Engelmanns Eigenhandel: Sozialistische Träume

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Sozialistische Träume

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Sozialist Francois Hollande: Er schließt eine aktivere Rolle der EZB bei der Bewältigung der Staatsschuldenkrise nicht aus

Kolumne von Oliver Engelmann

Die bevorstehende Präsidentschaftswahl der Grande Nation wirft auch an den Bondmärkten ihren Schatten voraus. Favorit Francois Hollande plädiert für eine noch aktivere Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) bei der Bewältigung der Staatsschuldenkrise und gilt als Freund von Euro-Bonds und einem noch größeren europäischen Rettungsmechanismus. Doch mit einigen seiner Forderungen wird er, meint unser Kolumnist, bei Angela Merkel auf Granit beißen. Auf Schulfranzösisch: Aus "Chere Angie" könnte sehr schnell wieder die "Madame Non" werden.

Noch heute steht es als stummer Zeuge eines gescheiterten Vorhabens im heimischen Bücherregal: das Französisch-Lehrbuch "Etudes Françaises Cours Intensif". Von der ersten Stunde des Französisch-Grundkurses an ahnte ich, dass ich zukünftig wohl nur wenig zum eigentlich doch so wichtigen Erhalt der deutsch-französischen Freundschaft würde beitragen können. Beide, die Sprache genauso wie die Art ihrer Vermittlung, stellten meine Geduld von Anfang an auf eine harte Probe.

Wenn ich allein an Monique zurückdenke: Ständig klingelte in den ersten Lektionen jenes Kurses das Telefon und stets war es die einem den letzten Nerv raubende Monique, die anrief. "Le telephone sonne. Qui est-ce? C'est Monique!" Na klar, wer auch sonst? Und was wollte Monique? Meist nur mal kurz "Bonjour" sagen und fragen, wie's so geht. "Ca va?" "Ja, ja, ca va bien! Und tschüs." Gewiss: Auch die ersten Lektionen des Lateinkurses gestalteten sich nicht unbedingt intelligenter - wankte dort doch ständig ein gewisser "Marcus" in den Garten, um auf irgendeiner Schindmähre zu reiten. Und trotzdem hatte nur Monique das Potential, mich zur Weißglut zu bringen. Ähnlich auf die Palme brachten mich nur noch die französische Rechtschreibung und Grammatik.

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Vergeblicher Kampf

Wozu beispielsweise der "accent grave" gut sein soll, hat sich mir bis zum heutigen Tage ebenso wenig erschlossen wie die Verwendung des "accent aigu". Kritzelt man beide diakritischen Zeichen gleichzeitig über einen einzelnen Buchstaben, hat der nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern zugleich auch einen "accent circonflexe". Auch die Konjugation französischer Verben trieb mich schier in den Wahnsinn. Allein das Konditional 1 dürfte mich Jahre meines Lebens gekostet haben: J'attendrais, tu attendrais, il attendrait, nous attendrions, vous attendriez, ils attendraient. Aber bitte auch die Sonderformen nicht vergessen: Je serais, j'aurais, je voudrais, il faudrait, je ferais, je saurais, je pourrais und vaudrait. Und bei allem bitte immer schön auf Folgendes achten: "Nach Erlass des französischen Kultusministeriums aus dem Jahre 1977 kann dem lautsprachlichen 'e' sowohl ein 'e mit accent aigu' oder ein 'e mit accent grave' in der Schrift entsprechen." Aha! Das macht Sinn.

Von all den vielen Stunden des vergeblichen Kampfes, die französische Sprache zu erlernen, ist mir am Ende nur ein einziger Satz in Erinnerung geblieben. Den sprach die Lehrerin zu Beginn jeder Stunde und er steht noch heute symbolisch für die durchlittenen Qualen: "Laissez tous fermez, on veut repeter un peu le vocabulaire!"

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