Einblick: Hinter Schulden keine Welt

kolumneEinblick: Hinter Schulden keine Welt

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Italienische Euro-Münze.

Kolumne von Miriam Meckel

Systemrelevanz, der Begriff reicht weiter, als man denkt, so zeigt sich an den Finanzmärkten. Echte Rettung ist nicht in Sicht.

Der Beobachter der Finanzmärkte fühlt sich dieser Tage gefangen wie der Panther in Rainer Maria Rilkes gleichnamigem Gedicht. Sein Blick ist vom Vorüberziehen der Krisen so müd geworden, dass er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es Milliarden Schulden gäbe und hinter all den Schulden keine Welt. Vor allem auch keine Zinsen mehr.

Deutschland hat in dieser Woche zum ersten Mal eine zehnjährige Bundesanleihe ausgegeben, für die exakt null Zinsen geboten werden. Ein Drittel der globalen Staatsschulden rentiert inzwischen negativ. Bei unseren Nachbarn in der Schweiz werden auch die Staatsanleihen mit Laufzeit 50 Jahre zu Negativzinsen gehandelt. Irgendjemand, der angesichts solcher Fakten daran zweifelt, dass wir im Jahrhundert der großen Schulden und Geldfluten feststecken und sobald keine Zeitenwende in Sicht ist? Nicht für uns, nicht für unsere Kinder, womöglich nicht mal für deren Kinder?

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Italien IWF fordert schnelle Sanierung der Banken

Italienische Banken haben faule Kredite in dreistelliger Milliardenhöhe angehäuft. Rückzahlung zweifelhaft. Der Weltwährungsfonds warnt vor den Folgen.

Italien: IWF fordert schnelle Sanierung der Banken Quelle: AP

Es sind dies Tage der Entzauberung von Rettungsmythen, der Bewusstwerdung, dass Krisen nur zwischenzeitlich stillgelegt, aber nicht bewältigt sind. Es sind auch Tage, in denen dem letzten Optimisten klar werden muss: Hier ist ein Geflecht von mangelnder Verantwortung bei Bankern und Unternehmenslenkern und von mangelnder Durchsetzungskraft in der Politik entstanden, das sich kaum mehr entzerren lässt. Wie es um die italienischen Banken steht, zeigt in einem Brennglas, dass sich diese beiden Mangelfaktoren in einem selbstverstärkenden Prozess gegenseitig weiter in die Abhängigkeit treiben und damit die Unbill vergrößern.

Hätte sich der immens überversorgte italienische Bankensektor nicht aufräumen lassen? Genug Zeit gab es. Hätte die Europäische Zentralbank (EZB) nicht mehr Druck auf die italienischen Banken ausüben müssen, um deren Fehlbewertungen zu bereinigen? Das Mandat hat sie.

Einige der bedrohten Banken in Italien sind nicht klassisch systemrelevant. Systemrelevanz heißt konkret: so groß, dass sie gerettet werden müssen, weil sonst das gesamte Finanz- und Wirtschaftssystem bedroht wäre. Es ist vollständiger Unsinn, zu glauben, das sei die einzige Form der Systemrelevanz, mit der man sich heute zum wiederholten Male auseinandersetzen muss. Es gibt andere systemische Abhängigkeiten, die ebenso gefährlich sind. Wer Banken pleitegehen lässt, macht sich die eigenen Bürgerinnen und Bürger zum Feind, die ihre Ersparnisse verlieren. Das drückt sich wiederum in miesen Wahlergebnissen aus. Auch das zeigt sich gerade in Italien.

Griechenland Mehr als 400.000 Griechen wegen der Finanzkrise ausgewandert

Es ist fast ein Déjà-vu - aber mit vielen qualitativen Unterschieden. Die Griechen wandern zum dritten Mal binnen 100 Jahren massenweise aus. Die Besonderheit diesmal: Die Intelligenz verlässt in Scharen das Krisenland.

Die Finanzkrise setzt Griechenland weiterhin schwer zu. Quelle: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in dieser Woche zum Fall Italien gesagt: „Ich sehe keine krisenhafte Entwicklung insgesamt.“ Danach haben sich die Kurse einiger krisenhafter Banken um knapp 4 bis knapp 14 Prozent erholt.

Das ist partiell für den Moment erfreulich, aber insgesamt keine Lösung. Denn dahinter liegt das implizite Versprechen, dass man auch dieses Mal wieder irgendwie durchkommen wird.

Systemrelevanz: Das sind die Gitterstäbe um den Käfig des Panthers. Den Blick auf eine Welt des Wachstums gibt es nur noch als Anleihe auf eine sehr ferne Zukunft. Zinslos, versteht sich.

Die WirtschaftsWoche ist nicht nur lesbar, sondern auch hörbar. Hier können Sie sich den Artikel von professionellen Sprechern vorlesen lassen:

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