Dreistufige Überprüfung: EZB-Bankenaufseher fordern tiefen Einblick in Bilanzen der Institute

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Dreistufige Überprüfung: EZB-Bankenaufseher fordern tiefen Einblick in Bilanzen der Institute

Mit gewaltigem Aufwand durchleuchtet die EZB die Bilanzen der Euro-Banken. Die Bankenaufseher wollen Altlasten los sein, bevor sie ab November die Oberhoheit über die wichtigsten Institute übernehmen.

Die EZB fordert bei ihrem Bilanzcheck der europäischen Großbanken einen tiefen Einblick in deren Bücher. Insgesamt wollen die künftigen Euro-Bankenaufseher bei den 128 Instituten stichprobenartig Risikopapiere im Volumen von 3,72 Billionen Euro untersuchen, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag in Frankfurt erklärte. Das entspreche 58 Prozent der gesamten risikogewichteten Aktiva (RWA) der Institute. RWA umfassen zum Beispiel Immobilienkredite oder Schiffsfinanzierungen.

Pro Bank wollen die Aufseher durchschnittlich 1250 Kreditakten prüfen. Bei großen und international tätigen Instituten - wie etwa der Deutschen Bank - werden es voraussichtlich deutlich mehr sein. Aus dem am Dienstag veröffentlichten 287 Seiten starken Handbuch für die Prüfung geht auch hervor, dass die EZB die internen Bewertungsmodelle der Banken sowie deren Sicherheiten für Kredite genau unter die Lupe nehmen will. Wenn Banken den Bilanzcheck nicht bestehen, dann müssen sie ihre Kapitaldecke stärken, also sich neues Geld besorgen, zum Beispiel von Investoren. Im Zweifel müssten möglicherweise die Nationalstaaten einspringen.

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huGO-BildID: 33347856 ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Ein-Euro-Münze liegt am 09.10.2012 in Kaufbeuren (Bayern) vor einer Europafahne. Am Montag (14.10.2013) treffen sich die Euro-Finanzminister in Luxemburg. Als Themen kommen unter anderem die geplante Bankenunion und die Lage in den Euro-Krisenländern in Frage. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa (zu dpa-Zusammenfassung vom 14.10.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Ausnahmen für bestimmte Anlageklassen wird es demnach nur dann geben, wenn die Aufseher nicht den geringsten Hinweis haben, dass dort Probleme drohen könnten. Die Notenbank wies einen Bericht der „Financial Times“ (Dienstag) ausdrücklich zurück, wonach deutsche Spitzeninstitute wie Deutsche Bank oder Commerzbank bei dem in Deutschland umstrittenen Bilanzcheck keine Details ihrer Kredite an private Hausbauer offenbaren müssen. „Solche Portfolios sind substanzieller Bestandteil der laufenden Überprüfung“, teilte die Notenbank mit.

Mit ihrer insgesamt dreistufige Überprüfung will die EZB Altlasten in den Bankbilanzen und etwaige Kapitallöcher aufdecken, bevor sie am 4. November die zentrale Bankenaufsicht im Euroraum übernimmt. Ab dann wird die EZB die größten und wichtigsten Banken in den 18 Eurostaaten direkt überwachen.

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Ergebnisse des Bilanzchecks sollen im Oktober veröffentlich werden - zusammen mit den Erkenntnissen aus einem Stresstest, den die EZB in diesem Sommer gemeinsam mit der europäischen Bankenaufsicht EBA durchführen will. Dabei soll eine Krise mit Wirtschaftseinbruch und Verfall der Immobilienpreise simuliert werden. Klar ist bereits, dass die Quote an hartem Kernkapital - dieses gilt als Krisenpuffer - der Institute in diesem Szenario nicht unter 5,5 Prozent fallen darf. Damit legt diese Überprüfung härtere Kriterien an als frühere Stresstests in Europa.

Führende EZB-Vertreter hatten zuletzt mehrfach betont, dass die Notenbank bei ihren Überprüfungen kein Auge zudrücken wird. „Ich halte dieses Jahr für ein ganz entscheidendes Jahr: Wir haben die Chance aufzuräumen und wir sollten sie nutzen“, hatte kürzlich EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger betont.

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