Einblick: Kapitalismus in der Krise

kolumneEinblick: Kapitalismus in der Krise

Bild vergrößern

Es steht nicht gut um die europäischen Banken.

Kolumne von Miriam Meckel

Es steht nicht gut um die europäischen Banken: kein Zeichen für eine neue Finanzkrise, sondern für eine Krise des Kapitalismus.

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst einer neuen Finanzkrise. Es gibt dieser Tage einige, die sich das gespenstische Gewand, gewollt oder ungewollt, umwerfen und geisterhaft die Werte finanzieller Stabilität und Solidität beschwören oder ihrer Gefährdung abschwören.

Die Deutsche Bank beispielsweise versicherte diese Woche in einer Pflichtmitteilung, sie habe voraussichtlich genug Geld, um in diesem und im kommenden Jahr auch die Zinsen auf ihre riskantesten Anleihen bezahlen zu können. Ihr CEO, John Cryan, fühlte sich genötigt, die eigenen Mitarbeiter darüber zu informieren, sie mögen bitte „den Kunden mitteilen, dass die Deutsche Bank angesichts ihrer Kapitalstärke und ihrer Risikoposition absolut grundsolide ist“.

Anzeige

Die Deutsche Bank pfeift im Walde. Sie hat sich verheddert im Dickicht aus abstürzenden Aktienkursen, Unruhen auf den Weltmärkten, dem Druck des schrumpfenden Ölpreises und einer Niedrig- bis Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank.

Wenn die größte deutsche Bank zwei derart gespenstische Appelle an die Märkte und ihre Kunden richtet, sollte das tatsächlich ein Warnzeichen sein und Auslöser für die Erkenntnis, dass die Konsolidierung der Banken in Europa, anders als in den USA, nicht so weit fortgeschritten ist, wie es für Anleger und Investoren notwendig und beruhigend wäre. Denn die Deutsche Bank ist nicht allein zu Hause in der Vakuumblase des Anlegervertrauens. Die Banken der anderen europäischen Länder sitzen mit drin.

Unterkapitalisiert, schlecht geführt und unter unentschlossener Aufsicht, so konnten schwache Banken in Europa nach Beginn der Finanzkrise 2008 über Jahre weiter vor sich hin arbeiten. Während in den USA zügig eine umfängliche Rekapitalisierungsoffensive für die notleidenden Banken auf den Weg gebracht wurde, hat die EU bis 2014 und damit viel zu lange gebraucht, bis die Europäische Bankenunion endlich in ersten Schritten umgesetzt wurde. Die strengere Regulierung trifft nun manche Bank hart und verursacht hohe Kosten.

Der Vorzeichenwechsel bei den Zinsen verschärft die Situation. Die dauerhafte Niedrig- und Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank reduziert die Gewinne der Banken und erschwert es für sie, Eigenkapital aus erzielten Gewinnen aufzubauen.

weitere Artikel

Die gespenstischen Nachrichten sind nicht nur ein Warnzeichen zur Situation der europäischen Banken. Sie sind auch Anzeichen für die sukzessive Aushebelung der Marktwirtschaft und die Krise des Kapitalismus, wie er in den vergangenen Jahren geformt wurde. Für deutsche und europäische Unternehmen sind das zwei Enden desselben Seils, das ihnen als Schlinge um den Hals liegt. Mehr als 90 Prozent aller europäischen Unternehmen sind zu klein, um den Kapitalmarkt direkt oder über Anleihen anzuzapfen. Europäische Unternehmen sind folglich, anders als ihre Pendants in den USA, auf Bankkredite angewiesen. Die Risikoposition europäischer Banken wird damit unmittelbar zur Risikoposition der deutschen Wirtschaft.

„Um den Einsamen schleichen Gespenster“, sagte einst der deutsche Schriftsteller Jean Paul. Vielleicht entpuppt sich das Gespenst, das umgeht, als die leere flatternde Hülle des dringend reformbedürftigen europäischen Kapitalismus.

Anzeige

19 Kommentare zu Einblick: Kapitalismus in der Krise

  • Nicht der Kapitalismus, den es in Europa nicht mehr gibt, sondern der europäische Staatssozialismus ist in der Krise. Staatlich "gerettet" wird hier alles und jedes, insbesondere Pleitebanken, die wiederum die Pleitestaaten retten. Und die EZB garniert das alles mit faktisch unbegrenzten Staatsanleihekäufen und Negativzinsen zur Enteignung der Gläubiger, Hauptsache die Banken-Zombies in den Südstaaten gehen nicht pleite.

    Frau Merkels Weltrettungspolitik ist eine Hauptursache für diese Dauerkrise. Eine (leicht verkraftbare) Pleite Griechenlands hätte der Anfang einer Problemlösung sein können. Jetzt wird verschleppt, verschleppt, verschleppt und wenn es nicht mehr geht immer noch eine "Rettung" draufgesattelt. Das muss in die KRise führen und trifft mit der Deutschen Bank eigentlich sogar den Falschen. Die Pleitebanken im Süden sind das Hauptproblem.

    Merkels "Rettungspolitik" steht vor dem Abgrund. Vermutlich wird sie jetzt aber noch einen drauflegen. Es sind ja noch ein paar Billionen deutsches Vermögen in Form von Sparguthaben und Lebensversicherungen da, die diese Frau zum "Retten" verwenden kann. Wenn doch bloß schon das dumme Bargeld weg wäre, damit die EZB die deutschen Sparer endlich mit Negativzinsen enteignen - äh beglücken - könnte. Aber das kommt jetzt Schlag auf Schlag.


  • Die DB hat Derivate in Höhe von rd. 50 Billionen € umlaufen und gibt selbst zu, daß sie dafür zu wenig Rückstellungen gebildet hat. Das deutsche BIP 2013 beträgt 3.36 Billionen $, nach heutigem Kurs kaum 3 Billionen €. Das sind die Größenverhältnisse. Selbst wenn nur 10 % dieser Derivate faul werden, ist die show vorbei.

  • Welcher Kapitalismus?
    Das keditgetriebene staatliche Geldsystem steckt in der Krise dank monetärer Planwirtschaft.
    Eine gesunde Marktwirtschaft auf einem verstaatlichten Geldwesen - der Traum von Marx, um eine Gesellschaft zu zerstören - kann nicht funktionieren.
    Seit Mises sollte auch bekannt sein, daß ein kreditinduziertes Wirtschaftswachstum immer zu Verwerfungen führt, welche entweder freiwillig durch einen Crash korrigiert werden mit den entsprechenden Folgen wie steigender Arbeitslosigkeit, oder das ganze so lange zwangsverlängert wird, bis es zur totalen Katastrophe führt.
    Diesbezüglich von einer Krise des Kapitalismus zu sprechen, sollte einem Wirtschaftsmagazin allerdings nicht unterlaufen.

Alle Kommentare lesen
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%