Druck auf EZB steigt: Von der Finanzkrise zur Geldkrise

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KommentarDruck auf EZB steigt: Von der Finanzkrise zur Geldkrise

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Die Euro-Skulptur vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB)

von Malte Fischer

Die sinkende Inflation und die schlechte Konjunktur erhöhen den Druck auf die Europäische Zentralbank, die Geldpolitik weiter zu lockern. Gibt sie dem Druck nach, könnte aus der Finanzkrise eine Geldkrise werden.

Ursprünglich sollte das Treffen der Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) am nächsten Donnerstag ein Non-event für die Finanzmärkte werden. Doch jetzt  blicken die Börsianer voller Spannung und Erwartungen nach Frankfurt, wo sich die Mannen um EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag treffen, um über den weiteren Kurs der Geldpolitik zu beraten.

Denn die Konjunktur in der Euro-Zone läuft schlechter als erwartet, die Teuerungsraten driften nach unten. Im August sank die Inflationsrate in der Währungsunion auf nur noch 0,3 Prozent. Ziel der EZB ist es, die Inflationsrate auf knapp unter zwei Prozent zu hieven. In Spanien (minus 0,5 Prozent) und Italien (minus 0,2 Prozent) geht das Preisniveau sogar zurück. Politiker aus den Südländern warnen daher schon vor einem Abrutschen Europas in eine angeblich gefährliche Deflation.

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Da sich die Aussichten für die Konjunktur zuletzt weiter eingetrübt haben – wichtige Frühindikatoren wie der ifo-Geschäftsklimaindex und der Index für das Wirtschaftsklima der EU-Kommission befinden sich auf Talfahrt – ist ein Anziehen der Teuerungsraten vorerst nicht in Sicht.

Dazu kommt, dass die hohe Arbeitslosigkeit die Löhne in vielen Ländern nach unten drückt.  Derzeit sind in der Währungsunion mehr als 18 Millionen Menschen ohne Arbeit. In Griechenland und Spanien sucht jeder vierte Bürger verzweifelt einen Job. Spürbare Lohnsteigerungen, die die Preise für Waren und Dienstleistungen in die Höhe treiben könnten, sind daher kaum zu erwarten.

Daher wächst der Druck der Südländer und der Finanzmärkte auf die EZB, die geldpolitischen Zügel erneut zu lockern. Erst Anfang Juni hatten die Eurohüter die Leitzinsen gesenkt und den Banken milliardenschwere Liquiditätsspritzen zu günstigen Konditionen in Aussicht gestellt. Bisher hatte die  EZB betont, sie wolle erst einmal abwarten, wie sich diese Maßnahmen auf die Realwirtschaft auswirken, bevor sie weitere Schritte ergreift. Doch der unerwartete Einbruch der Konjunktur und der Inflation könnte die Währungshüter dazu veranlassen, schon am Donnerstag zu handeln.

Beobachter schließen nicht aus, dass die EZB den Leitzins erneut senkt oder den Zinsaufschlag auf die versprochenen langfristigen Geldleihgeschäfte für die Banken reduziert. Ebenso denkbar ist, dass Draghi Details bekannt gibt, wie sich die EZB den in Aussicht gestellten Ankauf von mit Unternehmenskrediten besicherten Wertpapieren vorstellt, mit dem sie die Kreditvergabe ankurbeln will.

Europäische Zentralbank Mario Draghi und das billige Geld

Morgen will sich die Europäische Zentralbank langfristig auf eine expansive Geldpolitik festlegen, mit Zinsen nahe der Nulllinie. Was bedeutet das für Konjunktur, Unternehmen, Anleger – und das Geldsystem?

Quelle: rtr

Doch den Politikern aus dem Süden der Euro-Zone und den Finanzmärkten wird das nicht reichen. Sie wittern Morgenluft und drängen die EZB, in großem Stil Staatsanleihen der Euroländer zu kaufen und im Gegenzug Zentralbankgeld in den Finanzsektor zu  pumpen. Nur so könne die Euro-Zone vor einer gefährlichen Deflation bewahrt werden, erklären sie.

Doch das Argument kann nicht überzeugen. Denn die aktuelle Talfahrt der Inflation ist beileibe kein Grund zur Sorge. Im Gegenteil. Nach den Übertreibungen bei Löhnen und Preisen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts müssen diese Exzesse in Ländern wie Spanien, Irland, Portugal und Griechenland, aber auch in Italien und Frankreich, dringend korrigiert werden. Das erfordert mehrjährige Lohnzurückhaltung, die den Unternehmen den Spielraum verschafft, die Preise zu senken und Marktanteile zurück zu gewinnen.

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