EU-Jugendarbeitslosigkeit: Rezepte gegen die verlorene Generation

EU-Jugendarbeitslosigkeit: Rezepte gegen die verlorene Generation

von Max Haerder

Was hilft gegen die anhaltende Arbeitsmarkt-Misere in Südeuropa? Ökonomen empfehlen mehr Praxis, mehr Geld und bessere Beratung.

Clemens Fuest hat keine Neigung zum Alarmismus. Er spricht ruhig und überlegt. Aber was er sagt, hat es in sich. Hohe Jugendarbeitslosigkeit kenne Europa zwar schon länger, referiert der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Aber in der Krise sei sie „wahrlich explodiert“. Der Kontinent sei gespalten, Deutschland und ein paar andere Länder befänden sich gerade auf der rosigen Seite, einige andere hingegen kämen „aus der Krise nicht mehr heraus“.

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Ukraine, Nahost, Irak: Die Misere der Jugend auf dem europäischen Arbeitsmarkt ist angesichts der globalen Unruhen in den Hintergrund gerückt. Dabei ist es gerade erst ein Jahr her, da versammelten sich die Regierungschefs der EU im Berliner Kanzleramt, um der „verlorenen Generation“ mit viel Tamtam ihre Hilfe zu versprechen. Es gab große, ernste Worte, ein paar Milliarden und die EU-Jugendgarantie sollte schnelle Hilfe für alle ohne Job oder Ausbildung bringen. Die Aufmerksamkeit der Politik liegt nun anderswo, die Probleme aber  – gerade in Südeuropa – sind geblieben. Die Arbeitslosenraten der 15- bis 24-Jährigen sind und bleiben hoch.

Was macht die EU gegen Jugendarbeitslosigkeit?

  • EU-Fördergelder

    Für die sogenannte Jugendgarantie sind sechs Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 einplant. Auf diese EU-Gelder können die Staaten zurückgreifen, um Menschen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten zu einer Arbeit, einer Ausbildungsstelle oder einem Praktikum zu verhelfen. Die EU-Kommission setzt sich dafür ein, dass vorgesehene Fördergelder schneller zum Einsatz kommen und schon in den kommenden beiden Jahren verwendet werden. Allerdings steht die endgültige Einigung auf den Finanzrahmen 2014 bis 2020 der Union noch aus.

  • Europäische Investitionsbank

    Schon 2012 hatten die EU-Staats- und Regierungschefs beschlossen, das Kapital der Hausbank der EU um 10 Milliarden Euro aufzustocken, um sie schlagkräftiger zu machen. EIB-Präsident Werner Hoyer hat nun im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit eine Vorfinanzierung von EU-Initiativen angeboten. „Wir sollten überlegen, das vorzufinanzieren, um rasch Wirkung zu erzielen“, sagte Hoyer der „Welt am Sonntag“.

  • Kampf gegen Kreditklemme

    Die EU verstärkt ihren Kampf gegen die gefährliche Kreditklemme für Mittelständler in südeuropäischen Krisenländern. EU-Kommission und Europäische Investitionsbank (EIB) wollen dafür EU-Töpfe wie Regionalförderung und Forschungsrahmenprogramm mit Geldern der EIB kombinieren, um mehr Bürgschaften zu vergeben.

Das ZEW hat nun im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung eine neue Bestandaufnahme vorgelegt. Sie konzentriert sich auf drei Problemländer: Italien, Spanien und Portugal. Die Analyse offenbart, dass die vollmundigen Versprechen des vergangenen Jahres bislang tatsächlich allenfalls in sehr kleinen Dosen eingelöst worden sind. Noch immer suchen rund 5,5 Millionen junge Menschen in der EU einen Job – und finden keinen. Die Experten des ZEW zeigen nun einen wichtigen Grund: Die Reformbemühungen sind höchst unterschiedlich ausgefallen.

In Spanien fiel der Konjunktureinbruch in der Finanzkrise besonders harsch aus. Zuvor war die spanische Wirtschaft, getrieben durch einen Bauboom, lange mit mehr als drei Prozent pro Jahr gewachsen. Als die Blase am Immobilienmarkt platzte, verloren zuerst die meist befristet und mäßig qualifizierten Jugendlichen ihren Job. Viele von ihnen suchen bis heute den Anschluss.

Allerdings habe Spanien eine „ehrgeizige Arbeitsmarktreform“ auf den Weg gebracht, loben die ZEW-Fachleute. Die riesigen Unterscheide im Kündigungsschutz zwischen jungen und älteren Angestellten wurden angenähert, praxisnahe duale Ausbildungen werden gemeinsam mit Unternehmen entwickelt. Spanien interessiert sich bereits länger für das deutsche Modell.

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