02.2013, 10:21 UhrHaafJohannes

    Nachdem Amerika und Japan die Geldmengen weiter vergrößert und den Schuldenberg weiter erhöht, steigt der Euro gegenüber dem US$ und Japan. Die Folge ist, für die schwachen Euro-Länder wie Spanien, Griechenland, Portugal, Irrland, Italien, Frankreich, Zypern ... fällt die Wettbewerbsfähigkeit und steigt die ERwerbslosigkeit. Dies wird durch weitere Schuldentransfers und Schuldenerhöhungen für die Eurogemeinschaft versucht politisch auszugleichen. Doch der Druck auf die Eurogemeinsschaft wächst. Die hohe Erwerbslosigkeit zwingt irgendwann ein schwaches Land aus dem Euro auszutreten und zurückzukehren zu einer abwertbaren Landeswährung. Nach der Abwertung wird sich die Erwerbslosigkeit langsam vermindern, aber dafür in anderen Euroländern größer werden. Schulden werden in den kommenden 30 Jahren nicht zurück gezahlt werden können, deshalb werden auch die Garantieländer im Euro mit höherem Schuldenstand leben müssen, mindestens 120 % des Bruttosozialprodukts. Dies wird irgendwann nicht mehr tragbar sein und zu einer Währungsreform führen, denn die breite Masse wird irgendwann den Kaufkraftverlust nicht ohne politische Aufstände hinnehmen. Es ist eine Frage der Zeit bis die Eurokrise eine Sprengkraft erreicht, durch hohe lang andauernde Erwerbslosigkeit und überhöhte Staatsverschuldung, durch den Freikauf der spekulierenden BAnken von den abzuschreibenden Staatsanleihen. Nachdem jetzt auch die zyprischen BAnken neben den spanischen BAnken auf Kosten der breiten Masse im Euroraum gerettet werden sollen, werden die Staatschulden immer mehr wachsen. Politisch wird das nicht mehr zu kontrollieren sein und einen Zerfall des Euros oder eine Eurodikdatur mit sich bringen. Nur mit polizeilicher und militärischer Gewalt werden die Volksaufstände verhindert werden können. Es braucht deshalb dringend eine Politikwechsel, bevor nichts mehr zu retten ist (www.wa2013.de). Es ist einfach moralisch verwerflich, wenn Euro-Bürger, egal welchen Landes, mit ihrer Kaufkraft für Banken haft

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