_

EU-Kommission: Deutsche sollen noch länger arbeiten

von Eva Neukirchen

In Deutschland wird das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre erhöht. Doch das ist der EU-Kommission offenbar nicht genug. Sie will eine weitere Erhöhung empfehlen.

Rentner Quelle: dpa
Wann die arbeitende Bevölkerung ins Renteneintrittsalter kommt, regeln die einzelnen Länder Quelle: dpa

Wie die "Bild-Zeitung" unter Berufung auf das bisher unveröffentlichte „Weißbuch Rente“ der Kommission berichtet, soll der Rentenbeginn künftig automatisch an die steigenden Lebenserwartungen gekoppelt werden. Dann müsste auch das in Deutschland auf 67 Jahre angehobene Rentenalter künftig weiter steigen. Andere EU-Länder würde eine solche Neuregelung noch härter treffen. Ein Beispiel: Frankreich. Das Nachbarland hat relativ junge Rentner – 2010 wurde das neue Gesetz verabschiedet, das den Rentenbeginn von 60 auf 62 Jahre nach hinten verschob. Gehe es nach den jüngsten Plänen der EU-Kommission, müsste die arbeitende Bevölkerung Frankreichs ihren Eintritt ins Ruhestandsalter noch viel weiter nach hinten verlagern – entsprechend der gestiegenen Lebenserwartung der Menschen.

Anzeige

Verlockendes Wahlversprechen für Arbeitnehmer

Völlig anders sieht das der Sozialist, der aktuell gute Chancen auf das Präsidentenamt in Frankreich hat. Für die Rentner in seinem Land hat der Franzose ein lukratives Angebot als Wahlversprechen: „Alle diejenigen, die 60 Jahre alt sind und die ihre Beiträge an die Rentenversicherungen entrichtet haben, werden die volle Rente ab 60 genießen, sofort und mit vollen Rechten“, verspricht Hollande. Eine solche Rückkehr zur Rente mit 60 Jahren würde dem Staat bereits im ersten Jahr eine Milliarde Euro kosten.

Entspanntes Leben: Im Vergleich zu Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien und den Niederlanden landet Frankreich auf dem letzten Platz. Und zwar dann, wenn es um die jährlich geleisteten Arbeitsstunden geht. Ein vollbeschäftigter Franzose arbeitet im Schnitt 1.679 Stunden. Noch weniger als 1999. Da waren es noch 1.950 Stunden.

Quelle: dapd

In zahlreichen europäischen Ländern ist das Renteneintrittsalter in den vergangenen Jahren heraufgesetzt worden, doch noch sind solche Regelungen EU-weit äußerst unterschiedlich.

Im EU-Vergleich arbeiten beispielsweise die Schweden schon jetzt im Schnitt mit rund 40 Jahren am längsten. Sie gehen laut Untersuchung der Statistikbehörde Eurostat mit durchschnittlich 64,3 Jahren relativ spät in Rente. In die gleiche Richtung wie die EU-Kommission schlägt aktuell auch der schwedische Ministerpräsident. Er schlug in dieser Woche vor, das Renteneintrittsalter auf 75 Jahren heraufzusetzen. Seine Argumentation: die gestiegene Lebenserwartung.

So heißt es auch in dem aktuellen Medienbericht über das „Weißbuch“: Die Anbindung des Rentenalters an die Lebenserwartung könnte dazu beitragen, die „Balance zwischen Arbeitsjahren und Rentenjahren zu stabilisieren.“

Das sei von zentraler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit. Nach Berechnungen der EU-Kommission könnte durch die Koppelung die Hälfte der durch die alternde Bevölkerung erwarteten Belastungen der Rentenkasse eingespart werden. So argumentiert auch Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt. Wollten die Menschen in seinem Land die gegenwärtigen Sozialleistungen erhalten, müssten sie deshalb auch länger arbeiten.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.02.2012, 18:06 UhrAnonymer Benutzer: walter

    Prinzipiell ist ein solcher Vorschlag logisch nachvollziehbar.

    Allerdings entsteht für den Bürger notwendigerweise der Eindruck, dass dies nur in Deutschland als Sparmaßnahme durchsetzt werden könnte, um Geld zu sparen und dann anschließend verschwenderische EU- Länder stärker finanziell unterstützuen zu können.

    Akzeptabel ist dies nur, wenn es nicht für Sozialtransfers an Geldverschwender-Staaten missbraucht wird

  • 10.02.2012, 10:58 UhrAnonymer Benutzer: otto

    Für unsere Politikdarsteller sind wir Bürger doch gar keine Menschen mehr sondern nur noch Kostenfaktoren. Es dauert nicht mehr lange dann werden wir bis zum Ableben arbeiten. Denn dann braucht der Staat auch keine Rente mehr bezahlen. Es ist wirklich traurig wie mit uns Bürgern umgegangen wird!!! Warum werden wir eigendlich noch als Menschen bezeichnet, wenn wir doch nur noch wie Vieh behandelt werden!!!

  • 10.02.2012, 07:13 UhrAnonymer Benutzer: Joselyn

    Erst einmal sollte die Regierung dafür sorgen, dass die Arbeitnehmer menschenwürdige Arbeitsplätze und vernünftige Bezahlung haben und auch so bezahlt werden, dass die von ihrer Arbeit leben können und nicht auf staatliche Hilfen angewiesen sind. Wie das Land und die Menschen ausgebeutet werden ist schäbig.

    Die Bundesagentur für Arbeit manipuliert ständig die Arbeitslosenzahlen und viele Arbeitnehmer arbeiten für einen Hungerlohn, sind aber erstmal aus der Statistik.

    Vor allem sollten für die Politiker die gleichen Regeln gelten wie für jeden anderen Arbeitnehmer auch. Auch sie sollten in die gesetzliche Rentenkasse einbezahlen müssen und auch nur das erhalten, was jeder andere erhalten würde.

    Es ist schrecklich, dass Menschen, die ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben im Alter nun auch noch Armut erleiden sollen.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.