Engelmanns Eigenhandel: Warum Spanier und Griechen in Berliner Betongold flüchten

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kolumneEngelmanns Eigenhandel: Warum Spanier und Griechen in Berliner Betongold flüchten

Kolumne von Oliver Engelmann

Die Europäische Rettungspolitik befeuert die Preise auf dem deutschen Immobilienmarkt. Niedrige Bauzinsen und Mangel an rentablen Alternativen treiben viele in Immobilien. Vermögende aus den Krisenstaaten bringen ihr Geld im Ausland in Sicherheit und kaufen Häuser in Berlin. Die Rechnung für  all diesen irrationalen Überschwang kommt später, meint unser Kolumnist.

"Berlin ist jetzt Residenzstadt!", antwortete mir kürzlich ein Immobilienmakler aus der Hauptstadt auf die Frage, ob ein Preis von 4.500 Euro pro Quadratmeter für eine unsanierte Eigentumswohnung unweit des Schöneberger Rathauses nicht etwas übertrieben sei. Für einen kurzen Moment hatte ich befürchtet, die Rückkehr der Hohenzollern auf den deutschen Kaiserthron verpasst zu haben. Sollte am Ende gar der "Alte Fritz" höchstpersönlich seiner kalten Gruft im Garten von Schloss Sanssouci entstiegen und als König von Preußen wieder auferstanden sein? Ich rätselte. Doch da auf die Kompetenz und Expertise von Immobilienmaklern stets Verlass ist, war die Erleuchtung nicht weit. Prominente aus der ganzen Welt hätten Berlin als gesellschaftlichen und kulturellen Hot-Spot für sich entdeckt, so erklärte der Makler, und ich fragte mich unwillkürlich, ob jene Prominenten wohl auch bald den Marlene Dietrich Klassiker "Ich hab noch einen Koffer in Berlin." anstimmen würden.

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Hauskauf "Es ist ein Märchen, dass Immobilien immer im Wert steigen"

Nie waren Bauzinsen niedriger – ein gefundenes Fressen für Banken und Makler, die um jeden Preis verkaufen wollen. Ein Insider aus der Finanzberatung berichtet.

Reinhard Stracke Quelle: Foto: Patrick Schuch

Wer treibt die Preise? 

Gewiss: Berlin hat in den vergangenen Jahren jene eigentümliche Mischung aus  Kudamm-Spießigkeit und "Hauptstadt der DDR"-Tristesse abgelegt und sich zu einer lebendigen, europäischen Metropole entwickelt. Doch darf mit Fug und Recht bezweifelt werden, dass Stars und Sternchen allein dafür verantwortlich sind, dass die Preise am Berliner Immobilienmarkt seit geraumer Zeit in den Himmel schießen. Man muss sich nur einmal Madonna in einer Drei-Zimmer-Wohnung an der Martin-Luther- Ecke Grunewaldstraße vorstellen, um zu erkennen, wie absurd die These von den zugereisten, die Preise treibenden Celebrities ist. Eines ist aber auch klar: Die Berliner treiben die Preise ebenso wenig! Denn Berlin trägt den unrühmlichen Titel "Hartz-IV-Hauptstadt". Nirgendwo sonst sind in unserem Land mehr Menschen auf die Hilfe des Staates angewiesen als dort. Niedrigverdiener und Hartz-IV-Bezieher treten am Immobilienmarkt allenfalls dann in Aktion, wenn sie sich dagegen wehren, dass Projektentwickler ihre preisgünstigen und zumeist sehr geräumigen Mietwohnungen in Luxusdomizile für Reiche aus aller Herren Länder umwandeln wollen. Und die sind es, die in letzter Konsequenz die Preise nach oben treiben.

Wohnungspreise in Berlin 2013 (3. Quartal) Quelle: obs

Am meisten kosten die eigenen vier Wände derzeit im Bezirk Berlin-Mitte. Wohnungskäufer müssen mit Höchstpreisen von mehr als 4.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche rechnen. (Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu vergrößern!)

Bild: obs

Flucht vor Enteignung

Mancher Makler berichtet einem im persönlichen Gespräch von Spaniern, Griechen und anderen Bürgern aus Staaten der Euro-Zonen-Peripherie, die dieser Tage Wohnungen, teils sogar ganze Häuser, in der Hauptstadt erwerben. Kaum einer dieser Käufer beabsichtigt dabei, seine Immobilie selbst zu nutzen. Es scheint solchen Käufern auch nicht um eine rentable Kapitalanlage zu gehen. Denn selbst wenn die Miete nach einer Sanierung des Objekts zum Teil verdoppelt werden kann, bliebe die Rendite einer solchen Anlage eher mickrig. Man ist wohl kein Schelm, wenn man vermutet, dass viele der Immobilienkäufer aus den Krisenstaaten Europas ihr Geld im Ausland in Sicherheit bringen wollen. Und wo könnte solches Geld sicherer sein als in einer Stadt wie Berlin - der Hauptstadt eines Landes mit stabilen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen und einer gefestigten Rechtsordnung! Wem in der Heimat auf Grund klammer staatlicher Kassen die Enteignung flüssigen Geldvermögens droht und wer fürchtet, im Falle eines Bankenbankrotts auch als Gläubiger zur Kasse gebeten zu werden, der gießt sein Geld schon mal in Beton! Gerne auch in Berlin. Oder in Paris oder London! Die Immobilienmärkte im Süden Europas liegen am Boden; das Preissteigerungspotential dürfte auf Grund der bisweilen katastrophalen wirtschaftlichen Lage vieler Länder auf Jahre hinaus begrenzt sein.

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