Einblick: Höchste Zeit für verbale Abrüstung

kolumneEinblick: Höchste Zeit für verbale Abrüstung

Kolumne von Miriam Meckel

Weltkrieg? Die Staatengemeinschaft muss mit voller Kraft auf den wirtschaftlichen Wiederaufbau der arabischen Region setzen. Eine Kolumne.

Nein, das ist nicht der dritte Weltkrieg, wie deutsche Tageszeitungen in diesen Tagen titelten. In Paris geschah ein grausamer Akt des Terrors. Es war nicht der erste, und es wird leider auch sicher nicht der letzte sein. Aber das macht noch keinen Krieg, wie ihn auch der französische Präsident sogleich ausrief. Schon gar keinen Weltkrieg.

Als historisch gebildeter Mensch kann man es besser wissen. Die Welt hat zwei Kriege durchlebt, die zu Recht diesen Namen tragen, weil alle Großmächte der Welt jeweils beteiligt waren. Im Ersten Weltkrieg kämpften 40, im Zweiten 60 Staaten. Und es starben im Ersten Weltkrieg neun Millionen Menschen, im Zweiten mehr als 60 Millionen Menschen, davon mehr als die Hälfte Zivilisten.

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PremiumTerrorgefahr Welchen Preis wir für mehr Sicherheit zahlen

Nach den Anschlägen von Paris kann Europa nur mit Sicherheit und Freiheit wirtschaftlich und menschlich stark bleiben. Leicht wird das nicht, aber: Dem Beispiel USA zu folgen könnte Europa teuer zu stehen kommen.

WiWo 48 Titelillustration Quelle: Mauritius Images/ Alamy, Banksy: "Armored Dove of Peace" Bethlehem/ Santa's Ghetto 2007

Die militaristische Geschwätzigkeit einiger Medien und Politiker zeugt von sorglosem Umgang mit der Geschichte und mit dem Markt von Angst und Schrecken, auf dem Frankreich und Europa längst mit dem sogenannten „Islamischen Staat“ („IS“) eine Art abhängigen Handel treiben. Das Angebot von Gewalt durch Terrorakte erzeugt Nachfrage nach Gegengewalt durch Luftangriffe und umgekehrt. Der „IS“ sucht nichts sehnlicher als solche unbesonnenen Reaktionen des Westens, die in seiner Logik weiteren Terror legitimieren. Weltkriegsprosa ist nur noch der Kulminationspunkt auf dem I des „Islamischen Staats“.

Der Franzose Nicolas Hénin war 2013/14 zehn Monate lang als Geisel in Gefangenschaft des „IS“. Er beschreibt in der englischen Zeitung „The Guardian“, wie er die Terroristen während seiner Geiselhaft erlebt hat, und folgert: „Sie werden jede Regung auf ihre mörderischen Angriffe auf Paris akribisch verfolgen, und ich höre fast schon ihre Sprechchöre: Wir werden gewinnen!“ Mehr Bomben, so Hénin, sind genau das, was der „Islamische Staat“ will.

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Was kann die Alternative sein? Wiederum vielleicht eine – dieses Mal passende – Analogie. Die wirtschaftliche Wiederauferstehung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg ist zu einem großen Teil einer besonnenen Vorgehensweise der Westmächte geschuldet, die ihren Ausdruck im Marshallplan fand. Ein solches umfassendes Wirtschaftswiederaufbauprogramm brauchen jetzt Teile des arabischen Raums. Wer Aussicht auf wirtschaftliches Wachstum und privaten Wohlstand hat, ist nicht geneigt, Extremisten zu folgen, die alles in Grund und Boden bomben. Und wer erhobenen Hauptes als Teil eines wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgsmodells in die Welt schauen kann, der braucht keinen Fanatismus, um sich an den Bessergestellten für die eigene ruinierte Existenz zu rächen.

Die internationale Gemeinschaft muss mit voller Kraft auf den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Region setzen. Denn Bomben sind die Fortsetzung des US-Irak-Traumas mit gleichbleibenden Mitteln.

Dieses Aufbauprogramm muss einhergehen mit erhöhter Sicherheit – ohne Hysterie. Es macht einen Unterschied, ob man der Friedenstaube eine schusssichere Weste anzieht oder dem bis an die Zähne bewaffneten Soldaten ein weißes Tüchlein in den Lauf steckt. Wie schrieb die „FAZ“ dieser Tage? „Der Staat muss die Freiheit verteidigen, indem er sie seinen Bürgern beschneidet.“ Man glaubt die „IS“-Sprechchöre schon zu hören: „Wir haben gewonnen.“

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