ThemaSchuldenkrise

alles zum Thema
_

"Die Targetfalle": Was Bert Rürup von Sinns neuem Buch hält

von Bert Rürup

Hans-Werner Sinn rechnet in seinem neuen Buch "Die Targetfalle" mit der Euro-Krisenpolitik der Regierungen und der Europäischen Zentralbank ab. Seine Argumente sind stringent und bildhaft formuliert. Unser Gastkritiker Bert Rürup hätte sich allerdings eine kritische Analyse der von ihm geforderten Alternativen gewünscht.

Hans-Werner Sinn rechnet in seinem neuen Buch mit der Euro-Krisenpolitik der Regierungen und der Europäischen Zentralbank ab. Seine Argumente sind stringent und bildhaft formuliert. Doch weniger suggestiv ginge es auch – und was fehlt, ist eine kritische Analyse der von ihm geforderten Alternativen. Am Montag, dem 08.10.2012 erscheint das neue Buch von Hans-Werner Sinn (Hander-Verlag, ISBN 9783446433533, 19,90 Euro) Quelle: Presse
Hans-Werner Sinn rechnet in seinem neuen Buch mit der Euro-Krisenpolitik der Regierungen und der Europäischen Zentralbank ab. Seine Argumente sind stringent und bildhaft formuliert. Doch weniger suggestiv ginge es auch – und was fehlt, ist eine kritische Analyse der von ihm geforderten Alternativen. Am Montag, dem 08.10.2012 erscheint das neue Buch von Hans-Werner Sinn (Hander-Verlag, ISBN 9783446433533, 19,90 Euro) Quelle: Presse

Anzeige

Chapeau: „Falle“, „Gefahren für unser Geld“ und die Zukunft „unserer Kinder“ – mehr verkaufsförderndes Bedrohungspotenzial kann man im Titel eines Wirtschaftssachbuchs nicht unterbringen.

Vor mehr als eineinhalb Jahren wurde Hans-Werner Sinn – nach einem Hinweis von Helmut Schlesinger und der WirtschaftsWoche (8/2011) – darauf aufmerksam, dass in der Bilanz der Deutschen Bundesbank Forderungen gegenüber anderen Notenbanken des Euro-Systems von damals gut 300 Milliarden Euro standen, aus denen bis jetzt mehr als 750 Milliarden Euro geworden sind. Während Bundesregierung und Bundesbank diese Salden als wenig relevante Begleiterscheinung der Geldschöpfung in der Europäischen Währungsunion (EWU) abtaten, sahen Sinn und später auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann darin gigantische auf Deutschland zukommende Haftungsrisiken.

Dieses sperrige Thema der wechselseitigen Kreditgewährung der Euro-Zentralbanken, nimmt der Ökonom zum Anlass, die These vom „Euro-Gewinner Deutschland“ abzuräumen. Er sagt, die gute wirtschaftliche Performance Deutschlands der letzten Jahre hätte nichts mit dem Euro zu tun, sondern sei den rot-grünen Reformen geschuldet, die Gerhard Schröder ohne die damalige ökonomische Notlage Deutschlands – zu der die Einführung des Euro mit beigetragen hätte – nicht hätte durchsetzen können.

Sinn bekennt sich zum Euro, ja sogar zu „Vereinigten Staaten von Europa“. Er kritisiert aber scharf die Rettungspolitik der Regierungen und die seiner Ansicht nach verhängnisvolle Rolle der EZB. Vor allem aber skizziert er Alternativen – über die man ebenfalls streiten kann.

Zweifellos ist richtig, wenn Sinn schreibt, dass ein Zerbrechen des Euro-Systems gegenwärtig einen gigantischen Bilanzverlust bei der Bundesbank auslösen würde und – unter nicht weiter diskutierten Bedingungen – erhebliche Nachfinanzierungsverpflichtungen seitens der Steuerzahler entstünden. Dass diese Risiken geradezu als Kitt der EWU wirken, sei eben die Falle, in der die Politik nun sitzt.

Platz 10: Finnland

16 von 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bekommen mehr Geld aus Brüssel, als sie in die Gemeinschaftstöpfe einzahlen. Erster nennenswerter Nettozahler (Luxemburg zahlt nur minimal mehr, als es an Gelder zurückerhält) ist Finnland. Der Euro-Musterschüler zahlte 2010 immerhin 300,2 Millionen Euro mehr gen Brüssel als es an Leistungen erhielt. Pro Kopf liegt der Fehlbetrag bei 55,54 Euro.

Quelle: „Die Finanzierung der Europäischen Union“, Bertold Busch.

Bild: dapd

Sinn hat recht, wenn er schreibt, sein Buch würde nicht „allen gefallen“. Vielen Lesern wird es wie dem Rezensenten gehen. Man ist beeindruckt von der souveränen Stringenz der Argumentation, der bildhaften Sprache sowie der imponierenden Fülle und Aktualität des – gelegentlich suggestiv aufbereiteten – Materials. Gleichzeitig ist man aber über den missionarischen Eifer irritiert, mit dem der Autor glauben machen will, nur der Blick durch die Brille seiner Theorie sei die einzig richtige Sicht der Dinge.

So kreiert Sinn die „Fass-ohne-Boden-Theorie“, nach der die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit einiger Euro-Länder die wichtigste Ursache der Krise ist und die „Geld-im-Schaufenster-Theorie“, nach der die Euro-Krise Folge fehlenden Marktvertrauens ist.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.10.2012, 13:45 UhrSuper-Angie

    betrachten wir doch einfach die "uneinbringlichen" Target-2 Salden heute :

    751 MRD EU; Ende des Jahres werden es 840 MRD EU sein

    jeden Monat 30 MRD--Exportkredite zum Anschreiben für die PIIGS-F; ausgeglichen werden diese Target-2 Salden dann über eine Autobahn-Mout + andere Steuern in Deutschland; die Exportindustrie + alle beteiligten Parasiten schlagen sich vor Lachen auf die Schenkel.

    Wo stehen die nicht ausgeglichenen Target 2 Salden denn Ende 2013 ?

    30 MRD X 12 Monate = 360 MRD EURO mehr

    nicht gezählt habe ich die Altschulden von 2 Bill Euro; und alle Bürgschaften

    Seit 2005 ist Merkel an der Macht und hat Deutschland besser den Deutschen Bürgen in rasender schnelle Verschuldet.

    Sollte der Deutsche Bürger wirklich aufwachen, dann wird er richtig dumm aus der Wäsche schauen mit wieviel Euro der einzelne der Steuerpflichtigen der 40 Millionen arbeitenden ( ca 20 Mrd. haben normale Jobs der Rest Präker beschäftigt kommt von Präkarier )

    Dann wird es zu Athener Scenen kommen in Potenz.

    Jeder Politiker kann sich dann nur noch in Sicherheit bringen um nicht an einem Laternen-Pfahl aufgehängt zu werden.

  • 09.10.2012, 13:03 UhrErnst

    Seit Jahren fließen mehr Euro von der griechischen Zentralbank aus Außentransaktionen ab, als ihr von anderen Ländern zufließen. Ergo sitzt sie permanent auf dem Trockenen, wenn sie über die EZB Zahlungen leisten soll. Sie kann nur leisten, indem sie immer wieder gegen fragwürdige Sicherheiten Zentralbankgeld produziert (übrigens gibt es noch etliche Staaten in der Eurozone, die ebenfalls dieses Spiel betreiben).

    Rürup kann nicht belegen, wieso die Sicherheiten mit größter Wahrscheinlichkeit jemals reichen sollten, um die Kredite dahinter abzudecken. Statt dessen mäkelt er an der Bestandsaufnahme von Sinn herum. Wo bleiben seine machbaren Vorschläge?

  • 09.10.2012, 09:39 Uhrsanicklaus

    Mit den Ökonomen ist genau wie mit den Rechtsanwälten d. h. zwei Ökonomen gleich mit drei Meinungen.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Besuch bei den Opfern der Textilfabrik-Katastrophe
Besuch bei den Opfern der Textilfabrik-Katastrophe

Es grenzte an ein Wunder, als die Näherin Rashem Begum nach 17 Tagen aus den Trümmern des Gebäudes „Rana Plaza“ gerettet...

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.