Engelmanns Eigenhandel: Wer vom Negativzins profitiert

ThemaEZB

kolumneEngelmanns Eigenhandel: Wer vom Negativzins profitiert

Kolumne von Oliver Engelmann

An welchen Stellschrauben wird die Europäische Zentralbank am Donnerstag drehen? Unser Kolumnist befürchtet: Viele Banken werden noch mehr in Wertpapieren anlegen.

Sehr oft wird in den Medien darüber geklagt, dass Kinder und Jugendliche von Schillers „Glocke“ über den „Satz des Pythagoras“ bis hin zum Häkeln von Topflappen so gut wie alles lernen, nur nicht die eine Disziplin, auf die es – man mag das beklagen oder nicht – im Leben ankommt: den Umgang mit Geld.

Selbst die letzte Bastion der Ausbildung in Finanzfragen, das Sparbuch, könnte schon bald ihren pädagogischen Sinn einbüßen. Denn wurde Kindern bislang das Prinzip von Zins und Zinseszins dadurch nahegebracht, dass ihre Eltern sie dazu anhielten, ihr Erspartes auf ein Konto bei einer Bank oder Sparkasse einzuzahlen, die ihnen als Belohnung für ihr tugendhaftes Verhalten eine Verzinsung ihres Guthabens in Aussicht stellten, dürften die lieben Kinderlein schon bald weniger ausgezahlt bekommen, als sie ursprünglich eingezahlt haben.

Anzeige

Das zumindest fürchten einige derjenigen, die sich dieser Tage mit der Frage befassen, welche Auswirkungen ein negativer Einlagenzins der Europäischen Zentralbank (EZB) haben könnte.

Negativzins wahrscheinlich
Mit Spannung erwartet man an der Börse die geldpolitischen Entscheidungen, die der Rat der EZB auf seiner Sitzung am Donnerstag treffen wird. Viel ist bereits im Vorfeld darüber diskutiert worden, an welchen Stellschrauben Mario Draghi und seine Ratskollegen drehen werden.

Spekulationen über ein „Quantative Easing“ Programm á la Federal Reserve sowie einen weiteren Langfristtender schossen dabei mächtig ins Kraut. Weitestgehende Einigkeit scheint momentan darüber zu bestehen, dass sowohl der Hauptrefinanzierungssatz als auch der Einlagesatz ein weiteres Mal gesenkt werden sollen. Und da letzterer bereits null Prozent beträgt, würde eine weitere Senkung einen negativen Zinssatz für Einlagen bei der EZB zur Folge haben.

Denkfabrik Der Steuerzahler muss mal wieder die Zeche zahlen

Das Quantitative-Easing-Programm der EZB ist ein Fall für das Verfassungsgericht. Denn wie bei den bisherigen Euro-Rettungen muss am Ende der Steuerzahler die Zeche zahlen.

Quelle: dpa

Mit einem solchen negativen Zins beträte die Zentralbank in der Euro-Zone geldpolitisches Neuland. Die Verantwortlichen versprechen sich von einer solchen Maßnahme positive Auswirkungen auf die Kreditvergabe der Banken. Und damit auf das Wachstum, insbesondere in den südlichen Ländern der Euro-Zone. Ein willkommener Nebeneffekt dürfte in der Abschwächung des Euro gegenüber dem Dollar liegen, die die exportorientierte Wirtschaft Europas stützen sollte.

800 Milliarden bei der EZB
Die Einlagefazilität der EZB soll es Geschäftsbanken ermöglichen, nicht benötigte überschüssige Liquidität bei der Notenbank anzulegen. Blickt man auf die kurze Geschichte der Einlagenfazilität zurück, so stellt man fest, dass sich deren Nutzung vor und nach der Finanzkrise deutlich unterscheidet.

Wurde die Einlagenfazilität vor der Finanzkrise nur mit kleinen Volumina genutzt und lag deren Verzinsung in der Regel einen Prozentpunkt unter dem Hauptrefinanzierungssatz, so schoss die Summe der Einlagen während der Bank- und Staatschuldenkrise deutlich in die Höhe. Gleichzeitig näherten sich die beiden Zinssätze an.

In der Spitze parkten Banken im Jahre 2012 sagenhafte 800 Milliarden Euro bei der Zentralbank. Diese Summe ist zwischenzeitlich deutlich geschrumpft – vor allem deshalb, weil viele Banken Gelder, die sie sich über Langfristtender der Notenbank geliehen hatten, vorzeitig zurückgezahlt haben.

Nun soll also ein negativer Einlagensatz die letzten Banken dazu bewegen, überschüssige Liquidität nicht länger im Tresor der EZB zu parken! Doch wird sich erfüllen, was sich die Notenbank davon verspricht? Welche segensreichen Wirkungen könnte ein negativer Einlagensatz wirklich entfalten? Und welche Nebenwirkungen sind zu befürchten?

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%